Sexismus an dänischer Uni

„Stoppt das Verbot von nackten Bäuchen“ – Kampf gegen Sport-BH-Verbot

  • VonUlrike Hagen
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Dänemark: Nach öffentlicher Diskriminierungs-Debatte um nackte Bäuche beim Work-out fordern Frauen im Uni-Fitnessstudio, mit Sport-BH trainieren zu dürfen.

Odense – An der Süddänischen Universität in Odense tobt ein Kampf gegen die Diskriminierung nackter Bäuche und das Verbot von bequemer Kleidung beim Work-out. Der Hintergrund: Im unieigenen Fitnessstudio „SDU Fitness“ war es Frauen tatsächlich jahrelang verboten, im Sport-BH zu trainieren.

Land in Europa:Dänemark
Hauptstadt:Kopenhagen
Einwohner:5,806 Millionen (2019)
Währung:Dänische Krone
Eintritt in die EU:1973

Diskriminierung in Dänemark: BH-Verbot bringt Studentinnen auf die Barrikaden

Ein absurder Sexismus-Gegenentwurf zu den Regeln bei der Beach-Handball-EM, bei der Frauen in knappen Höschen spielen müssen. Studentinnen der Universität ging es gewaltig gegen den Strich, dass ihnen das Work-out im bequemen Outfit, das der Haut Luft zum Atmen lässt, untersagt war – und wehrten sich. Die jungen Frauen starteten eine Unterschriftenaktion mit dem Titel „Stoppt das Verbot von nackten Bäuchen bei SDU Fitness“.

Überhaupt nur zehn Staaten, so Studien der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) garantieren Frauen gesetzlich Gleichberechtigung. Neben Schweden, Belgien, Frankreich, Lettland und Luxemburg zählt auch Dänemark, das zukünftig Migranten zur Arbeit zwingen will*, dazu. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet in diesem skandinavischen Land eine Diskriminierungs-Debatte um angemessene Kleidung von Frauen beim Sport entfacht ist.

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Unterschriftenaktion mit durchschlagendem Erfolg: Frauen dürfen im Sport-BH trainieren

Mit Nachdruck warben die Frauen für ihr Anliegen und schnell fanden zahlreiche Unterstützer für ihre Kampagne. Nachdem sie ihre BH-Petition mit der Unterschriftensammlung eingereicht hatten, rief „SDU Fitness“ eine außerordentliche Vorstandssitzung ein. Das Ergebnis der Tagung war ein triumphaler Sieg der Initiatorinnen des Kampfes um die freie Wahl des Trainingsdresses.

„SDU Fitness“ verkündete, dass ab sofort auch „Training im Sport-BH“ zugelassen sei. Unabhängig von Corona-bedingten Auflagen und Regeln, die auch in Fitnessstudios in Hamburg galten, dürfen Frauen also nun beim Work-out tatsächlich Bauch zeigen, ohne abgestraft zu werden.

Frauen erstritten sich an der Odenser Universität erfolgreich das Recht auf ihr Training im Sport-BH. (Symbolbild)

Diskriminierung: BH-Verbot wegen „kultureller Vielfalt“, Hygiene und Angemessenheit

Begründet wurde das bisherige BH-Verbot in dem Studio, in dem ausschließlich Studierende und Lehrkräfte der Universität Odense trainieren dürfen, unter anderem mit Aspekten der „größtmöglichen kulturellen Vielfalt“, Hygienemaßnahmen und Angemessenheit. In den Verhaltens-Regularien der Sportstätte war darum ein freier Oberkörper oder ein Sport-BH bisher ein komplettes „No-Go“.

„Kampf um Sportkleidung, kulturelle Rücksicht und dänische Werte“

Die größte dänische Tageszeitung „Jyllands-Posten“ ordnet den Feldzug für das Recht auf den Sport-BH jedenfalls als nichts Geringeres als einen „Kampf um Sportkleidung, kulturelle Rücksicht und dänische Werte“ ein, und zitiert dazu eine Medizinstudentin, die ihre Motivation für den „Bra-Fight“ allerdings etwas nüchterner auf den Punkt bringt: „Im Sport-BH fühle ich mich beim Training am wohlsten“.

Wie tief Sexismus noch immer in der Gesellschaft verankert ist, zeigten zuletzt die von einer Richterin bei der Jungen Union verordnete Sexismus-Kontrolle gegen Macho-Getue* und die Sexismus-Vorwürfe, gegen welche sich die WHO wegen des geforderten Alkoholverbots für gebärfähige Frauen* wehren musste. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kzenon/Imago

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