Dauerfrost in Niedersachsen: 49 Schiffe festgefroren

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Binnenschiffe liegen in der aufgebrochenen Eisdecke im Mittelandkanal nahe der Schleuse bei Anderten in Hannover.

Hannover - Der Dauerfrost hält Niedersachsen weiter in seinem eisigen Griff. Während sich die Lage auf den Straßen, den Flughäfen und bei der Bahn aber langsam entspannt, ist nun die Schifffahrt betroffen. Güterschiffe sind festgefroren, der Fährverkehr hat Probleme.

Seit Tagen hat der Dauerfrost Niedersachsen fest im Griff. Auto- und Bahnfahrer haben sich inzwischen auf längere Fahrtzeiten eingestellt, jetzt ruht der Schiffsverkehr in weiten Teilen Niedersachsens. Im Bereich des Mittellandkanals und des Elbe-Seiten-Kanals seien östlich von Hannover insgesamt 49 Schiffe im Eis gefangen, sagte eine Sprecherin der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mitte am Dienstag in Hannover.

Die Fährschiffe zu den ostfriesischen Inseln schieben sich derzeit mit erhöhter Vorsicht und Verspätungen durch Eisschollen. „Die kämpfen sich durch das Eis. Wir benötigen vor allem in den Häfen mehr Zeit“, sagte am Dienstag Fährdienstleiter Hans-Jörg Oltmanns von der Reederei AG Ems, die von Emden und Eemshaven aus Borkum ansteuert. Die Sicherheit gehe vor. Bislang mussten nach Angaben der Nordsee GmbH in Schortens noch keine Verbindungen gestrichen werden. Die Urlauber seien verständnisvoll, wenn es zu leichten Verspätungen komme.

Wegen des Winterwetters werden aber keine Katamarane auf der Strecke nach Borkum eingesetzt, sondern nur noch normale Fähren. Doch auch an Bord der Schiffe muss die Besatzung immer wieder für die Sicherheit der Fahrgäste sorgen. „Blitzeis gibt es auch auf den Treppen und dem Außendeck“, erklärte Oltmanns. Dort werde dann gestreut, und die Fahrgäste würden mit Durchsagen gewarnt.

Für die Räumarbeiten in den Häfen werde zur Zeit mehr Personal als sonst gebraucht. Keine großen Probleme gebe es auf den Verbindungen nach Juist und Norderney, erklärte ein Sprecher der Reederei Norden-Frisia. Ab und zu gebe es Verspätungen von einigen Minuten. Grund sei oft, dass man auf verspätete Züge warte.

Absolut störungsfrei verläuft der Fährverkehr auf der Weser bei Bremen. „Wir haben keine Probleme mit Eisschollen-Bildung“, sagte der Geschäftsführer der Fähren Bremen-Stedingen GmbH, Andreas Bettray. 14.000 Gäste pro Tag werden an drei Stellen über den Fluss gebracht. Auf den Fährrampen müsse aber intensiv gestreut werden, berichtete Bettray. Dagegen hat die Elbfähre „Tanja“ zwischen Neu Darchau und Bleckede nach Betreiberangaben bereits vor Weihnachten wegen Eisgangs auf der Elbe ihren Betrieb eingestellt. Wer jetzt zwischen beiden Orten pendeln muss, kann die Elbe nur noch über eine der beiden Elbbrücken in Dömitz (Mecklenburg-Vorpommern) oder Lauenburg (Schleswig-Holstein) überqueren.

Dramatischer ist die Situation bei den Berufsschiffern auf den Kanälen im Osten Niedersachsens. „Wir beraten täglich über den Einsatz der Eisbrecher auch im östlichen Landesteil“, betonte die Sprecherin. Die Kapitäne der festliegenden Schiffe hätten bei der zuständigen Zentrale jedoch nicht den Wunsch angemeldet, freigebrochen zu werden. „Bei den aktuellen Minustemperaturen macht der Einsatz im Osten auch keinen Sinn, weil die Fahrrinne immer wieder zufrieren würden.“ Daher spielten auch wirtschaftliche Gründe bei der Entscheidung eine Rolle.

In der Region Braunschweig liegen 29 Schiffe fest. „Im Mittellandkanal, Elbe-Seiten-Kanal und Stichkanal Salzgitter geht nichts mehr“, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Es habe sich eine etwa 20 Zentimeter dicke Eisschicht gebildet. Auch das Fahrgastschiff der Autostadt Wolfsburg liege fest. Nur in Richtung Westen sorgen vier Eisbrecher für eine freie Fahrrinne auf dem Mittellandkanal bis ins westfälische Minden und Bergeshövede.

Auch der Stichkanal Osnabrück ist freigebrochen. Trotz der mittlerweile dicken Eisschicht warnt die Wasserschutzpolizei eindringlich davor, die zugefrorenen Kanäle zu betreten. Da bis kurz vor Weihnachten die Eisbrecher noch unterwegs waren, hätten sich Eisschollen übereinandergeschoben. Daher habe sich keine einheitlich dicke Schicht gebildet.

Quelle: kreiszeitung.de

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