Daniel S. wurde einmal laut

So entstand der Streitschlichter-Ruf

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Kerzen am Bahnhof in Weyhe erinnern an Daniel S.

Verden - Von Felix Gutschmidt. Die Aussage von Jan A. haben die Beteiligten im Prozess um den Tod von Daniel S. am Landgericht Verden mit Spannung erwartet. Nach dem Studium der Akten war zu erwarten, dass er interessante Details verraten könnte über die Nacht des 10. März. Cihan A. (20) soll Daniel S. am Bahnhof in Kirchweyhe angegriffen und tödlich verletzt haben. Die Anklage lautet auf Mord.

Jan A. (20) kannte Daniel S. (25) persönlich. Sie waren Arbeitskollegen und Freunde. Gemeinsam waren sie mit dem Bus zu einer Discothek nach Wildeshausen gefahren. Vor Gericht berichtete Jan A., dass sie auf dem Weg nebeneinander gesessen hätten.

Die Szene auf der Heimfahrt, die im Rückblick dazu führte, dass das spätere Opfer Daniel S. als „Streitschlichter“ bezeichnet wurde, beschrieb Jan A. so: Zwei Freunde des Angeklagten provozierten einen Mitfahrenden, bis dieser aus der Haut fuhr. Sofort mischten sich mehrere Unbeteiligte ein – darunter auch Cihan A. – und trennten die Streithähne. Der Angeklagte und seine Begleiter nahmen im vorderen Teil des Busses Platz, die anderen hinten.

Im weiteren Verlauf der Fahrt heizte sich die Stimmung im Bus auf. Als gegen Ende der Fahrt die beiden Provokateure erneut pöbelten, habe Daniel S. gesagt, sie sollten nicht so respektlos sein, erinnerte sich Jan A. „Er sagte es so laut, dass es jeder versteht.“ Das habe ihn verwundert, denn eigentlich sei Daniel immer ganz ruhig gewesen.

Über die Geschehnisse nach der Ankunft des Busses am Bahnhof konnte er gestern vor Gericht nicht viel Neues sagen. Aus dem Bus heraus habe er gesehen, wie draußen der Angeklagte Daniel S. an der Schulter gepackt habe. „Da bin ich innerlich explodiert.“ Er sei aus dem Bus gestürmt, um seinem Freund zu helfen, doch kurz hinter dem Ausstieg habe ihn sein Kumpel Marko G. gepackt und festgehalten. Dann sei es zu einer Rangelei mit Coskun A., einem Begleiter des Angeklagten, gekommen. Als er Daniel S. das nächste Mal sah, lag er bereits am Boden. Der erwähnte Marko G. hatte die Szene am vorangegangenen Verhandlungstag fast deckungsgleich geschildert.

Die seiner Freundin gegenüber gemachte Aussage, dass er neben dem Angeklagten auch noch dessen Freunde sowie zwei weitere Personen türkischer Abstammung gesehen habe, wie sie Daniel S. angriffen, stellte sich vor Gericht als Lüge heraus. Im Zuge der Befragung durch Staatsanwältin Annette Marquardt räumte Jan A. ein, Aussagen anderer übernommen zu haben – aus Wut. Marquardt: „Wut auf Ausländer?“ Antwort: „Ja.“

Quelle: kreiszeitung.de

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