Forscher melden positive Ergebnisse

Coronavirus-Studie beweist feine Hundenasen: Tiere können Sars-CoV-2-Infektionen erschnüffeln

Spürhunde können bereits Sprengstoff und Drogen mit ihrer Nase wahrnehmen. Jetzt bildet die Bundeswehr einige Tiere aus, damit sie auch Corona-Viren erkennen. Eine Studie gibt dieser Idee nun Recht.

  • Spürhunde werden bei der Polizei und im medizinischen Bereich eingesetzt.
  • Bundeswehr und Tierärztliche Hochschule Hannover haben erprobt, ob Hunde das Corona-Infektionen erschnüffeln können.
  • Forscher aus Hannover verkünden ein positives Studienergebnis.

Update vom 24. Juli: Besonders geschulte Hunde können einer Studie zufolge Corona-Infektionen recht zuverlässig erschnüffeln. „Die Hunde mussten lediglich eine Woche trainiert werden, um zwischen Proben von Sars-CoV-2-infizierten Patienten und nicht infizierten Kontrollen zu unterscheiden“, teilte die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover am Donnerstag mit. „Die Methode könnte in öffentlichen Bereichen wie Flughäfen, bei Sportveranstaltungen, an Grenzen oder anderen Massenveranstaltungen als Ergänzung zu Laboruntersuchungen eingesetzt werden, um eine weitere Verbreitung des Virus oder Ausbrüche zu verhindern“, hieß es weiter.

Die Diensthunde Vine (r.) und Eric Junior mit ihren Hundeführern Giulia Gauselmann und Robert Zacharz tragen an der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr Sonnenbrillen.

Das Team um Holger Andreas Volk von der Tierärztlichen Hochschule Hannover, zu dem unter anderem Mitarbeiter der Medizinischen Hochschule Hannover und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zählten, testete acht spezialisierte Spürhunde der einzigen Diensthundeschule der Bundeswehr in Ulmen in Rheinland-Pfalz.

Bundeswehr-Diensthundeschule erhält nach Erfolg in Corona-Studie hohen Besuch

Nach dem einwöchigen Training konnten die Hunde unter 1012 Proben von Speichel oder Atemwegssekret 94 Prozent korrekt identifizieren, wie das Team im Fachblatt „BMC Infectious Diseases“ berichtet. Die Proben waren per Zufallsprinzip verteilt, und weder Hundeführer noch Forscher wussten, welche davon Corona-infiziert und welche Corona-frei waren. Die Hunde erkannten 83 Prozent der positiven Proben und 96 Prozent der negativen Kontrollproben. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wollte die Dienststelle bei Ulmen in der Vulkaneifel an diesem Freitag besuchen.

„Die Geruchserkennung von Hunden ist weit besser, als sich die breite Öffentlichkeit vorstellen kann“, erläutert Verhaltensforscherin Esther Schalke von der Diensthundeschule. „Trotzdem waren wir erstaunt, wie schnell unsere Hunde trainiert werden konnten, um Proben von Sars-CoV-2-infizierten Personen zu erkennen.“ (dpa)

Originalartikel vom 6. Juli: Ein Hund ist nicht nur der beste Freund des Menschen, sondern auch in manch einer Situation ein wahrer Held und Retter. Die Tiere zeichnen sich vor allem durch ihren ausgezeichneten Geruchssinn aus - ohne sie wäre die Suche nach Drogen, vermissten Personen oder verstecktem Sprengstoff oft aussichtslos. Spürhunde werden nicht nur bei der Polizei und dem Zoll, sondern auch in medizinischen Bereichen eingesetzt. Beispielsweise können die Tiere darauf trainiert werden, Alarm zu schlagen, wenn es bei einem Diabetiker gefährliche Schwankungen des Blutzuckerspiegels gibt.

Auch Krebs beziehungsweise die ausgestoßenen Chemikalien eines Tumors können sie mit ihrer feinen Nase aufnehmen. Um der aktuellen Bedrohung durch die Corona-Pandemie entgegenzuwirken, erprobt die Bundeswehr gemeinsam mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo), ob speziell trainierte Hunde auch das Coronavirus erschnüffeln könnten.

Ausbildung der Spürhunde:zur speziellen Geruchserkennung und -verfolgung
Einsatzgebiete:Polizei, Zoll, Bundeswehr
Spezialisierungen:Sprengstoff, Suchtmittel, Personen, Leichen, Bargeld, Schimmel
Aufgaben im medizinischen Bereich:Diabetikerwarnhund, Epilepsiehund, Krebserkennung

Coronavirus-Spürhunde werden von der Bundeswehr in Ulmen ausgebildet

In Kooperation mit der Tierärtzlichen Hochschule Hannover hat die Bundeswehr in ihrer deutschlandweit einzigen Diensthundeschule bei Ulmen in der Eifel aktuell ein neues Forschungsprojekt gestartet. Dabei soll jetzt getestet werden, ob Hunde mit ihrer feinen Nase das Coronavirus (Sars-CoV-2) am Geruch von Speichelproben erschnüffeln könnten, berichtet die Bundeswehr auf ihrer Internetseite.

Donnie ist ein dreijähriger belgischer Schäferhund und einer von zehn weiteren Hunden, die durch das Training das gefährliche Coronavirus erschnüffeln lernen soll. Die Bundeswehr veröffentlichte eine kurze Szene, die zeigt, wie so etwas aussieht: Noch einmal dreht sich Donnie kurz um, wartet auf den Befehl und dann läuft er los. Zunächst erfasst er kurz die Situation in der großen Halle, dann geht er ganz zielstrebig vor: Er schnüffelt nacheinander systematisch alles ab, was ihm vor die Nase kommt. Schließlich steckt er seine Nase in eine Öffnung und harrt plötzlich aus – für etwa zwei Sekunden. Dann ist er am Ziel und bekommt seine Belohnung, einen kleinen gelben Spielball.

Für diesen Job werden in Ulmen neben Schäferhund Donnie auch noch Spaniel und Retriever ausgebildet. Donnie hat bereits eine duale Ausbildung mit seinem Hundeführer absolviert, berichtet die Bundeswehr. Er sei aktuell ausgebildeter Sprengstoffspürhund und gleichzeitig Schutzdiensthund.

Noch proben Bundeswehr-Spürhunde mit inaktiven Coronaviren

Mit einer Trefferquote von derzeit etwa 80 Prozent seien die Forscher in Ulmen in der Schule für Diensthundewesen auf dem besten Weg, das Projekt erfolgreich weiterzuführen. „Wir brauchen noch etwa drei bis vier Wochen, bis uns belastbare Ergebnisse vorliegen. Dann werden wir ziemlich genau sagen können, ob unsere Hunde in der Lage sind, das neuartige Coronavirus aufzuspüren“, ist sich die Leiterin des Projektes, Dr. Schalke, sicher.

Auch der Inspekteur der Streitkräftebasis Generalleutnant, Martin Schelleis, sei mit dem derzeitigen Stand der Forschung zufrieden. Es deute sehr vieles darauf hin, dass eine Ausbildung der Hunde zum Aufspüren des neuartigen Coronavirus möglich sei. Er besuchte die Dienststelle in Ulmen im Juni.

Spürhund Donnie schnüffelt so lange alles ab, bis er den richtigen Geruch findet.

Derzeit proben die Hunde allerdings noch mit inaktiven Viren. Wenn diese erste Versuchsreihe abgeschlossen sei, gilt es, dasselbe mit aktiven Coronaviren durchzuführen. „Das muss dann unter ganz anderen Bedingungen stattfinden, schließlich müssen wir sicher sein, dass sich niemand an den hochinfektiösen Proben anstecken kann“, sagt Doktorandin Paula Jendrny. Es ist also noch ein längerer Weg, bis die Tiere vollständig einsatzfähig sind. Aber können sich Hunde und Katzen nicht mit dem Virus anstecken?

Coronavirus-Proben vor Spürhund-Proben unschädlich gemacht

Forschungen, in denen es um das Aufspüren von Coronaviren durch Spürhunde gehe, finden nicht nur in Deutschland statt: Auch in Großbritannien, Finnland und Frankreich würden sich Experten mit diesem Thema befassen. Das Einsetzen der Tiere würde auf jeden Fall Sinn ergeben und Corona-Testungen unterstützen. Erst kürzlich gab es einen Corona-Reihentest in Niedersachsen, nachdem eine Entwarnung ausgeschlossen war.

„Im Gegensatz zu den europäischen Kollegen nutzen wir den Speichel von infizierten Personen, in dem zunächst die Viren chemisch inaktiviert, also unschädlich gemacht werden. Speichel hat den Vorteil der schnellen und ortsunabhängigen Verfügbarkeit, wenn viele Menschen getestet werden sollen“, sagt Paula Jendrny, die das laufende Forschungsprojekt als Doktorandin der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover begleitet.

Und wenn es dann wirklich möglich sein sollte, Personen, die an dem Coronavirus erkrankt sind, mittels eines Spürhundes zu identifizieren, werde eine Diskussion nötig sein, in welchen zivilen und militärischen Bereichen diese Hunde ihren Dienst verrichten sollen, meint die Bundeswehr.

Rubriklistenbild: © Thomas Frey/dpa

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