Überraschende Zahl

Niedersachsen meldet fast 30.000 Impfdurchbrüche

Die Inzidenz in Niedersachsen steigt rapide. Das Ministerium vermeldete fast 30.000 Impfdurchbrüche. Weil und Drosten werben für die Booster-Impfung gegen Omikron.

Hannover – Die Corona-Inzidenz ist auch am 6. Januar 2022 in Niedersachsen erneut stark angestiegen. Das Dashboard des Robert Koch-Instituts zeigte einen Inzidenzwert von 214,8. Am Vortag hatte das RKI noch eine Sieben-Tage-Inzidenz von 195,3 Corona-Fällen je 100.000 Einwohner gemeldet. Derweil registrierte das Gesundheitsministerium des Bundeslandes fast 30.000 Impfdurchbrüche bis Ende Dezember 2021.

Deutsches Land:Niedersachsen
Fläche:47.614 km²
Bevölkerung:7,982 Millionen (2019)
Ministerpräsident: Stephan Weil (SPD)

Corona-Hotspots in Niedersachsen: Drei Regionen mit einer Inzidenz von über 500 – 11 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19

Während die Politik um Gesundheitsminister Karl Lauterbach und die Corona-Experten über Omikron, härtere Maßnahmen und die neue aus Kamerun stammende Corona-Variante B.1.640.2, die in Frankreich entdeckt* wurde, diskutieren, stehen in Niedersachsen vor allem drei Landkreise bei der Inzidenz im Fokus. Die Corona-Hotspots sind Delmenhorst mit einer Inzidenz von 537 (Vortag: 383), der Landkreis Verden mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 532 (Vortag: 505) und der Landkreis Osterholz mit einem Wert von 529.

Insgesamt verzeichnet Niedersachsen nach Angaben des RKI 5051 neue Corona-Neuinfektionen und elf weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19.

Corona in Niedersachsen: Land meldet fast 30.000 Impfdurchbrüche – 909 Covid-Erkrankte mussten ins Krankenhaus

Des Weiteren hat das Gesundheitsamt in Niedersachsen die genaue Zahl der bisherigen Corona-Impfdurchbrüche mit 28.977 beziffert. Darüber hinaus kamen 9545 vollständig Geimpfte hinzu, die keine Symptome aufwiesen. Von den Patienten mit Impfdurchbrüchen mussten 909 Covid-Erkrankte im Krankenhaus behandelt werden, davon 164 auf der Intensivstation.

277 Menschen starben aufgrund einer Covid-19-Infektion, obwohl sie die Grundimmunisierung erhalten hatten, hieß es aus dem Ministerium. Zu möglichen Vorerkrankungen der Betroffenen lagen keine Angaben vor.

Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe: In Niedersachsen sind Impfdurchbrüche sehr selten

Wie wirksam sind die Corona-Impfstoffe? Berichte über symptomatische Erkrankungen an Covid-19 trotz Grundimmunisierung können schnell verunsichern und sind immer wieder Bestandteil größerer Diskussionen. Allerdings sind gemessen an der großen Zahl von Corona-Impfungen die Impfdurchbrüche in Niedersachsen sehr selten.

Während das Hamburger UKE eine Corona-Studie zu möglichen Organ-Schäden bei einer Corona-Infektion trotz mildem Verlauf veröffentlichte, gab das Gesundheitsministerium auf Anfrage auch Zahlen zu Impfschäden bekannt. Dem Landesgesundheitsamt wurden demnach im vergangenen Jahr über alle Impfstoffe hinweg 530 mögliche Impfschäden gemeldet. In 81 Fällen wurde dabei der Tod als mögliche Folge angegeben, in 13 Fällen war von bleibenden Schäden die Rede.

Omikron löst Delta-Mutation in Niedersachsen als vorherrschende Corona-Variante ab

Bereits am Dienstag, 4. Januar 2022, vermeldete die Landesregierung um Ministerpräsident Stephan Weil, dass Omikron die Delta-Mutation als vorherrschende Corona-Variante in Niedersachsen abgelöst hat. Eine Entwicklung, die der Virologe Christian Drosten und weitere Corona-Experten wie Hendrik Streeck bereits vor einigen Wochen vorausgesehen hatten.

Nun gab es vom niedersächsischen Corona-Krisenstab die Bestätigung dieser Annahmen. Denn in der vergangenen Woche sei bei rund 70 Prozent der untersuchten Corona-Tests die Corona-Variante Omikron nachgewiesen worden, sagte der Leiter des Corona-Krisenstabs, Heiger Scholz, am Dienstag in Hannover. Insgesamt seien rund 1400 Tests auf die Varianten untersucht worden – in etwas mehr als 1000 Fällen wurde die Corona-Variante Omikron festgestellt.

Ministerpräsident Stephan Weil warb bereits im Dezember 2021 für eine Booster-Impfung, um der Corona-Variante Omikron entschieden entgegenzutreten.

Gerade vor diesem Hintergrund hatte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil mit Blick auf die Ausbreitung der Corona-Variante Omikron sich deutlich für die Booster-Impfungen bereits im Dezember ausgesprochen: „Die Erst- und Zweitimpfungen allein schützen nicht hinreichend vor Omikron. (...) Umso größer ist jetzt die Bedeutung der Auffrischungsimpfungen.“

Leiter des Corona-Krisenstabs zu Omikron in Niedersachsen: „Fast nichts anderes mehr geben“ – RKI weist auf ungenaue Zahlen hin

Der Leiter des Corona-Krisenstabs, Heiger Scholz, sagte am Dienstag in Hannover über die weitere Omikron-Entwicklung in Niedersachsen: „Man kann davon ausgehen, dass es wahrscheinlich schon in dieser Woche fast nichts anderes mehr geben wird als die Omikron-Variante, spätestens in der nächsten oder übernächsten Woche.“

Allerdings weist das RKI weiterhin daraufhin, dass die Zahlen der Neuinfektionen, Todesfälle und die Sieben-Tage-Inzidenz keine akkurate Abbildung der epidemiologischen Lage sind, da sich über die Feiertage weniger Menschen getestet hätten und somit die möglicherweise weniger Neuinfektionen mit Covid-19 und die Zahlen, die an die Gesundheitsämter gemeldet wurden, nicht das exakte Corona-Bild weder in Niedersachsen noch in Deutschland zeichnen.

Corona-Experte Christian Drosten redet Klartext über Omikron: „Da sind wir ziemlich ungeschützt“

Vor dem Hintergrund, dass sich Omikron als vorherrschende Corona-Variante zunehmend in Deutschland durchsetze, äußerte sich auch Virologe Christian Drosten im Podcast vom 4. Januar 2022 beim NDR. Nach Aussage des Corona-Experten mache die „Dreifach-Impfung den Unterschied“, so der Virologe in seinem Podcast beim NDR.

Dabei bezog er sich auf eine Studie aus Dänemark*. Demnach hätten bei der Omikron-Variante Doppelt-Geimpfte das gleiche Risiko, sich anzustecken, wie Ungeimpfte. Bei Dreifach-Geimpften sinke die Gefahr allerdings um ganze 54 Prozent. „Die doppelte Impfung wird für die Verbreitungskontrolle wahrscheinlich weniger beitragen bei Omikron. Da sind wir ziemlich ungeschützt“, so Drosten.

Christian Drosten zu Omikron in Deutschland: Konzentration auf Booster-Impfungen richtig und wichtig

Folglich sei laut Christian Drosten die starke Konzentration auf die Booster-Impfungen in Deutschland richtig und wichtig. Mit Blick auf bisherige Beobachtungen, nach denen Omikron mutmaßlich mildere Krankheitsverläufe verursache, sagte Drosten: „Ich denke, man kann das inzwischen sagen, dass das so ist.“

Erhobene Daten wiesen darauf hin, dass bei Omikron-Infektionen ein kleinerer Anteil der Infizierten ins Krankenhaus müsse. Dennoch steht immer noch im Raum, dass die Booster-Impfung nicht dauerhaft gegen die Omikron* schütze.

Omikron Studie aus Großbritannien: Drosten weist auf „Gewinn von zweifach geimpft zu dreifach geimpft“ bei Corona-Variante hin

Drosten wies zudem beim „NDR“-Podcast erneut auf eine Omikron-Studie des Imperial College London mit Stand kurz vor Weihnachten hin. Demnach sei bei einer Omikron-Infektion das Risiko der Hospitalisierung insgesamt um bis zu 30 Prozent geringer als bei der Delta-Variante. Bei doppelt Geimpften sinke das Risiko um 34 Prozent, bei Menschen mit Booster-Impfung sogar um 63 Prozent. Bei den Ungeimpften, die sich mit der Omikron-Variante infizieren, sinkt demnach dieses Risiko immerhin um 24 Prozent. Das sei angesichts der „vielen Ungeimpften, die wir leider in Deutschland haben“, zwar eine gute Neuigkeit, so Drosten. Jedoch sei zwangsläufig mit ganz unterschiedlich schweren Verläufen zu rechnen und keine Entwarnung angebracht.

Corona: der Virologe Christian Drosten vor der Marienburg. (kreiszeitung.de-Montage)

Zudem zeige sich hier ganz deutlich der positive Effekt der Booster-Impfung: „Der Gewinn nicht geimpft zu zweifach geimpft ist nur zehn Prozent mehr, aber der Gewinn von zweifach geimpft zu dreifach geimpft ist dann fast eine Verdopplung.“ Angesichts der raschen Ausbreitung von Omikron prognostizierte der Virologe, die Corona-Variante werde nun zügig „das Geschäft übernehmen“ und Ende Januar auch in Deutschland dominieren. Man gehe hierzulande derzeit von einer Verdopplungszeit der Omikron-Infektionszahlen von etwa vier Tagen aus. Damit bestätigte Drosten seine Aussage aus einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“: „Omikron macht die Regeln.

Corona in Deutschland: Bundesweit spitzt sich die Sieben-Tage-Inzidenz zu – Bundesländer im Norden besonders betroffen

Darüber hinaus vermeldete das Robert Koch-Institut erneut einen deutlichen Anstieg der offiziellen bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz. Das RKI erklärte, dass die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner am Donnerstagmorgen bei 285,9 liegt. Der Inzidenzwert steigt seit Ende Dezember wieder tagtäglich. Besonders betroffen von der sich erneut zuspitzenden Corona-Lage in Deutschland sind die Bundesländer im Norden und Osten.

Während Bremen mit 713,7 die höchste Corona-Inzidenz in Deutschland aufweist, folgen nach Brandenburg (435,9) und Berlin (416,9), direkt Hamburg (409,8) und Schleswig-Holstein (405,5). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen 24 Stunden 64.340 Corona-Neuinfektionen. Am Vortag hatte das RKI noch 58.912 Covid-19-Neuinfektionen vermeldet. Insgesamt kamen bundesweit 443 neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion hinzu.

Neue Corona-Regeln im Zuge von Omikron: Gesundheitsminister Karl Lauterbach plädiert für härtere Kontaktbeschränkungen

Die steigende Inzidenz und die Ausbreitung der Corona-Variante Omikron rufen auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach auf den Plan. Der SPD-Politiker stellte dabei neue Corona-Regeln und härtere Kontaktbeschränkungen in Aussicht. „Verschärfungen werden leider notwendig sein, um der schweren Welle, die auf uns zukommt, zu begegnen“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) im Hinblick auf den anstehenden Corona-Gipfel am Freitag, 7. Januar 2022.

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In diesem Zusammenhang meldete sich Epidemiologe Hajo Zeeb vor dem Bund-Länder-Treffen auf die Wichtigkeit von Corona-Tests bei einer möglichen Verkürzung der Quarantäne hin. Bisherige Erkenntnisse sprächen dafür, dass der Großteil der Übertragungswahrscheinlichkeit bei der Omikron-Variante in den ersten sieben Tagen nach der Ansteckung liege, erklärte der Experte vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen.

Corona-Experte Hajo Zeeb spricht sich gegen Quarantäne von Geboosterten aus

Wenn man hier einen PCR-Test oder zwei Schnelltests einführe, „könnte das ein Weg sein, die Isolation von Infizierten früher zu beenden, und so von den langen 14 Tagen herunterzukommen“. Für Quarantäne von Kontaktpersonen könnte ähnliches gelten, teilt Zeeb weiter mit. Ganz auf Quarantäne für Geboosterte zu verzichten „dürfte aber keine gute Idee sein“.

Jüngst hatten US-Forscher vor neuen Symptomen Omikron gewarnt – auch im Hinblick einer Prävention. Schließlich wird Omikron als etwa 2,5- bis 3,5-Mal ansteckender als Delta eingestuft. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler /Julian Stratenschulte/dpa

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