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Corona: Hausärzte spüren viele Auswirkungen der Pandemie

Hausärzte spielen in der Corona-Pandemie eine wichtige Rolle. Beim Verdacht auf eine Infektion sind sie in der Regel die erste Anlaufstelle. Wie ist die Lage in den niedersächsischen Arzt-Praxen?

  • Die Corona-Pandemie fordert Ärzten alles ab.
  • Hausärzte: Der Kommunikationsaufwand hat deutlich zugenommen.
  • Der Hausärzteverband Niedersachsen vertritt die Interessen aller Hausärzte.

Die Belastung der Mediziner in den niedersächsischen Hausarztpraxen ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Das Arbeitsaufkommen sei riesig, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Niedersachsen, Matthias Berndt. „Die Corona-Pandemie fordert uns alles ab.“

Landeshauptstadt NiedersachsenHannover
Bevölkerungsdichte168 Einwohner / Quadratkilometer
Websitewww.niedersachsen.de
LandtagspräsidentinGabriele Andretta

Als großes Problem bezeichnete Mediziner Matthias Berndt die vielen kurzfristigen Rechtsverordnungen, Regeln und Leitlinien, die sich mitunter sogar widersprächen. „Das kann man im Praxisalltag nicht mehr alles lesen. Regeln, die nicht umsetzbar sind, nützen nichts“, sagte Matthias Berndt. Als Beispiel nannte er wechselnde Vorgaben zu den Corona-Tests etwa zur Frage, wer wann wie getestet werden soll und zur Kostenabrechnung. Mitunter gebe es unterschiedliche Vorstellungen von Bund, den Ländern, den Kommunen und den verschiedenen Fachgesellschaften.

Die Politik forderte er auf, Regeln möglichst einfach und mit größerem Vorlauf zu erlassen und bei den Entscheidungen auch diejenigen einzubinden, die die Regeln später umsetzen müssten. Matthias Berndt zufolge könnte es in der Corona-Pandemie helfen, grundsätzlich mehr zentrale Rahmenkonzepte zu haben. „Das erspart viel Arbeit“, sagte Mediziner Matthias Berndt. Und weiter: „Es müssen nicht 30.000 Pflegeheime eigene Konzepte entwickeln.“

Hausärzte mit hoher körperlicher Belastung während Corona

Die körperliche Belastung der Hausärzte ist dem Verbandsvorsitzenden Matthias Berndt zufolge groß. Die Arbeitstage seien oft sehr lang. „Wenn man zehn bis zwölf Stunden mit Maske und Vollschutz gearbeitet hat, ist man körperlich am Ende.“ Auch bei den Patienten seien die Auswirkungen der Pandemie spürbar. „Wir merken, dass in der Bevölkerung die Sorgen und die psychischen Belastungen zunehmen“, sagte Matthias Berndt und erzählte von Patienten mit Depressionen, finanziellen Sorgen, Angst vor der Zukunft und Angst vor einer Infektion mit dem Corona-Virus. Zudem gebe es mit manchen Patienten Diskussionen - etwa zur Wirksamkeit von Masken. Matthias Berndt: „Der Kommunikationsaufwand hat deutlich zugenommen.“

Alltag in der Hausarztpraxis: eine Untersuchung. Während Corona nimmt die Belastung zu.

Ein bislang unterschätztes Problem sieht der Mediziner in den Langzeitfolgen, die eine Coronainfektion auslösen könne. Ein gewisser Anteil der Betroffenen habe Dauerprobleme wie Erschöpfung, Müdigkeit, verringerte Belastungsfähigkeit und eine eingeschränkte Lungenfunktion. „Das ist ein neues Phänomen für uns“, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Niedersachsen, Matthias Berndt.

Auf die kommenden Monate blicken die Praxen dem Verbandsvorsitzenden zufolge mit gemischten Gefühlen. „Wir sind angespannt, wie es weitergeht, wie sich die Infektionszahlen entwickeln“, sagte Matthias Berndt. „Wir sind aber auch ein bisschen gelassener, weil wir wissen, wie wir uns schützen können.“ Positiv bewertet der Mediziner die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung. „Ich bin sehr hoffnungsvoll, weil ich großes Vertrauen habe, dass die Impfung einen großen Nutzen bringen wird.“

Ebenfalls ein Problem sind die stark unterschiedlich verteilten Arztpraxen. Dazu kommt, dass in den deutschen Flächenländern viele Stellen für Hausärzte unbesetzt geblieben sind. Die Patienten müssen von den verbliebenen Ärzten dann mitversorgt werden.

Was macht der Hausärzteverband Niedersachsen?

Der Hausärzteverband Niedersachsen vertritt die Interessen aller Hausärzte (Fachärzte für Allgemeinmedizin, Praktische Ärzte, Internisten und Pädiater). Laut deren Homepage zählen in erster Linie dazu: Verhandlungen mit Politikern, Krankenkassen und allen anderen Partnern im Gesundheitswesen. awt/dpa

Rubriklistenbild: ©  DPA/ B. Ulmer

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