Studie soll Aufschluss geben

Pendeln trotz Corona: Wie riskant ist das Fahren mit Bus und Bahn wirklich?

Fahrten mit Bus und Bahn sind in der Corona-Krise nur unter Einhaltung mehrerer Hygieneregeln erlaubt. Dennoch ist unsicher, wie groß die Gefahr einer Covid-19-Ansteckung ist.

Berlin/Hannover ‒ Die Politik tappt bei der Frage, wie gefährlich Fahrten im ÖPNV sind, weitgehend im Dunkeln, nun soll eine Untersuchung neue Erkenntnisse liefern. Ziel ist es, das mögliche Infektionsrisiko in Bus und Bahn besser als bisher benennen zu können. Unter anderem beteiligt sich das Land Niedersachsen finanziell an der Umsetzung.

Viele Übertragungen des Coronavirus‘ können vom Robert-Koch-Institut und anderen Einrichtungen nicht lokalisiert werden. Dafür gibt es aktuell zum einen zu viele Erkrankungen mit Covid-19, zum anderen fällt es grundsätzlich schwer, bestimmte Kontakte nachzuverfolgen. Dazu zählen neben privaten Treffen auch Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr, in Bussen und Bahnen.

Fahrten in Bahnen und Bussen schüren Unsicherheit. Wie groß das Infektionsrisiko mit Covid-19 wirklich ist, soll nun eine Studie der Berliner Charité zeigen.

An diesem Punkt setzt nun eine neue epidemiologische Studie an, die Mitte Februar im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes begonnen hat, teilt das Land Niedersachsen mit. Dieses Gebiet gelte als repräsentatives Ballungsgebiet, in dem unter der Woche etwa 2,5 Millionen Fahrgäste pro Tag im Durchschnitt elf Kilometer mit Bussen und Bahnen unterwegs sind. Gut 1000 Personen ab 16 Jahren hatten sich für die Teilnahme an der Studie beworben.

Beauftragt wurde die Untersuchung demnach von den Bundesländern gemeinsam mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Verantwortlich für die Umsetzung ist die Research Organisation der Berliner Charité, federführend ist Baden-Württemberg. Teil der Studie seien mindestens 600 Pendlerinnen und Pendlern.

Niedersachsen beteiligt sich finanziell an Corona-Studie im Nahverkehr

Die Gruppe der Teilnehmer ist den Angaben zufolge in zwei Hälften geteilt worden, eine davon unternehme täglich eine mindestens 15-minütige einfache Fahrt im öffentlichen Nahverkehr. Die andere Hälfte absolviert ihren Weg zur Arbeit, Schule oder Ausbildungsstätte per Individualverkehr wie Auto oder Fahrrad. Zu Beginn des Untersuchungszeitraums und nach fünf Wochen werden die Teilnehmer per PCR- und Antikörpertestung auf eine Covid-19-Infektion untersucht.

Regeln in Bussen und Bahnen

Unter anderem in Niedersachsen gelten im Nahverkehr besondere Corona-Regeln. So müssen alle Personen in Verkehrsmitteln des Personenverkehrs oder an den dazugehörigen Einrichtungen wie zum Beispiel Haltestellen, Bahnhöfen, Flughäfen und Fähranlegern Mund-Nasen-Bedeckungen tragen und mindestens 1,50 Meter Abstand zueinander halten. Alle Mund-Nasen-Bedeckungen müssen medizinischen Standards genügen, also zum Beispiel OP-Masken sein oder solche mit einem FFP2-Schutzstandard. Fahrzeugführerinnen und Fahrzeugführer sind von dieser Pflicht ausgenommen.

Niedersachsen beteiligt sich mit 177.000 Euro an der Finanzierung der Gesamtkosten von rund zwei Millionen Euro, heißt es in der Meldung des Wirtschaftsministeriums des Landes. Ergebnisse sollen voraussichtlich im April vorliegen. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sagt zum Anlass der Untersuchung, die wissenschaftliche Belege zu einem möglichen Infektionsrisiko liefern soll: „Bisher liegen keine Erkenntnisse vor, die auf ein erhöhtes Risiko bei einer Nutzung des ÖPNV hindeuten würden. Die Unsicherheit ist bei Fahrgästen und Fahrpersonal dennoch oft groß.“

Pendler über Grenzen hinweg sorgen für Diskussion

Neben Niedersachsen und Baden-Württemberg beteiligen sich Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland an der Studie.

Wie die Politik mit Pendlern umgehen sollte, die grenzüberschreitend reisen, wurde zuletzt kontrovers diskutiert - vor allem mit Blick auf die zunehmend steigende Zahl und Verbreitung von Coronavirus-Mutationen. Strikte Verbote in Süddeutschland waren Mitte Februar nach Kritik aus der Wirtschaft, von der EU und den Nachbarländern erst einmal verworfen worden. Berufspendler aus systemrelevanten Bereichen sollten weiter einreisen können, wenn sie für ihren Betrieb besonders wichtig sind. Die örtlichen Behörden sollten fortan klären, für welche Berufsgruppen das gilt. - (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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