Kongress in Hannover

So helfen Notfallseelsorger in Krisensituationen

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Notfallseelsorger kümmern sich am 24. Juli 2011 in Duisburg bei der Gedenkfeier zur Loveparade-Katastrophe um Teilnehmer an der Veranstaltung. Tiefe traumatische Erlebnisse mit Hilfe der Notfallseelsorge meistern - darum geht es bei einem bundesweiten Treffen in Hannover.

Hannover - Tiefe traumatische Erlebnisse oder persönliche psychische Krisen mit Hilfe der Notfallseelsorge meistern - darum geht es bei einem bundesweiten Treffen in Hannover.

Rund 550 Mitarbeiter von Rettungsdiensten, Polizei, Feuerwehr sowie Notfallseelsorger treffen sich beim 18. ökumenischen Bundeskongress für Notfallseelsorge und Krisenintervention von diesem Donnerstag an. Sie diskutieren darüber, wie sich die Resilienz - die seelische Widerstandskraft von Menschen in belastenden Lebenslagen - stärken lässt.

Die Notfallseelsorger betreuen Betroffene, Augenzeugen von Unfällen oder Gewaltverbrechen, Hinterbliebene sowie die Einsatzkräfte. Sie gehen bei einem Einsatz meist in drei Phasen vor: Stabilisieren, orientieren, Ressourcen aktivieren. "Wir müssen die Person zunächst im Hier und Jetzt stabilisieren. Bei Todesnachrichten schilderten Menschen oft das Gefühl, als ob ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde", sagt Joachim Wittchen, Beauftragter für Notfallseelsorge in der Landeskirche Hannover.

Auf eigene Füße kommen

Der zweite Schritt ist, den Betroffenen zu orientieren: Wenn zum Beispiel ein Angehöriger gestorben ist, stellt sich die Frage, was als nächstes zu tun ist. "In der dritten Phase geht es darum, die Ressourcen desjenigen zu aktivieren und zu versuchen, dass die Person schnell auf die eigenen Füße kommt", erklärt der Pastor. Fragen wie: "Wen möchten Sie jetzt bei sich haben?", "Wen können wir anrufen?" oder "Wie kann ich helfen?", stellen sich dann. Das sei sehr individuell, jeder Mensch habe eine eigene innere Landkarte.

In der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover arbeiten rund 900 Notfallseelsorger, die 2016 mehr als 1300 Einsätze hatten. Davon waren 80 Prozent innerhäuslich wie zum Beispiel ein Todesfall in der Familie, das Überbringen einer Todesnachricht, ein Suizid oder der plötzliche Kindstod. Nur 20 Prozent der Einsätze waren außerhäuslich, dazu zählen unter anderem Verkehrsunfälle oder Unglücke im öffentlichen Raum. "Der Schwerpunkt ist eher die stille Katastrophe im dritten Stock als der spektakuläre Unfall auf der Bundesstraße", erklärt Wittchen.

Zahl der Einsätze nehme zu

Die Notfallseelsorger werden von den Rettungsdiensten gerufen. "Es ist immer jemand da", betont Notfallseelsorger Matthias Gottschlich, Beauftragter des Bistums Hildesheim. Die Zahl der Einsätze nehme zu.

Wer als Seelsorger in diesem Beruf arbeitet, hat viel mit dem Leid anderer Menschen zu tun. "Wir achten sehr aufeinander, die kollegiale Unterstützung ist ganz wichtig", sagt Wittchen. Supervisionen helfen bei der Verarbeitung, ebenso wie Bewegung und sich einen Ausgleich zu suchen. "Nach Einsätzen muss man sich Zeit lassen und auf sich achten", sagt der Notfallseelsorger. Und: "Wir haben uns diesen Beruf ausgesucht, jeder macht das, was er gut kann", ergänzt Gottschlich.

dpa

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Quelle: kreiszeitung.de

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