Gemeinsam wachsen - „Balu und Du“ vermittelt Paten für Grundschüler

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Meike Bockwoldt (l) und die Grundschülerin Sarah halten am 06.02.2014 vor dem noch warmen Backofen in einer Wohnung in Bremen einen gemeinsam gebackenen Kuchen in den Händen. Die Backaktion gehört zu dem Projekt "Balu und Du", bei dem sich junge Erwachsene regelmäßig mit Grundschülern treffen, um sie zu fördern. 

Osnabrück / Bremen - Von Helen Hoffmann. Sie streifen durch den Urwald und werden Freunde - Mogli und Balu aus dem Dschungelbuch. Die Organisatoren des bundesweiten Programms „Balu und Du“ wünschen sich eine ähnliche Erfolgsgeschichte.

Der Altersunterschied von 16 Jahren spielt für die achtjährige Sarah aus Bremen keine Rolle. „Sie ist meine Freundin“, sagt die Grundschülerin, wenn sie nach Meike Bockwoldt gefragt wird. Mehr als 40 Mal haben sich das Mädchen und die angehende Logopädin getroffen. Sie haben genäht, gebacken und gespielt. Ein Jahr lang waren sie Teil des Projektes „Balu und Du“, nun treffen sie sich privat. „Ich hatte gleich das Gefühl, dass wir einen Draht zueinander finden können“, erinnert sich die 24 Jahre alte Auszubildende Bockwoldt an die erste Begegnung mit Sarah.

„Balu und Du“ ist ein Programm, bei dem junge Erwachsene ein Jahr lang einmal in der Woche Kinder im Grundschulalter treffen, um sie zu fördern. Rund 60 Städte bieten das Projekt an, 26 weitere Standorte wollen dazukommen, wie der Gründer und Geschäftsführer des Osnabrücker Vereins Balu und Du, Dominik Esch, erzählt. Der Name soll an den Bären Balu aus dem Dschungelbuch erinnern, der den Menschenjungen Mogli eine Zeitlang begleitet. „Balu lässt Mogli auf diesem Weg viel ausprobieren (...) hat Zeit zum Zuhören, Späße machen, zeigt aber auch wie man mit schwierigen Situationen fertig wird“, heißt es auf der Homepage des Vereins.

Die Balus des Programms sind 17 bis etwa 30 Jahre alt, die Moglis im Alter zwischen sechs und zehn. „Es geht um Kinder, die ein bisschen mehr Aufmerksamkeit gebrauchen können“, sagt die Leiterin des Projektes in Bremen, Claudia Fantz. „Sie sollen das Leben anders kennenlernen als sie es bisher kennengelernt haben.“

Auch für die Ehrenamtlichen sieht die 41 Jahre alte Sozialpädagogin große Chancen. „Sie machen wertvolle Erfahrungen, werden geschult und begleitet.“ Die Auszubildende Bockwoldt betont noch einen anderen Vorteil: „Ich merke, dass ich selbst zum Kind werde. Es ist eine Zeit, in der ich alles andere liegen lassen kann.“ Zu sehen, wie viel Sarah die gemeinsamen Stunden bedeuten, sei toll. „Sie genießt es sehr, dass ich nur für sie da bin.“ Zuhause muss sich die Schülerin die Aufmerksamkeit der Eltern mit drei Geschwistern teilen.

Mehr als 5600 „Balu und Du“-Gespanne wurden seit 2002 bundesweit vermittelt. Wer als Mogli infrage kommt, entscheiden die Lehrer. Sobald ein Projektleiter einen Balu gefunden hat, wird die Schule informiert, um die endgültige Wahl zu treffen. Dabei achten die Verantwortlichen darauf, dass Mogli und Balu möglichst nah beieinander wohnen und ähnliche Interessen haben.

Die Zahl der Plätze variiert von Stadt zu Stadt. „Wir können maximal 40 Mentoren pro Jahr begleiten, das bedeutet, dass wir auch nur so viele Plätze anbieten können“, sagt Fantz. In Bremen engagieren sich derzeit 36 Frauen und vier Männer, die meisten von ihnen studieren.

Für die Treffen dürfen die Balus kein eigenes Geld ausgeben. Zehn Euro Taschengeld bekommt jedes Paar pro Monat - nur im teuren München sind es 15. „Wir möchten die Paten anregen, möglichst kostengünstige Dinge mit den Kindern zu machen - auch in der Hoffnung, dass die Kinder nach Ende der Projektphase viel erlernt haben, was sie auch ohne Geld machen können“, sagt Esch.

Von der positiven Wirkung auf die Kinder sind die Verantwortlichen überzeugt. „Das Selbstbewusstsein steigt, die Kinder werden in der Schule besser. Nicht, weil die Balus mit ihnen Hausaufgaben machen, sondern weil sie ausgeglichener sind und sich besser konzentrieren können“, sagt Fantz mit Verweis auf eine Studie.

Esch betont zudem die Möglichkeit einer Freundschaft. Mehr als die Hälfte der Tandems haben ihm zufolge nach eineinhalb Jahren noch Kontakt. Auch Meike Bockwoldt und Sarah wollen sich weiter treffen. „Das haben wir gleich nach Ende des Projektes ausgemacht“, sagt die 24-Jährige, die sich zwar nicht als Freundin, aber als eine Art große Schwester der Grundschülerin sieht. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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