Kasernen-Nachnutzung: Engländer hinterlassen gepflegte Eigenheime

Britenhäuser in Osnabrück warten auf Käufer

Gepflegte Objekte im Grünen: Während die Wohnhäuser vergleichsweise leicht Abnehmer finden, sieht es für die ehemaligen Kasernengebäude schon schlechter aus.

Niedersachsen - OSNABRÜCK (dpa) · Einst war Osnabrück der größte britische Garnisonsstandort außerhalb des Vereinigten Königreichs. Bis zu 11 000 Soldaten lebten und dienten hier. Seit dem Frühjahr ist dies endgültig Geschichte. Im März sagten die letzten britischen Soldaten „Goodbye“. Seitdem versucht die Stadt inZusammenarbeit mit dem Bund, für die ehemaligen Kasernen- und Wohnbauten der „Tommys“ eine neue Nutzung zu finden. Mit durchwachsenem Erfolg.

Kaum jemand anders kennt die ehemaligen Soldatenhäuser besser als Werner Schadowski. Über 30 Jahre kümmerte er sich im Auftrag der Briten um die Instandhaltung der Gebäude. Jetzt arbeitet der 58-Jährige für die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), dem neuen Eigentümer der Gebäude. Zu den ehemaligen Nutzern, den britischen Soldaten und ihren Familien, habe er ein gutes Verhältnis gehabt, erzählt Schadowski. Vielen britischen Familien sei es nicht leicht gefallen, Osnabrück zu verlassen. „Die Briten haben hier gerne gelebt, bei einigen sind beim Abschied auch Tränen geflossen“, erzählt Schadowski.

Rund 1 300 Wohnungen, davon 740 im Besitz des Bundes, standen mit dem Abzug der Briten plötzlich leer. Daran, die Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser mit einem Schlag auf den Immobilienmarkt zu werfen, war jedoch nicht zu denken – das hätte die Preise zu sehr gedrückt, heißt es bei BImA.

Der Bund verkauft seine Immobilien deswegen in mehreren Tranchen, in diesem Jahr sind es 236. „Bislang haben wir 200 verkauft. Spätestens in der ersten Jahreshälfte 2011 soll der gesamte Verkauf der Wohnimmobilien abgeschlossen sein“, erläutert BImA-Verkaufsleiter Jürgen Hohmann.

Die leerstehenden Wohnviertel, die wohlklingende Namen wie „Komponistenhöfe“ oder „Literatenhöfe“ tragen, sind nicht gänzlich verlassen. In einigen der verkauften Häuser sind bereits die ersten Bewohner eingezogen. Andere Wohnungen hat die BImA an Studenten zwischenvermietet. In allen übrigen Häusern finden regelmäßige Kontrollen statt. BImA-Mitarbeiter Schadowski und vier Kollegen gehen alle acht Wochen von Haus zu Haus: „Wir drehen alle Wasserhähne auf, um eine Verunreinigung der Leitungen durch Keime vorzubeugen. Außerdem lüften, heizen und sehen wir, ob alles noch in Ordnung ist“, erzählt Schadowski.

30 bis 40 Häuser – so viel hat jeder aus Schadowskis Team pro Tag zu überprüfen. Doch die BImA-Mitarbeiter schauen nicht nur nach dem Rechten, sie führen auch Kaufinteressenten durch die Gebäude. Viele Objekte befinden sich in attraktiver Lage: ruhig gelegen, mit Naherholungsgebieten gleich um die Ecke und guter Bus-Anbindung.

Die Häuser, in denen die Offiziere wohnten, haben zudem alle einen großen Garten und Garage. „Die Grundstücke sind bis zu 900 Quadratmeter groß“, erzählt Schadowski. Wer einen Blick ins Innere wirft, ist überrascht, in welch gutem Zustand die Briten die Objekte hinterlassen haben. „Bei jedem Auszug hat ein britischer Colonel die Häuser noch einmal peinlichst inspiziert“, sagt Schadowski.

Im Gegensatz zu den Wohngebäuden ist es für die ehemaligen Kasernen der Briten nicht ganz so einfach, eine neue Nutzung zu finden. In Osnabrück geht es um insgesamt 160 Hektar, verteilt auf sechs Standorte. Das entspricht der Fläche von etwa 200 Fußballplätzen. Auf einem der Areale, nahe dem Stadthafen, will die Stadt Gewerbe und Behörden ansiedeln.

Und im Stadtteil Westerberg sollen Universität und Fachhochschule weitere Flächen erhalten, ist gar ein „Wissenschaftspark“ geplant. Eines der Gelände hat die Uni bereits gekauft. Für andere Standorte gibt es bisher noch keinen neuen Nutzer.

Das Problem: Der Bund will das 70 Hektar große Areal möglichst im Stück verkaufen. Doch für so große Flächen gebe es kaum Bedarf. Und so warten die noch immer stacheldrahtumzäunten Barracks weiter darauf, aus dem Dornröschenschlaf geweckt zu werden.

Quelle: kreiszeitung.de

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