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Brennelementefabrik Lingen: AKW-Gegner wenden sich an Habeck und Lemke

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Von: Johannes Nuß

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Menschen demonstrieren vor der Brennelementefabrik Lingen für die Stilllegung aller Atomanlagen.
Atomkraftgegner machen im Emsland gegen die französische Brennelementefabrik mobil. (Archivbild) © Markus Hibbeler/dpa

Gegen den Einstieg der Russen in die Brennelementefabrik in Lingen regt sich Widerstand. Kritiker des Vorhabens wenden sich nun an die Bundesminister Habeck und Lemke.

Lingen/Berlin – Der Focus bezeichnete das niedersächsische Emsland jüngst als das deutsche Texas. Mit Blick auf die Förderungen von Öl oder die Speicherung von Gas mag das durchaus stimmen, denn nirgends wird in Deutschland mehr Öl gefördert und Gas gespeichert als im Emsland. Und neben dem Streit um Nord Stream 2*, bahnt sich hier der nächste Konflikt mit der russischen Regierung in Moskau an. Denn die Russen wollen mit dem Staatskonzert Rosatom in die Brennelementefabrik in Lingen mit einsteigen. Es wird befürchtet, dass Russland Brennelemente letztendlich militärischen Zwecken zuführen könnte.

Brennelementefabrik Lingen: Protest gegen Atomdeal mit russischen Staatskonzern Rosatom

Auch Atomkraft hat mit der französischen Brennelementefabrik und dem Kernkraftwerk in Lingen eine lange Tradition, die derzeit für ordentlichen Gesprächsstoff und Widerstand in der Bevölkerung vor Ort sorgen. Denn, obwohl Deutschland den Atomausstieg lange beschlossen hat und das AKW in Lingen Ende des Jahres auch vom Netz geht, plant man im Emsland einen Atomdeal mit dem russischen Staatskonzern Rosatom. Dagegen regt sich Widerstand, denn der Atomausstieg betrifft die Brennelementefabrik nicht.

Jetzt haben sich die Gegner der Brennelementefabrik mit der Forderung nach einem Verbot des Einstiegs eines russischen Konzerns in das Unternehmen direkt an die Wirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) gewandt. Das Vorhaben konterkariere den Atomausstieg in Deutschland, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Brief an die beiden Bundesminister.

Joint Venture mit Brennelementefabrik Lingen öffnet neue Tür für Russland in den europäischen Atom- und Energiemarkt

Zugleich öffne das geplante Joint Venture eine neue Tür für Russland in den europäischen Atom- und Energiemarkt: „Anstatt die Atomenergienutzung einzudämmen, würde die Bundesregierung eine erneute Ausweitung der Atomenergienutzung ermöglichen – und das von einem deutschen Atomstandort aus“, schreibt das Aktionsbündnis.

Der russische Atomkonzern Rosatom will in die Brennelementefabrik in Lingen einsteigen, die dem französischen Unternehmen Framatome gehört. Gegen diese Pläne wendet sich ein breites Bündnis von 126 Organisationen aus Deutschland, Frankreich, Russland und anderen Ländern, sagte Alexander Vent vom Bündnis „AgiEL – AtomkraftgegnerInnen im Emsland“. Die Brennelementefabrik in Lingen beliefert unter anderem Atomkraftwerke in Belgien, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, Schweden und Finnland.

Brennelementefabrik Lingen: Soll die Brennelementeproduktion von Russland nach Deutschland ausgelagert werden?

Die Bürgerinitiativen befürchten, dass die russische Atomindustrie Teile der Brennelementeproduktion von Russland nach Deutschland auslagern will. Damit könnten EU-Sanktionen in anderen Bereichen unterlaufen werden. „Wir fordern von der französischen und der russischen Regierung den sofortigen Verzicht auf diese atompolitische Kooperation in Deutschland“, heißt es in der Resolution. Die Präsidenten Emmanuel Macron in Frankreich und Wladimir Putin in Russland sollten den Atomausstieg in Deutschland respektieren.

Die Bundesregierung solle auch die Stilllegung der Brennelementefabrik in Lingen einleiten, hieß es. Ebenso wie die Urananreicherungsanlage im benachbarten münsterländischen Gronau sei sie vom Atomausstieg ausgenommen. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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