Unter der Bürste fühlen sich die Kühe wohl

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Die Kühe genießen die Massage sichtlich. An der Stallwand ist ein Apparat mit zwei Bürsten geschraubt, eine zeigt nach unten, die andere steht rechtwinklig zur Wand.

Borstel. Die Kuh mit der Nummer 66 genießt die Massage sichtlich. An der Stallwand ist ein Apparat mit zwei Bürsten geschraubt, eine zeigt nach unten, die andere steht rechtwinklig zur Wand. Immer, wenn ein Rindvieh die Vorrichtung berührt, drehen sich die Bürsten und schrubben den Kühen Rücken, Hals, Po und andere Körperteile.

„Bei manchen Tieren sieht das aus wie bei Elvis Presley mit seinem Hüftschwung“, sagt Landwirt Heinrich Ostermann, der zusammen mit seinem Kompagnon Wilfried Linderkamp im vergangenen Jahr einen Kuhstall in Borstel (Kreis Diepholz) neu gebaut hat.

Die Kühe des Gemeinschaftsbetriebs stehen auf das Wellness-Angebot, hat der 45 Jahre alte Milchbauer festgestellt. „Das wird super gut angenommen.“ Die Tiere können den Schrubb-Automaten freiwillig nutzen, und sie tun das auch - meist nach dem Melken.

„Bei manchen Tieren sieht das aus wie bei Elvis Presley mit seinem Hüftschwung“, sagt Landwirt Heinrich Ostermann, der zusammen mit seinem Kompagnon Wilfried Linderkamp im vergangenen Jahr einen Kuhstall in Borstel (Kreis Diepholz) neu gebaut hat.

In den Ställen der Milchbauern hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, weiß Alfons Fübbeker, Berater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg. „Der große Sprung war von der Anbindehaltung zu den Boxenlaufställen, wo die Kühe eine Liegebox haben und sich frei bewegen können.“ Auch die Seitenwände fehlen oder sind so gestaltet, dass immer ein frischer Wind wehen kann. Allerdings haben noch längst nicht alle der rund 15 000 Milchviehhalter in Niedersachsen auf moderne Stallanlagen umgerüstet. „Das ist auch eine Geldfrage“, sagt Fübbeker. Wellness für die Kühe will bezahlt werden - nicht einfach bei Preisen von rund 20 Cent pro Liter Milch, die die Bauern derzeit im Schnitt bekommen.

Ostermann und Linderkamp haben ihren Stall jedenfalls nach modernen Gesichtspunkten konzipiert. Im Prinzip schwebt nur ein großes Dach über den Kühen. Links und rechts haben die Tiere Sicht auf die Kuhweide vor dem Stall. „Kühe sind Steppentiere“, sagt Ostermann, während er einer herbeigelaufenen Kuh am Nasenrücken krault. „Die mögen das, wenn immer ein leichter Luftzug weht.“ Selbst im Winter sei das für die Tiere kein Problem. „Es gibt isolierte Tränken, auch das Futter lässt sich noch austeilen.“ Erst wenn es mehrere Tage kälter als Minus zehn Grad werde, könne es Probleme geben.

Auch der Auslauf auf die Weide müsse sein, betont der Landwirt. „Das ist zwar immer etwas Arbeit für den Bauern, aber die Kühe fühlen sich wohler“, sagt Ostermann. Für die Tiere sei der Aufenthalt auf der Weide, mit ein bisschen Sonne und frischer Luft, sehr angenehm.Immer mal wieder ist davon die Rede, dass auch Musik beim Melken einen positiven Einfluss auf die Kühe haben könnte. Besonders häufig werde das aber nicht gemacht, sagt Fübbeker. „Das kommt ja auch immer auf den Musikgeschmack des Melkers an.“ Seriöse Studien zu diesem Thema seien ihm nicht bekannt. „Wahrscheinlich ist es aber so: Wenn der Melker ruhig ist, wirkt sich das auch positiv auf die Kuh aus.“ Die Milchleistung erhöhe sich dann.

Bleibt die Frage nach den Namen. Bei 110 Kühen haben Ostermann und Linderkamp längst darauf verzichtet, Namen zu vergeben. „Ob eine Kuh einen Unterschied erkennt zwischen einem Wort wie „Else“ oder einer Zahl wie 66, glaube ich nicht“, lacht Ostermann und gibt Nummer 66 einen freundschaftlichen Klaps auf die Hüfte.

Quelle: kreiszeitung.de

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