Vorfall in Lingen-Brögbern

Sexueller Missbrauch im Bistum Osnabrück? Neuer Vorwurf bekannt

+
Das Bistum Osnabrück sieht sich einem neuen Vorwurf sexuellen Missbrauchs gegenüber.

Im Bistum Osnabrück ist ein neuer Fall bekannt geworden, in dem eine Person einem Geistliche einen sexuellen Übergriff vorwirft. Die betroffene Frau möchte den Fall nun öffentlich machen, um anderen Opfer Mut zu machen, sich auch zu melden.

Osnabrück/Brögbern - Das katholische Bistum Osnabrück muss sich erneut mit einem Vorwurf von sexuellen Missbrauch auseinandersetzen. Vor rund 40 Jahren soll der damalige Pfarrer Franz R. der St. Marien-Gemeinde in Lingen-Brögbern ein Mädchen sexuell missbraucht haben, teilte der Personalreferent des Bistums, Domkapitular Ulrich Beckwermert, am Sonntag in einer Gemeindeversammlung im Anschluss an den Gottesdienst mit. 

Der Pfarrer habe Nacktfotos von dem Mädchen gemacht und es geküsst, teilte das Bistum auf Nachfrage mit. Die heute nicht mehr in der Gemeinde lebende Frau habe sich bei dem unabhängigen Beauftragten des Bistums für Opfer sexueller Gewalt gemeldet und von einem Übergriff berichtet.

Franz R. war Beckwermert zufolge nach seiner Priesterweihe von 1952 bis 1955 Vikar in Melle und danach bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1995 insgesamt 40 Jahre lang als Priester in Brögbern tätig. 2007 sei er im Alter von 86 Jahren gestorben.

Erste Vorwürfe gegen Pfarrer im Jahr 2002

Bereits 2002 habe ein Mann Pfarrer R. beschuldigt, übergriffig gewesen zu sein. Allerdings sei es dabei nicht um einen direkten sexuellen Missbrauch gegangen, sondern um 30 Jahre zurückliegende „Strafmaßnahmen“ unter den Ministranten durch Schläge auf das Gesäß. Dem Pfarrer sei daraufhin 2003 ein öffentliches Zelebrationsverbot erteilt worden. Damit wurde ihm untersagt, öffentlich die Messe zu lesen und in der Seelsorge tätig zu sein. Der ehemalige Ministrant habe auf ein Anzeige verzichtet.

Die im aktuellen Fall betroffene Frau habe in Gesprächen den Wunsch geäußert, ihren Fall öffentlich zu machen, sagte Beckwermert: „Damit sollen auch mögliche weitere Betroffene aufgerufen werden, sich zu melden.“ In der im September 2018 veröffentlichten Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz habe das Bistum Osnabrück insgesamt 35 beschuldigte Priester angegeben. Zu diesen Beschuldigten gehöre auch Pfarrer R. aufgrund der Vorfälle mit den Ministranten.

Weitere Missbrauchsopfer können sich melden

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hatte im Mai vier besonders betroffene Gemeinden besucht und das Gespräch gesucht. Dabei räumte er mehrfach ein, in der der Vergangenheit Fehler beim Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gemacht zu haben. Das Bistum Osnabrück hat im Rahmen der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz 35 beschuldigte Priester angegeben.

Beckwermert appellierte an mögliche weitere Missbrauchsopfer, sich den unabhängigen Ansprechpartnern des Bistums für Opfer sexueller Gewalt anzuvertrauen: „Es ist wichtig, dass sich von Missbrauch betroffene Frauen und Männer melden, auch wenn die Taten schon Jahrzehnte zurückliegen. Entscheidend ist für uns als Verantwortliche in der Kirche, dass wir den Betroffenen Gehör schenken, sie mit ihren Wünschen und Forderungen ernst nehmen und ihnen jede Hilfe und Begleitung ermöglichen, die sie brauchen.“

epd/dpa

Weitere Nachrichten aus Niedersachsen und Bremen:

In Delmenhorst hat die Polizei am Samstagabend eine Großkontrolle bei einer Hells-Angels-Party durchgeführt, es ging dort um Gefahrenabwehr, berichtet kreiszeitung.de*. In Bremerhaven ist am Freitag der historische Segler „Seute Deern“ auf Grund gelaufen, die Pumpen waren ausgefallen*.

In Bremen ist am Weserpark ein Feuer im Kristallpalast, in dem unter anderem das Cinestar- Kino untergebracht ist, ausgebrochen.

*kreiszeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare