1. az-online.de
  2. Niedersachsen

Betrug mit Corona-Teststellen in Niedersachsen steigt – Inzidenz schwächt ab

Erstellt:

Von: Jan Knötzsch

Kommentare

Zumindest eine gute Corona-Meldung: In Niedersachsen sinkt die Inzidenz leicht. Dafür beschäftigt die Polizei immer mehr der Betrug bei Corona-Teststellen.

Hannover – Seit dem 30. Juni 2022, sind die „Bürgertests“ zur Überprüfung, ob man sich mit dem Coronavirus infiziert hat oder nicht, nur noch für Risikogruppen und in anderen Ausnahmefällen kostenlos. Nach Angaben von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatten diese kostenlosen Tests zuletzt Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro verschlungen – im Monat, wohlgemerkt. Schon vor Monaten wurden in Medien Ermittler zitiert, die von hohen Schäden durch Betrug mit „Bürgertests“ ausgingen.

Die Rede war von über einer Milliarde Euro oder rund einem Zehntel der gesamten Zahlungen an Betreiber. Umstände, die der Polizei in Niedersachsen eine ganze Menge Arbeit bereiten.

Corona in Niedersachsen: Polizei und Staatsanwaltschaft erhalten bei Überprüfung von Teststellen Hilfe von Kassenärztlicher Vereinigung

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, beschäftigen sich die Polizei und Staatsanwaltschaften in Niedersachsen in diesem Jahr beschäftigen häufiger mit dem Verdacht auf Betrug mit Corona-Teststellen – aktuell sind die Experten nach der Entdeckung der neuen Omikron-Variante BA.2.75 besorgt – als noch im vorherigen Jahr 2021. Landesweit lagen die Fallzahlen des Betrugs mit Corona-Teststellen im ersten Halbjahr 2022 im niedrigen zweistelligen Bereich, wie das Landeskriminalamt (LKA) in Hannover auf dpa-Anfrage mitteilte. Im gesamten Jahr 2021 habe es weniger Ermittlungsverfahren gegeben. Die Zahlen für dieses Jahr seien noch vorläufig.

Ein Plakat, an dem eine junge Frau vorbeigeht, weist auf eine Stelle für Corona-Schnelltest hin.
Mehr Betrug bei Corona-Teststellen: Polizei und Staatsanwaltschaft haben viel Arbeit. © Wolfgang Maria Weber/imago

Die Ermittler der Polizei werden bei der vertieften Überprüfung der Teststellen – so ansteckend ist die Corona-Variante BA.5 – von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) unterstützt, wie KVN-Sprecher Detlef Haffke sagte. Diese Anfragen gebe es 2022, wo aktuell die Omikron-Bariante BA.5 im Umlauf ist, häufiger als im Jahr 2021. Den neusten Erkenntnissen zufolge weisen übrigens Omikron-Symptome an Nägeln und Haut auf eine Corona-Infektion hin. Laut KVN-Sprecher Haffe schaue sich die KVN bei der Überprüfung derzeit rund 2600 Abrechnungsakten von Corona-Testzentren genauer an.

Betrug mit Corona-Teststellen: Zwei größere Verfahren bei den Staatsanwaltschaft Hildesheim und Osnabrück

„Dies“, so sagte der Sprecher gegenüber der dpa, „geschieht immer dann, wenn die Abrechnung nach der ersten Prüfung nicht plausibel erscheint.“ Dabei handele es sich aber nicht nur um Verdachtsfälle auf Betrug, die mit Tests auf das Coronavirus, bei dem derzeit die Frage ist, wie lange die Inkubationszeit bei der Omikron-Variante BA.5 beträgt. Laut Testverordnung müsse ein Prozent der Akten als Stichprobe genauer untersucht werden. In Niedersachsen hat es bereits an mehreren Orten wegen des Verdachts auf Corona-Teststellen Durchsuchungen gegeben.

In zwei größeren Verfahren, die bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim und der Staatsanwaltschaft Oldenburg geführt werden, laufen die Ermittlungen noch, wie Behördensprecher laut dpa mitteilten. Für den Monat Juni 2022 erhielt die KVN nach eigenen Angaben von insgesamt 3965 Teststellen, die die Überprüfung auf eine Infektion mit dem Coronavirus anbieten, bei dessen Variante BA.5 sich häufig auch Genesene infizieren. Trotz der Unsicherheit, ob es mit kostenlosen „Bürgertests“ weitergehen wird, haben nur wenige Betreiber aufgegeben. Die Mehrheit der Teststellen wird laut dpa von „beauftragten Dritten“ betrieben, oft von Privatpersonen.

Corona-Inzidenz in Niedersachsen nimmt leicht ab – Experten gehen von hoher Zahl nicht erfasster Fälle aus

Derweil ist in Niedersachsen das Infektionsgeschehen leicht abgeschwächt. Die Sieben-Tage-Inzidenz für das Land wurde am Mittwoch, 6. Juli 2022, mit 915,8 angegeben. Am Vortag lag dieser Wert noch bei 966,7. Vor einer Woche hatte er laut Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei 917,8 gelegen. Niedersachsen hatte hinter Schleswig-Holstein weiterhin den zweithöchsten Wert im Vergleich der Bundesländer. Die Inzidenz liefert kein vollständiges Bild der Infektionslage mit dem Coronavirus, bei dem eine Infektion mit BA.1 und BA.2 nicht vor Corona-Variante BA.5 schützt.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus. Vor allem, weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung von Tageswerten führen. Als maßgebliche Zahl zur Bewertung der Corona-Lage in Niedersachsen gilt die Hospitalisierungsinzidenz. Die Landesregierung gab diesen Wert am Mittwoch mit 10,4 an, am Dienstag hatte er noch bei 10,7 gelegen.

Corona in Niedersachsen: Hoffnung, dass Höhepunkt der Sommerweille bereits erreicht ist – Inzidenz in Bremen bei 732,7

Ein Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums äußerte derweil die Hoffnung, dass der Höhepunkt der Corona-Sommerwelle bereits erreicht sein könnte. Der Landkreis Göttingen lag mit einer Inzidenz von 1222,9 an der Spitze im Vergleich aller niedersächsischen Kommunen. Dahinter folgten dann der Landkreis Peine (1193,3) sowie der Landkreis Northeim (1193,0). Die Stadt Wilhelmshaven verzeichnete mit 571,9 die niedrigste Inzidenz. Zum Vergleich: Bremen als kleinstes der 16 Bundesländer verzeichnete am Mittwoch, 6. Juli 2022, eine Sieben-Tage-Inzidenz von 732,7. Eine Woche zuvor lag sie mit 779,7 noch etwas höher. (mit dpa-Material)

Auch interessant

Kommentare