„Bestie A2 gezähmt“ - Verkehrslawine soll Standstreifen nutzen

Hannover - Der Verkehr auf der A2 rollt flüssiger, seit es Tempolimits gibt, die flexibel angepasst werden. Trotzdem gibt es auf der überlasteten Ost-West-Route weiter schlimme Unfälle. Die Behörden prüfen nun eine Freigabe der Standstreifen bei Hannover und Braunschweig.

Freie Spuren auf der Autobahn 2 soweit das Auge reicht - das gab es jüngst nur bei der Sperrung für die Fahrt von Chinas Regierungschef von der Hannover Messe zum Wolfsburger VW-Werk. Lange Schlangen von Lastwagen, Karambolagen und Staus bestimmen sonst das Bild auf der Ost-West-Strecke vom Ruhrgebiet Richtung Berlin. Seit gut einem Jahr gibt es auf dem gesamten niedersächsischen Abschnitt Tempolimits, die dem Verkehrsaufkommen entsprechend flexibel angepasst werden. Ein erstes Fazit dazu fällt positiv aus. Auch wenn die Zahl der Unfälle zurückgegangen ist, gibt es aber weiter viele Schwerverletzte und Tote. Was ist zu tun?

„Was funktioniert und was etwas bringt, ist die Verkehrsbeeinflussungsanlage“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Wolfgang Müller. „Das führt mit Sicherheit zu weniger Unfällen und einem besseren Verkehrsfluss.“ Wenig hilfreich seien die von den Kreisen Peine und Helmstedt zwischenzeitlich installierten Radarfallen. „Die Blitzanlagen bringen wenig und haben keinen Vorteil.“ Der Verkehrsfluss werde unterbrochen und es komme zu gefährlichen Bremsmanövern. „Die A2 ist insgesamt unfallträchtig. Wir sind an der Grenze der Verkehrsbelastung“, sagt der ADAC-Mann.

Dem stimmt auch der Geschäftsführer der Fachvereinigung Güterkraftverkehr und Entsorgung, Gerhard Ibrügger, zu. „Es ist eigentlich zu viel auf der Strecke unterwegs“, meint er. Außerordentlich hoch sei der Lkw-Anteil am Verkehr. „Was mir persönlich am meisten Sorgen macht, sind die Auffahrunfälle, die durch Staus entstehen.“ Als sehr positiv schätzt er die Auswirkungen der flexiblen Tempolimits ein.

Als Leiter der Autobahnpolizei Hannover kennt auch Knut Hallmann das Geschehen auf der Strecke bestens. „Wir haben die Bestie A2 einigermaßen gezähmt, aber wir müssen am Ball bleiben“, sagt er. Die Anlagen zur Verkehrsbeeinflussung sei eine Hilfe dabei - wenn das von den Leuchtschilderbrücken angezeigte Tempo akzeptiert werde. „Grundsätzlich wünsche ich mir bis zur Landesgrenze Nordrhein-Westfalens weitere stationäre Geschwindigkeitsmessanlagen, um die Verkehrsdisziplin der Autofahrer auf der gesamten Strecke hoch zu halten.“

Im vergangenen Jahr wurden 2807 Unfälle auf dem niedersächsischen Teil der A2 gezählt, nach 3266 im Vorjahr und 3188 in 2009. 87 der Verunglückten wurden schwer verletzt - 72 und 94 in den beiden Jahren zuvor. Nach oben gegangen ist aber die Zahl der Getöteten, sie stieg von 10 im Jahr 2009 auf 15 in 2010 und 17 im vergangenen Jahr.

Wegen der problematischen Situation auf der Ost-West-Achse hatte Niedersachsen unter Federführung des Verkehrsministeriums vor zwei Jahren ein Gutachten mit Empfehlungen zur A2 erstellt. Mehr variable Tempolimits, Überholverbote an Auf- und Abfahrten, eine bessere Koordinierung der Baustellen und mehr Stellplätze für Lastwagen wurden beschlossen. „Das sind viele kleine Maßnahmen, von denen wir uns in der Fülle mehr Verkehrssicherheit versprechen“, sagt Ministeriumssprecher Christian Budde.

Geprüft von den Behörden wird nun auch eine Mitbenutzung der Standstreifen im Raum Hannover und Braunschweig. Grundsätzlich seien die Standstreifen an der A2 fahrstreifentauglich ausgebaut. Bei einer Nutzung in Stoßzeiten ähnlich wie auf der A7 Richtung Hamburg müssten die Auf- und Abfahrten umgebaut werden, sagt Budde. „Das wäre eine Maßnahme, die hilfreich ist“, meint Güterverkehrs-Vertreter Ibrügger. „Das hat sich auf der A7 positiv ausgewirkt“, urteilt auch ADAC-Experte Müller. „Es ist aber nur eine Übergangslösung.“

Quelle: kreiszeitung.de

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