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Beschluss aufgehoben: Landtag erlaubt nun doch Erdgasförderung vor Borkum

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Von: Bjarne Kommnick

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Niedersachsen erlaubt nun doch die Erdgasförderung vor Borkum. Doch eigentlich hatte genau dort noch vor kurzer Zeit die Umwelt „oberste Priorität“.

Borkum – Kehrtwende um den Beschluss gegen die Erdgasförderung vor der Nordseeinsel Borkum, der Landtag in Niedersachsen hat seine Entscheidung aus dem Herbst am Donnerstag wieder aufgehoben. Damit stehe dem Vorhaben nun nichts mehr im Weg. Dem hat die Regierung aus SPD und CDU sowie die FDP und fraktionslose Abgeordnete am Donnerstag in Hannover zugestimmt. Die Grünen hingegen haben die Aufhebung des Beschlusses abgelehnt. Zuletzt kündigte der Landtag zudem an, dass auch in Wilhelmshaven zeitnah ein Erdgasterminal in Betrieb genommen werden soll.

InselBorkum
Bevölkerung5.266
Fläche30,74 km²
LandkreisLeer

Niedersächsischer Landtag erlaubt jetzt doch Erdgasförderung vor Borkum

Die Landesregierung wolle damit einem Konsortium aus den Niederlanden die Erdgasförderung vor Borkum unter strikten Umweltauflagen erlauben. Doch im Herbst sah das noch anders aus. Damals hieß es, dass die betroffenen Gebiete „von herausragender Bedeutung“ seien und der Schutz für die die niedersächsische SPD und CDU „oberste Priorität“ haben müsse. Im Oktober hieß es noch, dass das wirtschaftliche Interesse an der Erdgasförderung gegenüber den Risiken für das Wattenmeer „in jedem Fall zurückstehen“ müsse.

Insel Borkum von oben.
Niedersachsen legt eine wahr Kehrwende hin und gestatte nun doch die Erdgasförderung vor Borkum. © dpa/Sina Schuldt

Doch offensichtlich nicht wirklich in jedem Fall. Ihre Entscheidung begründet die Landesregierung mit den Unsicherheiten durch den Krieg in der Ukraine. „Wir tun alles, um dem Umweltschutz zu dienen. Wir tun aber auch alles, um am Ende auch der Versorgungssicherheit in Deutschland und in Niedersachsen zu dienen“, erklärte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann von CDU am Donnerstag die Aufhebung des Beschlusses gegen das Verbot der Erdgasförderung vor Borkum.

Erdgasförderung vor Borkum: Umweltverbände rechnen mit Lebensgrundlagen-Gefährdung von Nordseeinseln

Für Naturschützerinnen und Naturschützer ist das dennoch ein herber Rückschlag. Umweltverbände und auch die Behörden und Anwohner der angrenzenden Nordseeinseln befürchten, dass dadurch das Ökosystem und damit die Lebensgrundlage der Inseln gefährdet werden. Auch die Insel Borkum selbst kritisiert die Pläne der Regierung.

Aufgrund des aufgehobenen Beschlusses plant das Unternehmen One-Dyas ab Ende 2024 eine Plattform auf der Nordsee zu betreiben. Die Fördermenge soll rund zwei bis vier Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr betragen. Deutschland verbrauche derzeit rund 90 Milliarden Kubikmeter insgesamt pro Jahr. Zwar liege das Gebiet nicht unmittelbar im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, jedoch in der unmittelbaren Nähe. Ein neuer Beschluss sei für die umgekehrte Entscheidung nicht nötig gewesen.

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