Kirche hält an dem Konzept fest / Klappe wird nach Drama zweimal pro Woche überprüft

Babyklappe als letzter Ausweg

Bischöfin Margot Käßmann hält an dem Konzept der Babyklappe fest.

Hannover - (dpa) · Sie hat etliche Leben gerettet und ist zugleich ein Ort menschlicher Tragödien: Seit mehr als acht Jahren soll die Babyklappe am evangelischen Krankenhaus Friederikenstift in Hannover Müttern in Not als letzter Ausweg dienen, wenn sie ihr Neugeborenes nicht annehmen wollen.

Mit dem in ein Hilfsnetzwerk eingebundenen Angebot will die Kirche verhindern, dass Säuglinge ausgesetzt oder getötet werden. Dass dies damit erreicht wird, bezweifelt der Deutsche Ethikrat, der mit seiner Forderung nach einer Abschaffung der Babyklappen eine neue Diskussion angestoßen hat.

Wer in Hannover zum Friederikenstift kommt, wird die Babyklappe trotz Hinweisschildern nicht auf Anhieb finden: Seitlich am Gebäude führt ein schmaler Gang durch eine Hecke in den Patientengarten zu dem verwinkelten Zugang über eine Kellertreppe. „Wenn die Klappe geöffnet wird, wird ein Alarm ausgelöst“, erklärt die Leiterin des Notrufteams, Barbara Witthohn. „Zugleich kann man im Kreißsaal auf einem Monitor sehen, was hereingelegt wird, nicht aber die Person, die etwas hineinlegt.“ Befindet sich ein Säugling in der Klappe, wird schnelle Hilfe organisiert, öffnet nur ein Scherzbold die Klappe oder legt – wie schon vorgekommen– eine Flasche Bier hinein, gibt es Entwarnung.

Neun Säuglinge wurden seit dem Start 2001 in das Babykörbchen gelegt, ein weiterer wurde unweit an einem Fahrradständer gefunden. Weil sich in drei Fällen die Mutter später offenbarte, kamen Kind und Mutter wieder zusammen. Tragisch endete jedoch in einer kalten Januarnacht 2008 das Leben eines Säuglings, der von Landesbischöfin Margot Käßmann später den Namen „Mose“ erhielt. Der Junge erfror neben der Babyklappe, weil diese klemmte und sich nicht öffnen ließ. Gentests ergaben, dass die Mutter möglicherweise aus der Ukraine stammt, ermittelt werden konnte sie aber nicht. Trotz des Dramas hielt die Kirche an dem Angebot fest. Eine neue Klappe wurde installiert und eine Überprüfung zweimal pro Woche vorgeschrieben.

Wenn Bischöfin und Schirmherrin Käßmann die Babyklappe verteidigt, verweist sie vor allem auf das „Netzwerk Mirjam“ mit seinem 24-Stunden-Notruf und umfassenden Hilfen, wobei die Klappe ein allerletzter Ausweg sei. Wer Abtreibungen und Kindstötungen verhindern wolle, dürfe nicht bei hehren Worten, großen Ermahnungen und wunderbaren Prinzipien stehen bleiben – gefragt seien konkrete Hilfsangebote.

Das Netzwerk habe hunderten Frauen geholfen, 31 Adoptionen vermittelt und 16 Frauen darin bestärkt, ihr Kind zur Welt zu bringen. Ohne die Babyklappe und die Möglichkeit einer anonymen Geburt aber bliebe ein Kreis nicht erreichbarer Hilfebedürftiger zurück. Die Einwände des Ethikrates hält sie für zweifelhaft und unbewiesen – die Babyklappe will sie auf jeden Fall weiterbetreiben.

Seinen wohl schwierigsten Fall bescherte dem „Netzwerk Mirjam“ in diesem Februar nicht ein Findelkind in der Babyklappe, sondern eine anonyme Geburt im Friederikenstift.

Ein Paar kam zur Entbindung und ließ das Kind anschließend in der Klinik zurück. Offenbar war den Eltern bekannt, dass ihre Tochter schwerbehindert sein würde und es entschied sich dazu, das hirngeschädigte Kind nicht zu behalten. Die Kirche vermittelte das kleine Mädchen schließlich in ein privates Pflegeheim und taufte es auf den Namen „Mirjam.“

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare