Bislang 2.700 archäologische Funde

Tintenfass und Sandalennagel: Römer-Ausstellung in Braunschweig

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Ein Hufschutz eines Pferdes ist Teil der Ausstellung "Roms vergessener Feldzug - Germaniens verlorene Schlacht am Harzhorn" im Landesmuseum in Braunschweig.

Braunschweig - Das Harzhorn ist ein unscheinbarer Höhenzug im südwestlichen Niedersachsen. Menschen sind selten anzutreffen. Vor 1.800 Jahren war das anders. Rund 230 Jahre nach Christus kämpften dort Römer und Germanen gegeneinander.

Das Wissen um diese Schlacht war lange vergessen. „Erst ein paar von Sondengängern zufällig entdeckte, rostige Funde haben das geändert“, sagt die Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums, Heike Pöppelmann. Dort will die Landesausstellung 2013 unter dem Titel „Roms vergessener Feldzug“ die Geschichte um die Schlacht am Harzhorn zeigen.

Seit 2008 haben die Archäologen mehr als 2.700 Münzen, Speer- und Lanzenspitzen, Messer oder Werkzeuge ausgegraben. „Sandalennägel, Rost und Eisen erzählen im richtigen Kontext eine spannende Geschichte“, verspricht Pöppelmann.

So stehen sich in einem Raum lebensgroße Römer und Germanen gegenüber, zwar nur als Zeichnungen - doch prunkvolle Helme, verzierte Gürtelschnallen, eiserne Rüstungen, Holzschilde und andere Utensilien sind Originalfunde vom Schlachtfeld. In einer anderen Abteilung können die Besucher mit Duplikaten selbst erfahren, wie es ist mit 25 Kilogramm Marschgepäck zu marschieren oder in eines der Truppenzelte zu krabbeln.

Damals waren zwischen 3.000 und 10.000 Römer auf dem Weg nach Süden. Nach den Funden hochgerechnet wurde dieser große Tross von vielleicht 2.000 Germanen überfallen. „Das war ein Überfall, um Beute zu machen“, vermutet Kuratorin Korana Deppmeyer.

Die Schlacht selber hatte zwar nicht die Bedeutung der Varusschlacht (9 n. Chr.), die Ausgrabungen liefern jedoch neue Kenntnisse über die Armeen. Sie beweist zu, dass Hermann der Cherusker die Römer nicht für immer aus Germanien vertrieben hatte, sondern dass sie 200 Jahre später wieder im Norden unterwegs waren. Die Unscheinbarkeit des Harzhorns hat dazu geführt, dass die Funde an den Stellen entdeckt wurden, wo sie direkt nach der Schlacht liegen blieben. „Es ist wie ein Stück eingefrorene Geschichte“, schwärmt Bezirksarchäologe Michael Geschwinde. So konnten Wissenschaftlicher zum Beispiel bestimmen, von welchem Standort aus ein Pfeil mit welcher Geschwindigkeit wie weit geflogen ist. Kuratorin Deppmeyer ergänzt: „Der Deckel eines Tintenfässchens beweist: Auch die Verwaltung war mit der Truppe unterwegs.“

Insgesamt werden 760 Exponate auf 1.000 Quadratmetern gezeigt, darunter auch Leihgaben aus rund 80 Museen aus zehn europäischen Ländern. Der Gesamtetat der Ausstellung liegt bei 1,8 Millionen Euro. Die beiden größten Geldgeber sind das Land und die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. Zu den erwarteten Besucherzahlen wollte Pöppelmann nichts sagen. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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