Es ist nicht nur Rock'n'Roll

Ausbildungen an Musikhochschulen sind begehrt

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Dozent Thorsten Käsekamp (l), übt mit Keyboarder Jens Niemann in einem Proberaum vom Institut für Musik der Hochschule Osnabrück an einem Musikstück.

Osnabrück - Von Thomas Wübker. Viele junge Menschen träumen von einer Karriere als Pop- oder Rockstar. Manche wollen diesen Traum wahr machen. Zwei niedersächsische Musikhochschulen bieten spezielle Ausbildungsgänge an.

Die Rock-Musik ist tot, sagt Rock-Musiker Heinz Rudolf Kunze. „Es macht aber weiterhin Spaß, sie zu spielen“, fügt er im gleichen Atemzug hinzu. Das geht auch vielen jungen Musikern so, die sich an Musikhochschulen in Niedersachsen bewerben. Die Institute in Osnabrück und Hannover verzeichnen hohe Bewerberzahlen auf wenige Studienplätze.

Den Traum von einer Karriere als Pop- oder Rock-Star träumen viele. Das zeigen die Bewerber-Zahlen bei Casting-Shows. Kunze empfiehlt aber jungen Musikern, einen großen Bogen darum zu machen. „Da verdienen nur Juroren Geld. Die Musiker werden ausgequetscht.“ 2007 hat Kunze am Institut für Musik an der Hochschule Osnabrück ein Semester lang unterrichtet. Eine Ausbildung an einer Hochschule könne jungen Musikern nicht schaden, sagt Kunze, der selbst Germanistik und Philosophie auf Lehramt studiert hat. „Man muss aber eine Berufung zum Musiker in sich haben.“ Ein Studium nütze nichts, wenn jemand talentfrei sei. An Hochschulen herrsche ein offenes Klima: „Ob dort - wie in einem Labor - etwas Neues entstehen kann, ist eine andere Frage.“

Zwölf Bewerber auf eine Stelle verzeichnet das Institut für Musik (IfM) an der Hochschule Osnabrück, so Martin Behrens, der dort als Dozent im Lehrgang Pop tätig ist. Etwa 450 Studenten sind am IfM in den Bereichen Jazz, Musical, Pop, Klassik, Musik-Theorie und elementare Musik-Pädagogik eingeschrieben.

Musik-Hochschulen in Niedersachsen verzeichnen hohe Bewerberzahlen

„Wir bilden Leute aus, die am Markt fähig sind“, sagt Behrens. Geschäftsangelegenheiten würden in Wahlpflichtfächern unterrichtet. „Der Kern ist die künstlerische Ausbildung.“ Innerhalb der acht Semester ihres Studiums durchlaufen die Studenten unterschiedliche Genres. In verschiedenen Band-Projekten erlernen sie Dinge wie Probe-Disziplin, Arrangieren oder Bühnen-Performance.

Einen ähnlichen Studiengang bietet die Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover an. „Wir bilden das Spannungsfeld zwischen Studioarbeit, Recht und künstlerischer Qualität ab. Davon leben die Studenten ja später als Musiker, Pädagoge oder Producer“, sagt Dozent Raphael Thöne. Der Markt erfordere diese „Mehrfach-Qualitäten“. Er sehe es auch als Aufgabe der Dozenten an, die Studenten auf den harten Konkurrenzkampf vorzubereiten.

Solche Dinge hat sich Ines Maybaum selbst beigebracht. Als sie 1995 im Alter von 15 Jahren bei der Düsseldorfer Punkrock-Band Broilers eingestiegen sei, habe sie ein paar Mal auf einem Bass geklimpert, erzählt sie. Die 35-Jährige sagt zwar, es sei nicht verpönt, Musik-Theorie zu lernen, auch um manche Abläufe in den Songs besser begreifen zu können. „Ich brauche aber keine Noten.“ Das Wichtigste am Musikmachen sei, Spaß daran zu haben.

Hajo Cirksena ist auch Bassist. Er hat am IfM in Osnabrück eine Ausbildung durchlaufen. Er lebt seit zwei Jahren als freiberuflicher Musiker in Hamburg, wo er mehr Kontakte knüpfen kann als in Osnabrück. An drei Tagen in der Woche unterrichtet der Bassist Gitarre. Außerdem hat er als Begleitmusiker in den vergangenen zwei Jahren zwischen 70 und 120 Konzerte gespielt. „Der prophezeite Einkommensmix also“, kommentiert er seine Lage lapidar.

Obwohl Cirksena lobend über sein Studium in Osnabrück spricht, wo er die Fähigkeiten an seinem Instrument erweitern konnte, sagt er auch, dass er Kontakte in die Branche vermisst hat. „Von meinen damaligen Kommilitonen haben ein Großteil andere Ausbildungen angehängt, und zwar in meist absolut anderen Richtungen.“

Quelle: kreiszeitung.de

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