Asse-Bergung könnte sich um Jahre verzögern

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Ein Bergmann geht zu den Behältern mit den Cäsium-137 kontaminiertern Flüssigkeiten auf der 750 Meter-Sohle vor der Kammer 12 in der Schachtanlage Asse II in Remlingen bei Wolfenbüttel.

Remlingen/Hannover - Die Bergung von Nuklearabfällen aus dem maroden Atommüll-Lager Asse bei Wolfenbüttel könnte sich um mehrere Jahre verzögern. Das geht aus einem Entwurf für einen Terminplan hervor, den das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) an das Bundesumweltministerium weiterleitete.

Bei der derzeitigen Rechtslage könnte demnach vermutlich erst 2036 damit begonnen werden, die Fässer vollständig aus der einsturzgefährdeten Schachtanlage zurückzuholen. Das BfS bestätigte am Dienstag entsprechende Medienberichte, wies aber zugleich darauf hin, dass der Zeitplan ein „Worst-Case-Szenario“ widerspiegele.

Strittig ist zum Beispiel, ob die nötigen Sicherheits- und Sanierungsschritte am früheren Salzstock wie bisher vorgesehen nacheinander erfolgen müssen. Parallele Arbeiten könnten womöglich das Tempo erhöhen. Der Bund hatte Berichten zufolge angenommen, dass das Projekt spätestens 2028 beendet wird - nun könnte eventuell erst 2029 entschieden werden, ob eine komplette Rückholung möglich ist. Der damalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte die Asse im März besucht und sich dafür ausgesprochen, den schwach- und mittelradioaktiven Müll schnellstmöglich zu bergen. Er kündigte außerdem an, einen Rahmenplan dafür vorzulegen; das zuständige Projektbüro Arcadis untersuchte die technischen Voraussetzungen. Bislang ist unklar, wie lange das ehemalige Bergwerk stabilisiert werden kann. Pro Tag dringen bis zu 12 000 Liter Wasser in die Anlage ein, in die bis zum Jahr 1978 etwa 126 000 Atommüllfässer gekippt wurden. Ihre Bergung könnte Milliarden von Euro verschlingen. Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) verlangte vom Bundesumweltministerium einen detaillierten und belastbaren Zeitplan.

In einem Brief an Röttgens Nachfolger Peter Altmaier (CDU) bot er Hilfe an - es gebe jedoch schon längst Genehmigungen zum Anbohren erster Kammern: „Aus Sicht der Landesregierung gibt es keinen Grund dafür, dass die Bohrarbeiten vom BfS immer weiter verzögert werden.“ Die Behörde selbst schlug der Politik Nachbesserungen vor. „Der Bericht muss Anlass sein, bei den geltenden rechtlichen Regelungen, Vollzug und Betrieb Zeitreduzierungen zu erreichen, damit solche inakzeptablen Zeitpläne nicht Realität werden“, erklärte ein Sprecher des BfS. Die Abläufe ließen sich möglicherweise beschleunigen - etwa, wenn erste Probebohrungen nicht erst nach dem Abschluss aller Notfallmaßnahmen starten müssten oder wenn der Bau eines Zwischenlagers und weiteren Schachts früher beginnen dürfte. Hierzu wird über eine „Lex Asse “ diskutiert, die die Bedingungen vereinfachen soll. Die Grünen im Bundestag fordern ein solches Gesetz ebenso wie etliche niedersächsische Landespolitiker. Nach eigener Ansicht müsste das BfS zudem über mehr Geld und Personal verfügen. Die SPD-Landtagsfraktion dringt auf eine Überarbeitung der Regeln: „Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Das Bundesumweltministerium ist aufgefordert, die rechtlichen Grundlagen für eine zügige Räumung zu legen“, mahnte Atomexperte Marcus Bosse.

Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel sprach sich ebenfalls dafür aus: „Die drohenden Gefahren erlauben keine Vertagung auf den Sanktnimmerleinstag.“ Dagegen bewertete der Umweltexperte der Union, Martin Bäumer, die BfS-Ankündigung auch als Eingeständnis für dessen eigene Defizite. „Es entsteht der Eindruck, als ob das BfS die Bergung mit stoischer Ruhe abarbeiten möchte - wie einen x-beliebigen Vorgang“, kritisierte der CDU-Abgeordnete. Der FDP-Obmann im Asse-Untersuchungsausschuss, Björn Försterling, sprach von einem Ablenkungsmanöver der Behörde. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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