Arbeitslosigkeit auf Langzeit-Tief, aber regionale Unterschiede

Die Arbeitslosenzahlen sind auf einem Langzeit-Tief, es gibt jedoch regionale Unterschiede.

Hannover/Bremen - Es ist eine Erfolgsbilanz mit Schönheitsfehlern. Zum ersten Mal seit 1992 sind in Deutschland weniger als drei Millionen Menschen arbeitslos - in Niedersachsen war ein 18-Jahres-Tief bereits im September erreicht worden.

Die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt fällt in den einzelnen Regionen und Altersgruppen jedoch höchst unterschiedlich aus, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) heute in Hannover berichtete. Rund 274 000 Menschen waren in Niedersachsen im Oktober ohne Job. Das sind 2,3 Prozent weniger als im September und 5,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,9 Prozent - und damit sogar leicht unter dem bundesweiten Schnitt von 7 Prozent, auf den sich das Land schon im vorigen Monat eingependelt hatte. BA-Regionalchef Klaus Stietenroth freute sich über den anhaltenden Aufwärtstrend: „Die Arbeitslosenzahl ist weiter gesunken, das Angebot an freien Stellen liegt rund ein Drittel über dem Niveau des Vorjahres, und die Zahl der Beschäftigten ist gestiegen.“ Mehr Bedarf an frischen Kräften hätten vor allem das verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe und der Handel gemeldet.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode beurteilte die Daten ebenfalls als Erfolgsbeleg: „Das sind einfach richtig gute Zahlen. Wir können allmählich von einem wirklich robusten Aufschwung sprechen“, meinte der FDP-Politiker. Immer mehr Betriebe suchten neues Personal, bei der Kurzarbeit zeichne sich ein Rückgang ab. „Niedersachsen geht damit gestärkt aus der Krise hervor.“ Unabhängig von der positiven Gesamtentwicklung ergibt sich für die einzelnen Altersklassen aber ein gemischtes Bild. „Während die unter 25-Jährigen auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind, haben es Menschen über 50 Jahre schwerer“, erklärte Stietenroth. Der Anteil der Älteren an der Zahl aller Arbeitslosen liege jetzt bei über einem Viertel.

In Bremen blieb die Lage auf dem Arbeitsmarkt durchweg kritischer. Zwar sank die Zahl der Jobsuchenden im Vergleich zum September auch hier leicht auf knapp 38 000 (minus 0,6 Prozent). Im Rückblick auf den Vorjahresmonat zeigte sich allerdings ein Anstieg um ein Prozent - ungeachtet der staatlichen Konjunkturhilfen und üblichen Belebung im Herbst. Die nach wie vor hohe Arbeitslosenquote von 11,7 Prozent ließ ein bescheideneres Zwischenfazit als in Niedersachsen zu; die BA sprach von einer „nur leicht positiven“ Entwicklung im Oktober. Auch in Niedersachsen hielten die Unterschiede zwischen den Regionen an. Am höchsten war die Quote der Menschen ohne Job in Hannover (9,6) sowie in Wilhelmshaven (8,7) und Goslar (8,5).Die geringste Arbeitslosigkeit gab es dagegen in Nordhorn (3,8).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte bei der Vorlage der bundesweiten Eckdaten in Berlin gesten betont, die erfreulichen Zahlen böten keinerlei Anlass zur Euphorie. „Es gibt immer noch keinen gleichen Lohn für gleiche Arbeit in der Leiharbeit und keine flächendeckenden Mindestlöhne“, sagte DGB-Vize Claus Matecki. Die Berechnungsmethoden der Bundesagentur stehen zudem weiter in der Kritik. Die Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer sagte, 185000 Menschen tauchten allein deshalb nicht in der Statistik auf, weil sie von privaten Stellen betreut würden. Auch Jobsuchende, die sich noch fortbilden lassen, werden offiziell nicht als arbeitslos angesehen.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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