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Althusmann poltert los: Bund hat mit 9-Euro-Ticket „ein Strohfeuer erzeugt“

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Von: Yannick Hanke

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Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) guckt skeptisch zur Seite. Auf dem Display eines Smartphones wird das 9-Euro-Ticket für Juni 2022 angezeigt, während eine S-Bahn einfährt.
Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) ist der Meinung, dass der Bund mit dem 9-Euro-Ticket ein „Strohfeuer erzeugt“ hat. © Arne Dedert/dpa/imago/Montage

Keine Frage, das 9-Euro-Ticket polarisiert. Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) übt schwere Kritik und bemängelt ein fehlendes Konzept.

Hannover – Bis Ende August 2022 ist das 9-Euro-Ticket noch gültig. Wie es dann weitergeht? Das ist mehr als unklar. Verschiedene Nachfolgemodelle wurden bereits diskutiert, Berlin will als erste Bundesland vorpreschen und das 9-Euro-Ticket bis Jahresende verlängern. Die Nachfrage war und ist ungebrochen groß. Doch gibt es aus Kreisen der Politik auch Kritiker, die hinter die Fassade blicken und die ausbleibenden Effekte durch die zeitlich begrenzte Einführung des 9-Euro-Tickets hervorheben. Vorhang für Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU).

9-Euro-Ticket polarisiert: Bernd Althusmann (CDU) sieht vom Bund erzeugtes „Strohfeuer“

Nur noch bis zum 31. August ist das 9-Euro-Ticket gültig. Ab September 2022 muss für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wieder deutlich mehr gezahlt werden. Wer sich an die kostengünstige Lösung bereits gewohnt hatte, muss Abstriche machen, nicht zuletzt finanzieller Natur. Ist der große Effekt, das Fahren mit Bus und Bahn attraktiver zu gestalten und stattdessen das Auto mal zu Hause stehenzulassen, also bereits verpufft?

„Mit dem 9-Euro-Ticket hat der Bund ein Strohfeuer erzeugt“, heißt es in diesem Kontext von Bernd Althusmann gegenüber der dpa. Der Verkehrsminister von Niedersachsen spricht von einer kurzfristigen Entlastung, die durch das 9-Euro-Ticket entstanden sei. Mehr aber auch nicht. „So etwas macht man doch nicht ohne ein Konzept, wie der Nahverkehr auf Dauer länderübergreifend attraktiver werden kann“, fügt Althusmann an.

Niedersachsen arbeitet an Nachfolgelösung fürs 9-Euro-Ticket: Klimaticket, 49-Euro-Ticket oder 365-Euro-Ticket?

Unlängst hatte eben jener Bernd Althusmann ein landesweites 49-Euro-Ticket in Niedersachsen für möglich gehalten und ins Spiel. Es wäre eine Nachfolgelösung für das auslaufende 9-Euro-Ticket. Doch stellte der CDU-Politiker auch klar, dass der Bund hierfür das erforderliche Geld erhöhen müsste. Zudem warf Althusmann die Idee eines norddeutschen Tickets in den Raum – ohne diesen Vorschlag zu konkretisieren.

Untätig ist man in Niedersachsen aber nicht, wenn es darum geht, adäquaten Ersatz für das 9-Euro-Ticket ins Leben zu rufen. „Unser bisheriges Konzept für Niedersachsen sieht vor, dass wir ein Klimaticket für zwei Euro am Tag haben wollten. Für Schülerinnen und Schüler, Menschen mit geringem Einkommen und Rentner und Rentnerinnen haben wir ein 365-Euro-Jahresticket vorgesehen, also für einen Euro am Tag“, heißt es in diesem Zusammenhang von Julia Willie Hamburg, Grünen-Spitzenkandidatin zur Niedersachsen-Wahl 2022.

9-Euro-Ticket braucht Nachfolgelösung: 1. Landkreis in Niedersachsen setzt auf 365-Euro-Jahresticket

Von Juni bis August, also über drei Monate hinweg, war das 9-Euro-Ticket bundesweit gültig. In den verschiedenen Bundesländern und Regionen wird bereits eine Bilanz gezogen. Nach eigenen Angaben verkaufte der Großraum-Verkehr Hannover (GVH) mehr als 760.000 9-Euro-Tickets. Die Abonnenten würden noch hinzukommen. Bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) waren es wiederum rund 373.000 verkaufte Tickets im selben Zeitraum.

Längst haben einige Kommunen in Niedersachsen günstige Nachfolgelösungen für das 9-Euro-Ticket angekündigt. So soll im Landkreis Lüchow-Dannenberg ab September ein 365-Euro-Jahresticket greifen. Im GVH wiederum können Abonnenten weitere Menschen für zweieinhalb Monate kostenlos mitnehmen. Eine Aktion, die vom 1. September bis zum 15. November gilt. Ein Stammkunde kann dann rund um die Uhr einen Volljährigen mitnehmen sowie bis zu drei Kinder oder Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren. (mit Material der dpa)

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