Montag beginnen die Prüfungen

Abitur in Niedersachsen ab heute: Corona-Testpflicht vor Prüfungen aufgehoben mit dringendem Appell

Absagen oder Durchziehen? Über das Abitur wurde wegen der Corona-Krise heftig gestritten. In Niedersachsen starten die Prüfungen am Montag und sind für Minister Tonne ohne Makel möglich. Andere blicken voller Sorge auf die kommenden Wochen.

Die Abiturprüfungen in Niedersachsen starten am Montag zum zweiten Mal unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Krise. An rund 450 Schulen sind die Abläufe aber an die Auswirkungen der Pandemie angepasst, wie es aus dem Kultusministerium in Hannover heißt. „Wir sichern faire Prüfungen zu, keiner muss Nachteile wegen Corona befürchten“, hatte Minister Grant Hendrik Tonne (SPD) betont. Trotz einiger Forderungen nach einer Abi-Absage geht es am Montag mit dem Fach Geschichte los.

Eine zentrale Rolle spielen in diesem Frühjahr die Corona-Tests. „Wir bitten unsere Schüler, dass sie vor den Abitur-Prüfungen sich selbst zu Hause testen und uns dann bestätigen, dass dieser Test negativ war“, sagte Katrin Meinen, Schulleiterin an einem Gymnasium in Mellendorf. Bei einem positiven Ergebnis werde um einen zweiten Test gebeten. Fällt der auch positiv aus, sollen die Schüler zu Hause bleiben und einen der Termine zum Nachschreiben nutzen.

Am Montag gehen viele Schüler in die erste Abiturprüfung los.

Eine generelle Testpflicht für die Schüler besteht nicht mehr. Bei Klausuren sowie den mündlichen Prüfungen ist kein negatives Testergebnis oder eine ärztliche Bescheinigung erforderlich, wie es aus dem Kultusministerium in Hannover heißt. Ziel der kurzfristigen Maßnahme sei es, auch den Prüflingen, die sich nicht Testen lassen wollen, die Teilnahme am Abi zu ermöglichen, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag zur Begründung.

Landesweit nehmen voraussichtlich 32.000 Schüler an den Abi-Prüfungen teil. Gestartet wird am Montag mit der Klausur im Fach Geschichte. Mit den möglichen mündlichen Nachprüfungen zieht sich die Abi-Phase bis Ende Juni. Für die Prüfungen gelten die bestehenden Hygieneregeln. Aus dem Ministerium wurde zudem dringend an die Schüler appelliert, an Klausurtagen das Testangebot wahrzunehmen.

Schülerrat plädierte für Absagen der Abiturprüfungen

„Wir werden also gezwungen, in den sauren Apfel zu beißen“, sagte der Schülerratsvorsitzende Florian Reetz, der in diesem Jahr selbst in Braunschweig das Abi schreibt. Vehement hatte sich der Schülerrat zuvor für eine Absage eingesetzt. „Die Prüflinge waren wohl noch nie so unterschiedlich vorbereitet wie 2021“, begründete Reetz. Für eine Absage sei es nun zwar zu spät, sollten die Ergebnisse aber regional unterschiedlich oder möglicherweise deutlich schlechter ausfallen, müsse darauf reagiert werden, forderte er.

Die Kultusministerkonferenz hatte vor wenigen Tagen beschlossen, dass die Abiturienten in Deutschland ihre Prüfungen in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie ablegen sollen. Die vorbereitenden Maßnahmen ermöglichen aus Sicht von Minister Tonne anspruchsvolle und zugleich faire Prüfungen. Er sprach von einem „möglichst normalen Weg des Endes der Schulkarriere“, der auch der beste Weg sei, um einen Corona-Makel zu verhindern.

Die Gefahr eines Makels sieht der Schulleitungsverband Niedersachsen (SLVN) aber sehr wohl. Das Gremium hatte auch gefordert, auf die Abi-Prüfungen und die Abschlussprüfungen der Jahrgänge 9 und 10 zu verzichten. „Jetzt sind die Schüler Spielball der Pandemie und wir blicken mit Sorge auf die Entwicklung“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Rene Mounajed. Sollten in der Prüfungsphase Fälle auftreten, drohe ein inhaltlicher und juristischer Rattenschwanz, warnte er.

Niedersachsens Landesregierung hält trotz steigender Infektionszahlen an den Abiturprüfungen fest. Damit die Corona-Hygienebestimmungen eingehalten werden, wird die Halle regelmäßig gelüftet und die Tische haben einen Abstand bis zu drei Meter.

Von vielen Eltern wird zumindest begrüßt, dass mehr Auswahlmöglichkeiten für Prüfungsaufgaben verfügt wurden, wie der Landeselternrat mitteilte. Aber: „Die Gefährdungslage an den Schulen ist durch die ansteckenderen Virusvarianten massiv angestiegen und hat dem Infektionsgeschehen eine neue Dynamik verliehen“, sagte die Vorsitzende Cindy-Patricia Heine. Auch für die Bildungsgewerkschaft GEW stellen die Prüfungen eine riesige Herausforderung dar. „Die Profis in unseren Schulen werden die Prüfungsvorbereitung und -durchführung jedoch trotz der enormen Belastung meistern“, sagte die GEW-Vorsitzende Laura Pooth.

Im Landkreis Diepholz waren die Meinungen ebenfalls geteilt. Der Kreisschülerrat Diepholz (KSR) hatte sich kürzlich für einen Abschluss ohne Klausuren ausgesprochen. Jahrgangssprecher Eliah Robowski (Gymnasium Sulingen) berichtet, dass der Unterricht im Lockdown „größtenteils gut funktioniert“ habe. „Natürlich gab es ab und zu Schwierigkeiten, besonders bei neuen Themen, man wurde von den Lehrern aber zu keiner Zeit alleine gelassen.“

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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