Rentner steht dreieinhalb Jahre nach Todesschüssen vor Gericht

+
Blumen und Briefe liegen 2011 neben dem Anwesen eines Rentners in Sittensen (Niedersachsen) im Gedenken an den 16 jährigen Labinot S.. Eine fünfköpfige Bande hatte einen Rentner überfallen. Der 77-Jährige griff zu einer Pistole, schlug die Räuber in die Flucht und erschoss dabei den 16-Jährigen. Jetzt muss sich der Rentner vor Gericht verantworten.

Stade - War es Notwehr oder Totschlag? Eine fünfköpfige Bande überfällt in Sittensen einen Rentner. Der 77-Jährige greift zu einer Pistole und schlägt die Räuber in die Flucht. Dabei erschießt er einen 16-Jährigen. Jetzt muss sich der Rentner vor Gericht verantworten.

Ein Rentner wird auf seinem Grundstück in Sittensen (Landkreis Rotenburg) von mehreren jungen Tätern überfallen und ins Haus gedrängt. Beim Öffnen des Tresors geht der Alarm los, in der Verwirrung greift sich der Jäger eine Pistole und erschießt einen flüchtenden 16 Jahre alten Täter. Kann das noch als Notwehr gewertet werden oder ist es Totschlag? Nach einem jahrelangen juristischen Hin und Her steht der inzwischen 80-Jährige von Mittwoch an vor dem Landgericht Stade. Die Anklage lautet auf Totschlag.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlungen gegen den Rentner nach dem Überfall im Dezember 2010 zunächst eingestellt. Dagegen legte die Familie des Getöteten Widerspruch ein, und die Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen Totschlags an. Doch das Landgericht Stade lehnte die Eröffnung der Hauptverhandlung ab. Während die Anklagebehörde das akzeptierte, legte die Nebenklage erneut Beschwerde ein. Das Oberlandesgericht Celle entschied schließlich: Es muss verhandelt werden. Der Fall könne nicht nach Aktenlage entschieden werden.

Eine andere Strafkammer des Landgerichts hatte die drei Komplizen des erschossenen 16-Jährigen im Alter von 22 bis 24 Jahren im Juli 2011 zu Freiheitsstrafen zwischen drei Jahren und sechs Monaten und vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Eine 21 Jahre alte Frau wurde wegen Anstiftung zu 21 Monaten auf Bewährung verurteilt. Eine Freundin der jungen Frau hatte eine Beziehung zu dem Überfallopfer. So war sich die Gruppe auch darüber im Klaren, dass der Rentner als Jäger Waffen im Haus hatte. dpa

Wir berichten weiter:

Zum Prozessauftakt: Chronologie der Ereignisse

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare