Ungeimpfte haben wieder Zutritt

2G beim Friseur in Niedersachsen: Gericht stellt Corona-Regel auf den Kopf

Die 2G-Plus-Regel bei körpernahen Dienstleistungen in Niedersachsen gilt nicht mehr. Somit dürfen auch Ungeimpfte trotz verschärften Corona-Regeln wieder zum Friseur?

Hannover/Lüneburg – Für viele Ungeimpfte war die Situation im wahrsten Sinne des Wortes zum Haare raufen. Aufgrund der 2G-Plus-Regel* in Niedersachsen war es ihnen nicht mehr möglich, körpernahe Dienstleistungen, wie sie beispielsweise von Friseuren angeboten werden, wahrzunehmen. Die passive Schreibweise drückt es aber bereits aus: Diese Corona-Regel gehört der Vergangenheit an. Doch was steckt dahinter?

Land:Niedersachsen
Einwohner:7,982 Millionen
Fläche:47.614 km²
Hauptstadt:Hannover

2G beim Friseur: Oberwaltungsgericht Lüneburg kippt Corona-Regel in Niedersachsen – Ungeimpfte können sich wieder die Haare schneiden lassen

Ein Beschluss vom Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg hat letztendlich den Ausschlag gegeben. Denn wer in Niedersachsen weder gegen das Coronavirus geimpft noch von einer Covid-19-Infektion genesen ist, darf fortan nicht mehr vom Besuch beim Friseur ausgeschlossen werden.

Durch einen Beschluss vom Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg ist es Ungeimpften in Niedersachsen wieder möglich, einen Besuch beim Friseur wahrzunehmen. (kreiszeitung.de-Montage)

Wie das zuständige Gericht am Freitag, 10. Dezember 2021, mitteilte, sei die 2G-Plus-Regel bei körpernahen Dienstleistungen schlichtweg unangemessen. Unter Berücksichtigung des gegenwärtigen Corona-Infektionsgeschehens in Niedersachsen* sei diese Corona-Regel, wie sie bei Friseuren oder in der Fußpflege gegriffen hat, keine notwendige Schutzmaßnahme.

FFP2-Schutzmaske und negativer Corona-Test anstatt 2G und drastische Corona-Regeln würden ausreichen: Neue Realität bei Niedersachsens Friseuren

Konkret bezog sich das OVG Lüneburg bei seiner Urteilsverkündung auf die körperpflegerischen Grundbedarfe. In diesen Bereichen sei das Infektionsrisiko nur begrenzt, da sich dort regelmäßig nur wenige Menschen gleichzeitig aufhalten würden. Zudem könne der Schutz durch das Tragen eine Maske oder eines negativen Corona-Tests deutlich erhöht werden, sodass hier weder 2G beim Friseurbesuch notwendig, noch verschärfte Corona-Regeln greifen müssen.

Somit entfällt die besagte Corona-Regel nicht zuletzt beim Besuch vom Friseur*. Doch besteht auch die Möglichkeit, dass 2G Plus in den genannten Bereichen wieder eingeführt wird? Eine Neuregelung ist zumindest nicht ausgeschlossen. Bis diese beschlossen und offiziell verkündet wird, gelten laut dem Gericht die Pflichten zum Tragen einer FFP2-Schutzmaske sowie zur Erfassung der jeweiligen Kontaktdaten.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) fährt harten Kurs mit verschärften Corona-Regeln – Ungeimpften bleiben bei 2G im Einzelhandel außen vor

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit macht schnell deutlich: vor allem bei den körpernahen Dienstleistungen ist es hinsichtlich der geltenden Corona-Regeln zu einem Hin und Her gekommen. Das Beispiel Niedersachsen zeigt dies besonders gut. Am 24. November ist im nördlichen Bundesland eine neue Corona-Verordnung* in Kraft getreten, mit der die Landesregierung um Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)* auf das prekäre Infektionsgeschehen in Niedersachsen reagierte.

Dies hatte zur Folge, dass in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, darunter die Gastronomie, Veranstaltungen und nicht zuletzt in Friseursalons, 2G galt*. Gemäß dieser Corona-Regel dürfen nur vollständig Geimpfte respektive Genesene Bereiche betreten, die entsprechend gekennzeichnet sind. Ein Schlupfloch für Ungeimpfte, wie es 3G mittels eines negativen Corona-Tests beispielsweise am Arbeitsplatz* ermöglicht, gab es nicht.

Einschränkungen auch für Geimpfte und Genesene durch Corona-Regeln: 2G plus beim Friseur machte zusätzlichen, negativen Corona-Test notwendig

Klarheit hinsichtlich der Corona-Regel war allein durch die Transparenz gegeben – zumindest vorerst. Denn im nächsten Schritt sollte die Corona-Verordnung in Niedersachsen* erneut angepasst und damit verschärft werden. Erneut eine Reaktion auf das Infektionsgeschehen, das die Landesregierung zu diesem Schluss bewegte.

Für Ungeimpfte änderte sich hinsichtlich des Besuchs beim Friseur nichts. Sie mussten weiterhin draußen bleiben und mit ihrer bereits vorhandenen Haarpracht zurechtkommen. Der Einschnitt, insofern er von den betroffenen Personengruppen nicht akzeptiert werden wollte, folgte durch die Umstellung auf 2G plus.

Personen sind geimpft oder genesen? Das war nur noch die Basis, quasi die Grundvoraussetzung der neuen Corona-Regel, um beim Friseur überhaupt noch Einlass zu finden. Denn durch 2G plus bei körpernahen Dienstleistungen war zusätzlich ein negativer Corona-Test notwendig, um sich letztendlich die Haare schneiden zu lassen*.

Corona-Regeln in Niedersachsen: 2G plus beim Friseur erforderte vorausschauendes Planen

Spontane Besuche bei Friseuren, die Kundschaft auch ohne Termin empfangen? Hatten sich erledigt. Im Grunde mussten sich Personen, die zum Friseur wollten, je zwei Termine geben lassen*. Zwei beim Friseur, da keine Garantie vorlag, im entsprechenden Zeitraum vorher einen offiziellen Corona-Test durchführen lassen zu können.

Ein Leid, das vor allem in kleinen Gemeinden und Ortschaften viele Einwohner zu beklagen haben. Mangelnde Testkapazitäten sind bundesweit, aber auch spezifisch auf Niedersachsen bezogen*, die Realität. Von der anderen Seite betrachtet, waren aber auch oftmals zwei vorher ausgemachte oder gebuchte Termine beim entsprechenden Testzentrum notwendig.

Denn auch hier konnte nicht mit Gewissheit gesagt werden, dass solch ein Corona-Test in dem zeitlich zulässigen Abstand vorm Besuch beim Friseur erfolgt. Wo fange ich an? Wo höre ich auf? Fragen, die sich manchmal nicht nur Friseure, sondern auch deren Kunden stellten.

Fitnessstudios setzen bundesweit mindestens auf 2G – Grundversorger wie Supermärkte wehren sich gegen diese Corona-Regel

Dies hat nun ein vorläufiges Ende gefunden. Zum Friseur in Niedersachsen können dank der Aufhebung der Corona-Regel neben Geimpften und Genesenen auch wieder Ungeimpfte gehen. So verhält es sich jedoch nicht mit allen Bereichen des öffentlichen Lebens. In Fitnessstudios in Niedersachsen greift beispielsweise die 2G-plus-Regel. Ungeimpfte können hier also nicht mehr trainieren.

In Bremen* und Hamburg wiederum kann noch unter Einhaltung der 2G-Regel zur Langhantel gegriffen werden. Generell gilt bundesweit seit Anfang Dezember aber mindestens 2G in Fitnessstudios. So weit kommt es allem Anschein nach bei Supermärkten, die als „Grundversorger“ klassifiziert werden, nicht.

Denn der Zugang zu Konsumgütern des täglichen Lebens darf nach Auffassung von Betreibern großer Supermarktketten wie Aldi, Edeka oder Lidl niemandem verwehrt werden. Neben Supermärkten würde dies aber auch für Apotheken oder Drogerien, Kioske und Tankstellen gelten. Die Supermärkte würden in einem 2G*-Szenario gar zu hohe Kundenverluste und damit verbundene Umsatzeinbußen befürchten.

2G plus in Niedersachsen lässt Buchungen von Übernachtungen zurückgehen – Weihnachtsmärkte arg gebeutelt

Der finanzielle Aspekt spielt bei dieser möglichen Corona-Regel in Supermärkten also auch eine Rolle. Ein Experte kann dies nicht verstehen und verweist darauf, dass sich Ungeimpfte bei 2G bei Aldi, Lidl oder Edeka auch online* mit erforderlichen Gütern eindecken könnten. Er sorgt sich sehr um Krebskranke, denen nicht noch mehr zugemutet werden sollte. Letztendlich wird auf Solidarität hingewiesen, die im Rahmen der Corona-Pandemie wahrlich nicht immer als Tugend der Bundesbürger auszumachen ist.

Über die oft beschworene Solidarität, wie sie vor allem von politischer Ebene propagiert wird, haben sich auch schon Gastronomen und Schausteller geäußert. Durch die Einführung der 2G-plus-Regel in Niedersachsen, die beispielsweise Übernachtungen tangiert, sei teilweise schon ein großer Rückgang der Buchungen spürbar gewesen*.

Doch immerhin finden sich in diesem Gewerbe noch genug Menschen, die entsprechende Angebote wahrnehmen. Viele Weihnachtsmärkte in Niedersachsen können dies über ihr Angebot nicht sagen. Spätestens durch die Einführung der 2G-plus-Regel auf diesen Märkten war und ist die Finanzierbarkeit nicht mehr gewährleistet. Im Grunde verhält es sich wie mit den Friseuren: Spontane Besuche werden durch den zwingend notwendigen, negativen Corona-Test ad absurdum geführt.

Solidarität in der Corona-Pandemie: Oft beschworen, doch am Ende auch in der Realitität wiederzufinden?

Einschnitte, die in erster Linie die Betreiber empfindlich treffen. Als Konsequenz der schwindenden Kundschaft werden Weihnachtsmärkte in Niedersachsen reihenweise abgesagt, ehe sie überhaupt veranstaltet wurden – oder nur wenige Wochen Bestand hatten. Daran wird sich 2021 nichts mehr ändern.

Und die Friseure? Können zumindest wieder auf ein größeres Publikum hoffen, dass sich nicht mehr an die komplette Strenge der 2G-plus-Regel halten muss. Zumindest so lange, bis die Corona-Verordnung in Niedersachsen* erneut angepasst wird. Auch Ministerpräsident die Weihnachtsruhe inklusive Warnstufe 3* bereits ausgerufen hat und vor Weihnachten noch neue Corona-Regeln in Schulen und Kitas* umgesetzt werden.

Entscheidenden Einfluss darauf hat erneut das Infektionsgeschehen*, was vor allem die Besitzer von Läden und Geschäften in Innenstädten ganz besonders beobachten werden. Immerhin ist derzeit auch noch völlig unklar, wie eine Kontrolle von 2G im Einzelhandel in Niedersachsen* vonstatten gehen soll.

Die Entwicklung der Corona-Zahlen wiederum hängt mit einem der Schlagbegriffe der Pandemie zusammen: Solidarität. Ein Begriff, der am Ende des Tages nicht nur ein Fremdwort aus dem Duden bleiben sollte, damit sich nachhaltig etwas ändert. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © James Ross/Fabian Sommer/dpa

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