1.100 Soldaten nach Afghanistan verabschiedet

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Soldaten und Soldatinnen der Oldenburgischen Luftlandebrigade 31 nehmen zur feierlichen Verabschiedung für ihren Einsatz in Afghanistan an einem feierlichen Apell in der Fallschirmjäger-Kaserne in Seedorf (Kreis Rotenburg-Wümme) teil.

Seedorf - Mit einem feierlichen Appell sind heute in Seedorf (Kreis Rotenburg) 1100 Soldaten nach Afghanistan verabschiedet worden. Die ersten 400 Männer und Frauen sollen im März ihre Heimatkaserne verlassen. Ihr Einsatz in den Gebieten um Kundus und Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans soll etwa vier Monate dauern, dann werden sie von Kameraden abgelöst.

„Wir alle wissen um die schwierige Sicherheitslage in Afghanistan“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey (CDU), bei der offiziellen Verabschiedung. „Die Verbesserung der Sicherheitslage kommt nur schleppend voran - und hat sich in einigen Regionen sogar verschlechtert.“ Deshalb sei der Einsatz für den Wiederaufbau unerlässlich. „Niemandem wäre damit geholfen, wenn wir das Land überstürzt verließen."

Die Bundesregierung setzt vielmehr auf das Gegenteil: Einem Kabinettsbeschluss zufolge will sie das deutsche Kontingent in der internationalen Schutztruppe ISAFvon derzeit 4500 auf bis zu 5350 Soldaten aufstocken. Im Bundestag zeichnet sich eine Mehrheit für die neue Afghanistan-Strategie der schwarz-gelben Koalition ab, die mehr Präsenz in der Fläche zeigen will - und damit wahrscheinlich noch mehr Auseinandersetzungen mit den Taliban nach sich ziehen wird.

Knapp ein Jahr haben sich die Fallschirmjäger, Aufklärer und Pioniere der Luftlandebrigade 31 auf den nun bevorstehenden Afghanistan-Einsatz vorbereitet. Die Männer und Frauen sind speziell für den Kampf gegen „irreguläre Kräfte“ - also Terroristen, Guerilla und Partisanen - ausgebildet.

Die rund 300 Angehörigen, die zum Appell kamen, sehen den Einsatz mit gemischten Gefühlen. „Ich werde mir bestimmt Sorgen machen“, sagte Walery Rogow, dessen 25 Jahre alter Bruder im März nach Afghanistan gehen wird. „Ich finde es aber gut, dass er fährt.“ Auch Britta Frischkorn wird in der Zeit viel an ihren 23-jährigen Sohn denken. „Ich werde nicht so viel Nachrichten gucken und hoffen, dass er gesund wiederkommt - bei den ganzen Unruhen."

Erst am Mittwoch hatten Aufständische in der Nähe von Kundus einen Aufklärungstrupp der Bundeswehr angegriffen. Nach offiziellen Angaben wurden mehrere Angreifer getötet und drei Soldaten verletzt. Bei einem NATO-Luftangriff im Norden wurden am Donnerstag versehentlich sieben afghanische Polizisten getötet, aller Wahrscheinlichkeit nach waren aber nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr keine deutschen Kräfte beteiligt.

Im vergangenen Jahr hatten die Deutschen die Feindseligkeit der Aufständischen bereits deutlich zu spüren bekommen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums gab es 77 Anschläge auf die Bundeswehr und damit fast doppelt so viele wie 2008. Fünf Soldaten starben.

dpa

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