Zweifel an der Kritik

Margit Wulff aus Suderburg schreibt zum Leserbrief von Rainer Pehlke aus Süttorf „Journalistische Vorzensur“ (AZ, 2. September), der sich auf die Wochenend-Kolumne von AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff „Die stillen Helden dieser Zeit“ (AZ, 29. August) bezog:.

Diesen Leserbrief schreibe ich mit zwiespältigen Gefühlen. Einerseits muss man Herrn Pehlke Recht geben, wenn er Herrn Mitzlaff „journalistische Vorzensur“ vorwirft, weil die AZ-Redaktion sich geweigert hat, einen „Brandbrief“ der Bad Bodenteicher CDU an den Landkreis Uelzen in Sachen der (angeblich) vorrangigen Betreuung von Flüchtlingskindern in den Kitas zu veröffentlichen. Das mit der Zensur ist kein Ausnahmefall: Wer sich dezidiert gesellschaftskritisch äußert, das heißt, wer nicht nur an der Oberfläche kratzt, ist schnell unten durch. Wird wegzensiert. Entweder in toto oder partiell.

Man muss kein humanistisches Gymnasium oder ähnliches besucht haben, um das alte lateinische Sprichwort „Audiatur et altera pars“ („Auch die andere Partei soll gehört werden“) als journalistische Richtschnur anzuerkennen, auch wenn, eigentlich ganz selbstverständlich, nicht jeder geistige Müll abgedruckt gehört, womit ich – damit ich hier nicht missverstanden werde – nicht sagen will, dass jener CDU-Brief dazu gehört. Allerdings habe ich andererseits Zweifel daran, dass Herr Pehlke seine an Herrn Mitzlaff geübte Kritik als journalistisches Handlungsprinzip generalisiert.

Dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind (GG Art. 3, 1), interessiert offenbar weder die Bodenteicher CDU noch Herrn Pehlke. Auch ist nicht überliefert, dass sie deutsche mörderische Waffenexporte in viele Länder der Welt in Diktaturen und Krisengebiete, die eine wesentliche Ursache für (Bürger-)Kriege sind, ablehnen und auch nicht unsere schamlose Ausbeutung der Ressourcen jener Länder und deren Menschen, aus denen als Folge sodann Menschen vor Kriegen und sozialer Verelendung nach Europa fliehen, weil sie sich ein Leben ohne Ausbeutung, ohne Verelendung und ohne Kriege erhoffen.

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