Zusammenhang nicht erkennbar

Leserbriefe zu „Eine Frage des Vertrauens“ von Ines Bräutigam , Kolumne „Von Woche zu Woche“.

Der Bau der A 39 ist „eine Frage des Vertrauens“? Nein, der Bau einer Autobahn ist eine Frage der Vernunft, vor allem eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft. Wie aber sieht es mit der im Fall der A 39 aus? Miserabel: Ihre 105 Kilometer sollen bereits jetzt, Jahre bevor der erste Spatenstich erfolgen könnte, 1,1 Milliarden Euro kosten; sie hat ganz offiziell, also von Seiten ihrer Planer, das ungewöhnlich niedrige Kosten-Nutzen-Verhältnis (NKV) von 1,9 – damit steht sie ganz unten in der Wirtschaftlichkeitstabelle der im Bundesverkehrswegeplan gelisteten Neubauprojekte.

Wie sieht es mit ihren sonstigen Behauptungen aus? Nun, in etwa so wie mit der Wirtschaftlichkeit dieser Autobahn: Ihre Aussage, dass mit der Planfeststellung des nördlichsten und des südlichsten Bauabschnitts „der Bund das für den Bau dieser Teilstücke benötigte Geld zur Verfügung stellen“ wird, ist falsch. Im bis 2015 gültigen BVWP ist lediglich Geld für einen Bauabschnitt in Aussicht gestellt worden. Auch Ihre Behauptung, dass, gesetzt den Fall, die A 39 würde nicht gebaut, „viel Geld für zwei zusammenhanglose Autobahn-Zipfel verpulvert worden wäre“, ist, mit Verlaub, Unsinn. Die A 39 zwischen Hamburg und Lüneburg heißt erst seit Sommer 2010 „A 39“ – bis dahin hieß sie A 250 und war eine Strecke, die lediglich Lüneburg mit Hamburg verbinden sollte. Sie wurde erst durch ihre Umbenennung in der Propaganda der Autobahnlobby zum „Zipfel“. Schließlich schreiben Sie, dass „für viele Unternehmer die Aussicht auf eine A 39 maßgeblich eine Entscheidung dafür (ist), dem Standort Uelzen treu zu bleiben“. „Viele Unternehmer“ haben Ihre Standortentscheidung über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren getroffen? Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie wenigstens fünf von den vielen nennen würden, die bereits heute erklären, dass sie, im Falle die A 39 wird nicht gebaut, Uelzen verlassen werden. Das ist ein Humbug, dass ich es mit einem Hinweis auf den tatsächlichen Rückhalt der A-39-Propagandisten in der Wirtschaft der Region belassen möchte.

Wolfgang Schneider,

Bienenbüttel

Mit Ines Bräutigams Argument von der (angeblichen) Verpulverisierung von Steuergeldern, bewegt sie sich auf der gleichen irrationalen Ebene wie die Gorleben-Endlager-Befürworter. Bekanntlich wird auch von denen so argumentiert, Gorleben als atomares Endlager könne und dürfe man schon deshalb nicht ausschließen, weil dort bereits über eine Milliarde Euro verbaut wurden. Dass das – leider – geschehen ist, haben allerdings nicht die Gorleben-Widerständler zu verantworten, sondern insbesondere die politisch Verantwortlichen aus CDU, SPD und FDP.

Dann wird noch behauptet, die Aussicht auf eine A 39 sei für viele Unternehmer eine maßgebliche Entscheidung dafür, dem Standort Uelzen nicht den Rücken zu kehren. Nennen Sie den Lesern doch bitte mal wenigstens eine einzige bedeutende Firma, die nachprüfbar mit dem Gedanken ernsthaft aus infrastrukturellen, ökonomischen und Wettbewerbsgründen damit reflektiert, den Standort Uelzen aufzugeben, wenn die A 39 nicht gebaut wird. Und, wie passt das zusammen, wenn Frau Bräutigam versichert, auswärtige Firmen zeigten reges Niederlassungsinteresse. Wo steht, verifizierbar, geschrieben, dass das Niederlassungsinteresse nur dann existiert, sofern die A 39 „eines Tages“ gebaut wird? Zum Schluss: Auch dieses Jahr bekennt Otto Lukat in einem Anflug von Aufrichtigkeit wieder, „Schienen- und Straßennetze bieten günstige Verkehrsanbindungen in die nahe liegenden Metropolen Hamburg, Berlin, Bremen und Hannover“. Nachzulesen ist das in der PR-Publikation „Uelzen informativ 2013“ auf Seite 10. Sie, Frau Bräutigam, wollen in Sachen bereits vorhandene Verkehrsanbindungen doch nicht etwa Uelzens Bürgermeister der Janusköpfigkeit bezichtigen?

Bernd Geburtig,

Hamburg

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