Zaun bringt Ängste

Ist ein Demenzdorf mit einem Zaun der richtige Weg? Josepha Franziska Konsek bezweifelt das. Sie fragt: „Wollen wir wirklich alle Kranken und andere, die uns lästig geworden sind, aus unserem Leben verbannen und sie wegschließen?“ Foto: dpa

Leserbrief zu den Artikeln „Ein Dorf für Demente“, AZ vom 22. Dezember, und „Einbeziehen statt einzäunen“, AZ vom 24. Dezember:.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass, wer ein solches Projekt begrüßt, den Geschichtsunterricht versäumt hat. In einem durchlässigen aber eingezäunten Demenzdorf würde der Kranke zusätzlich zu seinen Ängsten so isoliert sein, dass er in seiner Verwirrung mehr Schaden als Nutzen nähme.

Stellen wir uns einmal vor: Wir sind dement und in einer Phase angekommen, in der uns noch ein wenig unserer Denkfähigkeit geblieben ist.

Wir nehmen uns vor, einen Verwandten zu besuchen, packen unser Köfferchen und stoßen an einen Zaun, der eine unüberwindbare Hürde darstellt. Wir krallen unsere Hände in den Maschendraht und rufen in unserer Verzweiflung den vorbei gehenden Passanten um Hilfe, der nicht reagiert, dessen Hund jedoch gerade am Zaun sein Bein hebt.

Und, was machen wir mit denen, die nicht mehr durch das Gelände irren können? Für diese Menschen haben wir doch auch kein zusätzliches Personal. Fixieren wir sie dann?

Wollen wir wirklich alle Kranken und andere, die uns lästig geworden sind, aus unserem Leben verbannen und sie wegschließen?

Empfinden wir diese Menschen als Gefahr für unser Leben? Oder empfinden wir ihr Dasein nur als zu teuer und lästig? Soll niemand mehr alt werden dürfen? Muss Krankheit bestraft werden? Begriffe wie: Entsorgung und Recycling wurden schon 1973 in dem Science Fiction Film „Soylent Green“ behandelt!

Ist die Würde des Menschen wirklich unantastbar, wie es im Grundgesetz steht?

Ich stelle mir diese Frage, und sie macht mir Angst. Wie wird sich diese immer weiter von der Demokratie entfernende Republik entwickeln?

Josepha Franziska Konsek,

Eddelstorf

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