AZ-Leserbrief

„Zahl ist absolut verpflichtend“

55,8 Prozent der Eltern im Landkreis Uelzen würden ihr Kind an einer IGS anmelden. AZ-Leserin Elke Scherwinsky hält diese Zahl für „absolut verpflichtend“. Der Wunsch von 933 Erziehungsberechtigten könne nicht ignoriert werden.
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55,8 Prozent der Eltern im Landkreis Uelzen würden ihr Kind an einer IGS anmelden. AZ-Leserin Elke Scherwinsky hält diese Zahl für „absolut verpflichtend“. Der Wunsch von 933 Erziehungsberechtigten könne nicht ignoriert werden.

Zur Debatte im Kreistag um die Integrierte Gesamtschule (IGS) im Landkreis Uelzen erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

So, jetzt steht es 22 zu 20, wenn die Fraktionsdisziplin (gemeinhin als Fraktionszwang bekannt) im Kreistag greifen soll. Muss das wirklich so sein? 20 Personen im Kreistag sind für die integrierte Schulform. Welcher Argumente bedarf es, möglichst viele dieser 22 Personen, die sich gegen eine Integrierte Gesamtschule (IGS) aussprechen, doch von dieser Schulform zu überzeugen?

Ich gehe jetzt davon aus, dass sich 22 Personen für eine Realschule aussprechen und 22 für eine Hauptschule (die ungern öffentlich mitgedacht wird, denn welches Kind möchte schon in der Hauptschule abgeschult – ein ganz schreckliches Wort für alle Betroffenen – werden).

Ja, es ist so, dass nicht alle Kinder, die an einem Gymnasium oder einer Realschule nach der Grundschule beginnen, den Herausforderungen dieser Schulen gleich gewachsen sind. Wer als Erwachsener selbst in diesen Strudel in unserem viergliedrigen Schulsystem (es wird gern vergessen, dass Förderschulen nicht grundsätzlich abgeschafft sind) geraten ist, kann da gut mitreden, was dieses „Abschulen“ mit ihr oder ihm gemacht hat.

In einer Gemeinschaftsschule, die in Niedersachsen IGS genannt wird, würde das nicht passieren. Hier können alle Kinder gemeinsam lernen, sich gegenseitig unterstützen, von Lehrkräften individuell geleitet werden. Die Kinder verlieren in der Schulzeit nicht ihre Klasse, ihre Bezugsgruppe, die so extrem wichtig für eine zuversichtliche Entwicklung ist. Und dann können alle nach einigen Jahren ihren individuellen Abschluss machen. Und diese Schulabschlüsse sind absolut identisch mit denen im dreigliedrigen Schulsystem, da Schulabschlüsse seit vielen Jahren genauestens vorgegeben werden vom Kultusministerium.

Ist die Arbeit in unseren Grundschulen, die Schulen für alle Kinder sind, nicht gut? Ich weiß, dass die hochdifferenzierte und sehr engagierte Arbeit in dieser Gemeinschaftsschule sehr gut ist. Warum soll diese Arbeit nicht fortgesetzt werden?

Aus den Ergebnissen des Fragebogens für die Erziehungsberechtigten zum zukünftigen Schulangebot im Kreis Uelzen ist folgende Informationen zu lesen: „Ich würde mein Kind an einer IGS anmelden: 55,8 %“. Sollen diese 55,8 %, also 933 Erziehungsberechtigte, einfach ignoriert werden? Geht das in einer Demokratie? Zeigt diese große Zahl nicht absolut verpflichtend an, dass das Angebot für die Anwahl einer IGS gegeben werden muss?

Seit 2006 werden Schulpreise bundesweit vergeben. 15 Mal also. Und davon sind es bisher zehn Gemeinschaftsschulen, die den Hauptpreis erhalten haben. Spricht nicht auch diese Zahl eindeutig dafür, eine IGS für den Kreis Uelzen als Angebot an unsere Kinder einzurichten?

Elke Scherwinsky, Bad Bevensen

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Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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