Leserbrief

Wollen die Bürger einen See?

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So oder ähnlich könnte nach Vorstellungen der Planer ein Ilmenausee am Uelzener Herzogenplatz aussehen, links das Rathaus.

Das Projekt Ilmenausee wird unter AZ-Lesern weiter kontrovers diskutiert. So erwidert Matthias Heuer aus Uelzen zum Leserbrief von Julian-Daniel Albrecht (AZ v. 2. Februar):

„Denken Sie an die jungen Uelzener“ schreibt Julian-Daniel Albrecht aus Uelzen in seinem Leserbrief – da muss ich mich mit über 50 Jahren ja eigentlich nicht weiter angesprochen fühlen? Aber es geht um die vermeintlich letzte Chance dafür, „Uelzen vor dem Untergang in absolute Bedeutungslosigkeit zu retten“. Da dürfen auch die älteren Semester nicht einfach schweigen.

Uelzen ist einmal tatsächlich wegen fanatischer Nazis untergegangen. Ganz so dramatisch ist die Lage heute nicht, auch wenn man sich vor herabfallenden Gegenständen in Acht nehmen sollte. Das eigentliche Problem wurde im Kommentar von Herrn Mitzlaff vergangenen Sonnabend treffend beschrieben: Gutachten einholen statt Farbe bekennen. Wer aus dem Stadtrat tritt denn entschlossen für oder gegen das „Projekt Ilmenausee“ ein – ganz unabhängig von der ggf. vorab zu klärenden Machbarkeit?

Vielleicht könnte man sich die ganzen Gutachten ja auch sparen, wenn nicht nur die Ratsmitglieder „Farbe bekennen“, sondern auch mehr Bürger ihre Meinung dafür oder dagegen artikulieren würden. Gibt es überhaupt eine Mehrheit in Uelzen für einen „Ilmenausee“? Oder reicht den meisten womöglich der Ratsteich?

Volkes Stimme ist jedenfalls nicht besonders laut in dieser Frage oder bin ich da bereits altersschwerhörig? Es könnte ja auch sein, dass es in Uelzen wichtigere Projekte gäbe, um die Stadt auch für jüngere Familien attraktiver zu machen. Das Wasserspiel in der Bahnhofstraße ist da ein interessanter Anhaltspunkt: Große Diskussion vorweg, dann verkleinert verwirklicht, ist es jetzt eine Verschönerung der Bahnhofstraße. Aber das Angebot in der Innenstadt wird nicht dadurch attraktiver, sondern durch Cafés und Geschäfte mit gutem Angebot und freundlich-kompetenter Bedienung.

Zuletzt noch eine geografische Anmerkung: Vor langer Zeit lernte ich in der Grundschule, dass die Ilmenau aus dem Zusammenfluss von Stederau und Gerdau entsteht. Jetzt lese ich mit Staunen von einer Ilmenauquelle in Veerßen. Daraus ließe sich etwas machen...

Zum selben Thema äußert sich Heike Witt aus Uelzen:

Es ist zwar schön und gut, dass ein „Ilmenau-See“ in der Innenstadt ein Magnet für Touristen sein soll, aber wie wäre es, wenn die Ratsmitglieder und der Bürgermeister mal genau hinschauen würden? Der Ratsteich lädt auch nicht gerade dazu ein, sich hinzusetzen, die Ilmenauanlagen – leider nicht nutzbar, weil das Gras im Sommer zum Teil so hoch ist, dass sich dort ein Elefant verstecken könnte.

Uelzen hat unbestritten seine schönen Seiten, zum Beispiel den Oldenstädter See. Der ist bereits vorhanden, kostet nicht viel und man kann sich dort gut erholen; vorausgesetzt, es würde dort genügend Bänke geben, denn nicht jeder Besucher ist jung genug, um auf dem Hosenboden zu sitzen. Aber nein, es muss ja was kosten.

Es gab in grauer Vorzeit mal in Uelzen am Schützenplatz eine kleine, aber feine Minigolfanlage, diese wurde ersatzlos abgebaut. Wir haben hier leider kaum Angebote, egal in welcher Form, die touristisch wertvoll wären. Wir haben den Hundertwasserbahnhof, das Wasserspiel in der Fußgängerzone und das jährliche Open Air Festival, bei dem Weltstars auftreten – aber das war’s. Und ein „Innenstadtsee“ soll Touristen anlocken? Da sind Zweifel angebracht!

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