Wolfs-Widersprüche...

Die Berichterstattung über Wölfe beschäftigt AZ-Leser Rüdiger Wnuck.
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Die Berichterstattung über Wölfe beschäftigt AZ-Leser Rüdiger Wnuck.

Zum Beitrag „SPD fordert Wolfsberatung“ (AZ vom 22. Mai) schreibt Rüdiger Wnuck aus Ebstorf:

Dem Fraktionschef der Uelzener Kreistags-SPD ist zu danken für seine Äußerungen und Vorstellungen zum Thema Wolf. Unverblümt spricht er aus, wie die hiesige Landbevölkerung die Rückkehr der Wölfe in unsere Region empfindet: Basta, der Wolf ist da. Ihr habt damit zu leben und zwar so wie wir Rot-Grüne es wollen.

Viele Menschen in unserer Region haben mit ihrer Meinung zu diesem Thema lange hinter dem Berg gehalten. Geschwiegen auch deshalb, weil Abweichler von offizieller Wolfs-Lehrmeinung postwendend das Gütesiegel märchengläubiger Unwissender aufgedrückt bekamen, stigmatisiert und sprachlos gemacht wurden.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Angststarre „Wolfsbetroffener“ schwindet. Sie haben genug von der verordneten Willensbildung zu diesem Thema. Fangen an – wenn auch manchmal erst nach langem Zögern – über ihre Erlebnisse und Gefühle bei der Begegnung mit Wölfen zu reden. Offen und ungeschminkt.

Wenn eine derartige Berichterstattung der AZ dann von einem Lokalpolitiker mit öffentlichem Mandat als polarisierend kritisiert wird, ist das ein wenig überzeugender Nachweis für sein Wissen über die grundgesetzlich verankerte Pressefreiheit in unserer Demokratie.

Darüber hinaus noch zu rügen „(...) leider entspricht die aktuell feststellbare Berichterstattung in den Medien nicht der angezeigten neutralen Information, die aber zur Aufklärung der Bevölkerung dringend notwendig wäre“, gleicht dem erhobenen Zeigefinger eines Oberlehrers.

Diese von Herrn Dobslaw entdeckte Informationslücke ist nur eine scheinbare. Wie kein anderes Thema hat der Wolf die Landbevölkerung in den letzten Jahren zu intensivstem Selbststudium „aufgeregt“, wobei besonders die amtliche Wolfsberichterstattung mit ihren Quellen unter die Lupe genommen wurde. Was (leider) zu Tage kam, waren teils krasse Widersprüchlichkeiten.

Im wirklichen Leben hilft Schönfärberei bekanntlich nicht weiter. Der Presse bei ungetünchten Wolfsberichten vorzuhalten, deshalb „mache sich Unsicherheit breit“, zeugt von politischer Arroganz und dem Menschenbild eines Politikers, das die intellektuellen Fähigkeiten der Uelzener Landbevölkerung zur Bildung ihrer persönlichen Wolfsmeinung in Zweifel zieht.

„Wie viel Wolf vertragen die Menschen?“ Allein die Antwort auf diese Frage wird darüber entscheiden, ob eine Wiedereingliederung dieses faszinierenden Raubtieres in das Leben der Menschen auf dem Lande gelingt. Der Politik bleibt nicht mehr viel Zeit dafür.

Zum Bericht „Plötzlich wieder Türke“ (AZ. v. 23. Mai) mach sich Hans Kramer aus Altenmedingen Gedanken.

Der Fall des deutschen Justizbeamten mit türkischen Wurzeln veranlasst mich zu mehreren Fragen:

Kann es überhaupt rechtens sein, diese Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft damit zu begründen, dass der junge Mann nicht beweisen kann, dass er keine Wiedereinbürgerung in die Türkei veranlasst hat? Kann man überhaupt etwas beweisen, das es nicht gibt?

Weil das nämlich unmöglich ist, müsste also die Ausländerbehörde beweisen, dass es diesen Wiedereinbürgerungsantrag von Oguz K. in die Türkei doch gibt. Wenn sie das nicht kann, müsste Oguz K. seine deutsche Staatsbürgerschaft zurückbekommen.

Sollte aber die von der Ausländerbehörde vorgenommene Beweislastumkehr rechtens sein, kann Oguz K. nie zu seinem Recht kommen! Denn den von der Ausländerbehörde verlangten Beweis, keinen Wiedereinbürgerungsantrag gestellt zu haben, kann er natürlich gar nicht erbringen, weil es den ja nicht gibt.

An solchen Fällen zeigt sich eine grundsätzliche Frage: Sind Gesetze für den Menschen da oder ist der Mensch für die Gesetze da?

Könnten die Behörden nicht ganz grundsätzlich angewiesen werden, ähnlich wie bei Gerichtsentscheidungen im Zweifel für den Menschen zu entscheiden?

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