Leserbrief

Der Wolf als Sündenbock

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Der Wolf dient laut Leser Heiko Drawe als Sündenbock, um eigentliche Probleme der Landwirtschaft zu überdecken. 

Zum Umgang mit dem Wolf und der Forderung nach dem Abschuss des Raubtieres schreibt Heiko Drawe aus Bardowick:

„Wölfe ins Jagdrecht“, „Wolfsbestand begrenzen“ oder plump „Wölfe abschießen“ hört man aktuell aus dem Munde vieler Politiker, die acht Monate vor der Bundestags- und ein Jahr vor der Landtagswahl beim Thema Wolf Morgenluft wittern. Lässt sich doch mit Angst und Emotionen gut auf Stimmenfang gehen.

Kindergartenplätze, Integrationsangebote für Flüchtlinge, Infrastruktur, Landärzte, nitratverseuchtes Grundwasser, Fracking, sinkende Milchpreise uvm. Es gäbe viele Themen für die Politik, aber sie alle kosten Geld und eine Patrone, um einen Wolf abzuschießen, kostet nur ein paar Euro. Mehr Sicherheit bringt das sicher nicht, denn auch in Russland, wo Wölfe rund ums Jahr schonungslos bejagt werden, streifen sie nachts um die Dörfer und auch dem Nutztierhalter bringt die Bejagung wenig, denn ein einzelner Wanderwolf kann bei ungeschützten Schafen großen Schaden anrichten und die meisten Nutztierrisse gehen auf das Konto von Wölfen, die frisch in ein Gebiet eingewandert sind.

Egal, ob CDU Politiker auf dem Lande, Bundeslandwirtschaftsminister in Berlin oder Landtagsabgeordnete in Lüneburg, alle fordern vorsorglich den Abschuss. Dabei können Wölfe, die eine Gefahr bedeuten, schon jetzt entnommen werden. Es sitzen fachkundige Biologen im Wolfsbüro und im Beratungszentrum des Bundes. Kann man nicht diesen Fachleuten das komplexe Thema überlassen? Muss man als Politiker wirklich versuchen, Kapital aus der Unsicherheit einiger Bürger zu schlagen und in AfD-Manier gegen Regierung und Fachbehörden wettern?

Aus Nutztierrissen wird eine Gefahr für Kinder gemacht und obwohl Preisdumping und fehlende Förderung dem Schäfer und Landwirt das Leben schwer machen, muss nun der Wolf als Übeltäter herhalten. Aber natürlich ist es als Politiker leichter, den Wolf vorzuschieben, als sich mit den Großbetrieben und Konzernen anzulegen. Eine Patrone kostet ja kaum drei Euro.

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