Der Wolf ist auch nur ein Tier

Zur Berichterstattung zu Wolfsrissen und -begegnungen sowie zu Leserbriefen zum Thema schreibt Emilia Sulowski aus Wriedel:.

In letzter Zeit waren sehr viele Berichte zu dem Wolf in der AZ. Ich möchte hiermit einen etwas anderen Blickwinkel in die Diskussion um den Wolf miteinbringen. Durch die Expansion des Menschen wurde die Artenvielfalt allein in Deutschland bereits seit 1970 um 30 Prozent verringert. Davon sind 5,6 Prozent der ehemals 32 000 Tier- und Pflanzenarten ausgestorben, was etwa 1 800 Arten bedeutet. Nun hat die Politik gefordert, diesem deutschen Artensterben entgegenzuwirken, indem sie eine heutzutage äußerst in die Kritik gekommene Spezies neu ansiedelt: den Wolf.

Laut vielen Jägern, besorgten Elternteilen und einsamen Joggern hat der Wolf nur ein Ziel und zwar den Menschen bei jeder einzelnen Begegnung umzubringen und sein Nutzvieh zu zerfleischen. Das Vieh, welches eingezäunt auf einer beengten Fläche gehalten wird, ist für einen frei lebenden Wolf die einfachste Art und Weise jagen zu gehen. Würden wir nicht auch lieber die ordentlich in den Regalen eines Supermarktes gestapelten Waren kaufen als uns Tag für Tag unser Essen selber erjagen? Die Bilder, die in den Zeitungen von zerfleischten Tieren zu sehen sind, erregen Mitleid mit den Opfern und schüren den Hass, den einige gegenüber dem Wolf hegen. Doch wie schrecklich sind die Bilder von ordentlich aufgereihten erschossenen Wildtieren infolge einer Treibjagd? Ebenso beschweren sich Jäger, dass der Wolf den Rehbestand dezimiert und sie so nicht länger die gleichen Zahlen von Wild schießen können. Meiner Meinung nach sollten die Jäger dies doch als Entlastung sehen und nicht als persönliche Beleidigung und Infragestellung ihrer Vormachtstellung im Wald.

Der Mensch muss bedenken, dass er schon weit mehr Blut an den Händen hat als der Wolf. Und wenn nun einige sagen, man solle nicht alle Menschen über einen Kamm scheren, dann fordere ich, dass die gesamte Spezies Wolf ebenfalls nicht über einen Kamm geschoren wird.

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