„Wir verlieren Stück um Stück das lebendige Leben“

Zum Artikel „Internet und Computer“, AZ vom 8. Juni, erreichte die Redaktion dieser Leserbrief:

Wo sind wir gelandet? Die wachsende Flut an technischen Geräten, an PCs, Smartphones, Spielen am Bildschirm usw. in allen Bereichen drängt für manchen Zeitgenossen die Frage auf: Wer und was bestimmt eigentlich unser Leben? Sind wir es selbst noch oder tanzen uns diese vermeintlichen Errungenschaften längst auf dem Kopf herum?

Wir sind dabei, via Alexa und ähnlichen Dingen uns selbst Abhöranlagen zuhause zu verpassen und die früheren Warnungen vor solchen Entwicklungen in den Wind zu schießen. George Orwell und sein Roman „1984“ lassen grüßen. Wir sind dabei, jetzt, da unsere geistige Kultur verödet danieder liegt, uns anderen Göttern zuzuwenden, denen wir immer mehr unser Leben widmen und hingeben. Wir sehen unsere Kinder vereinnahmt durch virtuelle Welten, denen sie sich immer weniger entziehen können, da ja auch die Eltern diesen erliegen. Alle paar Minuten das Handy aus der Tasche ziehen, das zeigt zur Genüge, wo wir gelandet sind.

Technik, als Werkzeug: So war es gedacht – lang ist es her. Aber inzwischen ist längst der Bock zum Gärtner geworden. Apple-Chef Cook steht wie andächtig im Gebet vor der Leinwand, die das neue Mac Pro präsentiert, wie ein Priester einer neuen Religion. Wir verlieren Stück für Stück das lebendige Leben aus den Augen, auch unsere Nächsten. Draußen singt die Amsel vor dem Fenster, so wie seit Tausenden von Jahren. Hört ihr noch jemand wirklich zu? Die Menschheit bastelt munter an ihrem selbst geschaffenen Albtraum voller Ängste, den all diese Geräte nicht aufhalten, sondern weiterhin beschleunigen werden. Was machen wir eigentlich hier auf der Erde? Fragen Sie dies mal ihre Alexa.

Gerhard Kreuzer

Hitzacker

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