In Wespennest gestochen

Leserbrief zu den Artikeln „Flugplatz: Erste Sanierung im Sommer“, AZ vom 17. Mai, und „Flächenankauf für Flugplatz“, AZ vom 27. Mai:.

Sogar der Vorsitzende des Vereins „Cumulus“, Jan-Olaf Albrecht, merkt an, dass es angesichts der Haushaltslagen und der Entschuldungsvorhaben mit dem Land sowie knapper Budgets im Schulbereich „schwer vermittelbar sei, wenn Zuwendungen an einen Flugplatz gehen“.

Bereits Silvester 1982 warf der damalige Vorsitzende des Sportausschusses beim Landkreis Uelzen, Rudi Schrödter, in einem Leserbrief in der AZ folgende Fragen auf: Erstens: Sind die aufzuwenden Mittel zwingend notwendig, um den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten? Zweitens: Werden dem Flugsportverein gegenüber anderen Vereinen überproportional hohe Subventionen gewährt? Drittens: Ist die wirtschaftliche Nutzung als regionaler Flugplatz so groß, dass sich das Engagement als notwendig erweist? Damals argumentierte Schrödter mit Zahlen, die zu 99 Prozent von einer privaten Nutzung ausgingen. Hat sich 2013 ein wesentlich anderes Verhältnis ergeben? Viertens: Was ist mit den Mieteinnahmen für Stellplätze der Flieger in den Hallen? Sie gingen laut Schrödter 1982 an den Verein. Wenn das noch immer so ist, warum kann nicht davon die Instandsetzung der Dächer bezahlt werden? Im aktuellen Politikgeschäft nennt man so etwas Umwegfinanzierung. Ist die noch gerechtfertigt und vor allem folgt sie einem klaren politischen Konsens und sauberer Haushaltspolitik? Fünftens: Jetzt sind wir aber im Jahr 2013. Sicherlich würde Schrödter so weiterfragen: Ein neuer Aspekt ist die Situation, dass der Flugplatz in Lüneburg inzwischen als Baugebiet ausgesehen wird und damit aufgehoben ist. Somit stellt Barnsen doch ein ortsnahes Ausweichflugfeld dar. Wie viele Mitglieder und Nutzer der Anlage kommen überhaupt noch aus dem Kreis Uelzen? Zu welchem Anteil werden also Steuermittel für Nutzer aus anderen Kreisen allein von Menschen aus dem Kreis Uelzen aufzubringen sein? Flieger gehören sicherlich zu der Bevölkerungsgruppe, die man ohne Neid als besser Betuchte ansehen kann. Wo stehen eigentlich die Parteien, die als Entscheider der Eigentümer die Geschicke des Flugplatzes bestimmen? Sind sie über ihre Mehrheitsfraktionen zu einer reinen Klientelpartei wie die FDP verkommen? Sechstens: Hat vielleicht jemand von den Barnsern Einblick in das „Regionale Raumordnungsprogramm“ (RRP) genommen, um nachzuschauen, welches Ausbaupotenzial die kommunalen Fürsten für den Flugplatz vorgesehen haben und welche Belastungen damit auf euch zukommen? Siebtens: Der Artikel vom 27. Mai zeigt trotz aller Beschwichtigungsversuche, dass offensichtlich ein Wespennest angestochen wurde. Nach jahrzehntelanger Nutzung und Diskussion nun erst eilig einen Bebauungsplan zu erstellen, damit alles rechtmäßig zugeht, ist ja wohl auch nur schwer verständlich. Oder? So viele Fragen und keine Antworten. Also macht Euch auf den Weg!

Fritz Kaune,

Bohlsen

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