AZ-Leserbrief

„Wer sind die Raser?“

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AZ-Leser Jörg Rittinghaus argumentiert in seinem Leserbrief gegen ein generelles Tempolimit auf Autobahnen.

Zum Artikel „Der Wind dreht sich“, AZ vom 13. Mai, äußert sich dieser AZ-Leser:

Im Rahmen der Corona-Diskussion ging der Populismus in den Medien zugunsten wissenschaftlich-analytischer Volksbildung zurück. Kaum ziehen sich die Professoren der Virologie und Epidemiologie ein wenig aus der medialen Öffentlichkeit zurück, treten die Anti-Raser-Populisten wieder ins Blickfeld der Medien.

Wer sind die Raser, die im genannten Kommentar mit amerikanischen Waffenfanatikern gleichgesetzt werden? Etwa jene, die auf dem Berliner Kurfürstendamm Rennen mit Todesfolge veranstalten?

Nein, es sind auch jene, die sich sehr verkehrssicherheitsbewusst verhalten aber zum Beispiel vor einer Schule mit 30 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung, nachts bei völlig verkehrsfreier Straße mit 51 km/h, unabsichtlich in eine wegelagerisch aufgestellte „Blitzerfalle“ tappen und gemäß geplanter Gesetzgebung einen Monat ihren Führerschein und womöglich ihren Arbeitsplatz verlieren.

Bei jeder anderen gesellschaftlichen Gruppe gibt es massiven Widerstand, wenn sie diskreditiert wird, etwa als Ex-Kanzler Schröder, Lehrer als „faule Säcke“ bezeichnete. Die Diskreditierung von Autofahrern als Raser, selbst bei geringsten Verkehrsverstößen, wird bisher devot hingenommen.

Die hingenommene Diskreditierung von Verkehrsteilnehmern als Raser ist natürlich die beste Voraussetzung, um das seit Jahrzehnten, vor allem in links-ökologistischen Kreisen, immer wieder propagierte generelle Tempolimit auf Autobahnen, völlig wissenschaftsfern aufs Trapez zu bringen.

Langjährige Forschungen besagen, dass auf Autobahnen eine etwa vierfach höhere Verkehrssicherheit herrscht, verglichen mit Bundes- und Landstraßen ohne Seiten- und Mittelplankenschutz. Bei Autobahnunfällen handelt es sich fast ausschließlich um Auffahrunfälle, häufig durch übermüdete, beziehungsweise abgelenkte Lkw-Fahrer. Autobahnunfälle bei Geschwindigkeiten jenseits der 130 km/h sind extrem selten, zumal gefährliche Strecken bereits mit Tempolimit- Schildern versehen sind.

Die selbsternannten „lebensrettenden“ Befürworter eines generellen Tempolimits sind überhaupt nicht vertreten, wenn es um die Forderung nach Plankenabsicherung auf Landstraßen geht, wo die Unfallquote mit Todesfolge bei Baumunfällen größtenteils bei über 50 Prozent liegt. Die seit Jahrzehnten ökologisch begründete Forderung nach einem Tempolimit auf Autobahnen ist eindimensional und kontraproduktiv.

Nicht der Verbots- und Reglementierungsfetischismus, sondern die Ingenieurskunst hat dazu geführt, dass Pkw bei gleicher Leistungsstärke nur rund die Hälfte des Treibstoffs verbrauchen wie vor 40 Jahren. Der Schadstoffausstoß hat sich um ein Vielfaches verringert.

Jörg Rittinghaus, Suhlendorf

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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