AZ-Leserbrief

„Wer ist davon betroffen?“

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In Sachen Lehrermangel-Debatte fragt AZ-Leser Friedrich Kaune: „Wer steht in der ,pädagogischen Front´ in erster Reihe und muss sich mit den gesellschaftlichen (Fehl)-entwicklungen hautnah auseinandersetzen?

Zum Artikel „Förderschullehrer gesucht“, AZ vom 15. August, erreichte die Redaktion diese Zuschrift:

Welche Qualifikationen bringen der Landeselternrat (LER) und sein Vorsitzender, Herr Mike Finke, eigentlich mit, dass sie sich anmaßen, die Lehrerschaft in der Form zu kritisieren, dass sie nicht so viel klagen solle, um Abiturienten vom Lehramtsstudium abzuschrecken?

Muss der LER sich mit einer übereilten und aus Sparent-husiasmus durchgeführten Inklusion auseinandersetzen? Sind seine Vertreter täglich in großen Klassen mit einer veränderten, nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung und damit eher egoistischen Jugend konfrontiert?

Ist er den vielfältigen Erwartungen ausgesetzt, Schule als Reparaturbetrieb elterlicher Erziehungsdefizite anzusehen? Hat der LER unter der Arbeitsverdichtung durch die Inklusion und durch bürokratische Vorgaben zu leiden, die einfach Kraft und Zeit von pädagogischen Aufgaben raubt? Sind sie die Leidtragenden einer unsteten Schulpolitik aus ideologischen Gründen, die auch noch Ressourcen an Personal, gebäudlicher und sächlicher Ausstattung kürzt?

Wer ist davon betroffen, dass der Dienstherr seine Beamten alimentiert und damit der Willkür von Gehaltsabstufungen im Eingangsamt, verzögerten Gehaltserhöhungen und zögerlichen Gehaltsanpassungen unterwirft, sodass man sich fragen muss, ob der Beruf überhaupt im Wettbewerb mit der Wirtschaft noch attraktiv genug ist? Hat der LER eine Gegenstrategie, dass Schule und Lehrkräfte zunehmend an gesellschaftlicher Wertschätzung leiden? Das Wort von den „faulen Säcken“ eines ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten ist noch in deutlicher Erinnerung. Welche Haltung nehmen Herr Finke und seine Gruppe zu den ansteigenden Gewalteinwirkungen und Herabwürdigungen durch einzelne Schülerinnen und Schüler sowie auch einiger Eltern im schulischen Bereich und die sozialen Medien gegen Lehrkräfte ein? Warum hat der LER nicht viel früher gegen Studienplatzabbau bei Förderschullehrern und der Strukturkrise dieser Schulform protestiert?

Überhaupt, wer steht an der „pädagogischen Front“ in erster Reihe und muss sich mit den gesellschaftlichen (Fehl)-entwicklungen hautnah auseinandersetzen?

Alles nur darauf abzuheben, dass die Lehrerschaft einfach nur lamentiert und damit abschreckend wirkt, geht an den wirklichen Problemen in Schule weit vorbei.

Friedrich Kaune, Bohlsen

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