AZ-Leserbriefe

Weltmeister im Jammern

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Bunte Proteste gegen die AfD-Demonstration am 27. Mai in Berlin. Doch nicht überall blieb es so friedlich wie hier an der Spree. 

Der Beitrag über die jüngste AfD-Demonstration in Berlin, die Gegen-Kundgebung sowie den Leserbrief von Sylvia und Günther Riedl dazu („Hass soll Hass austreiben?“) beschäftigt die AZ-Leser. So schreibt Matthias Heuer aus Uelzen:

Hässliches ist da zu lesen. Natürlich ist es nicht in Ordnung, wenn Menschen beim Demonstrieren angepöbelt werden. Gewalt gegen Personen oder auch Sachen ist immer ein Zeichen undemokratischer Gesinnung und muss rechtsstaatlich verfolgt werden.

Hässlich ist aber auch die Gesinnung der AfD, wie sie erst jetzt ihr Vorsitzender A. Gauland zum Ausdruck gebracht hat. Die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur zu einem „Vogelschiss“ zu verniedlichen, der in der ansonsten großartigen Geschichte Deutschlands nicht ins Gewicht falle? Wem soll diese unglaubliche Verharmlosung des millionenfachen Todes und der weltweiten Zerstörungen, die vom selbst ernannten „Tausendjährigen Reich“ ausgingen, eigentlich nutzen?

Rechtsextreme jedenfalls halten engen Kontakt zur AfD. Und wer behauptet, dass „weiterhin täglich ungezählte Migranten die Grenzen überschreiten und eingeflogen werden“, der sät Misstrauen und Angst. Fakt ist, dass die Zahlen der Zuwanderer längst wieder auf dem Niveau liegen, das vor dem starken Anstieg in den Jahren 2015/16 bestand.

Das Land, „in dem wir gut und gerne leben können“, könnte sicherlich besser regiert werden, in der EU gibt es vieles zu kritisieren, und weltweit passiert viel zu wenig, z.B. gegen den Klimawandel. Aber Angst und Misstrauen lösen keines dieser Probleme. Christen sind da durch das Beispiel Jesu Christi in besonderer Weise herausgefordert, durch tätige Nächstenliebe Zeichen einer besseren Welt zu geben. Gerne erinnere ich an die bunte Vielfalt kirchlichen Engagements – nicht zuletzt auch in der Flüchtlingshilfe – die anlässlich des Reformationjubiläums in der Uelzener Innenstadt zu sehen war.

Zum selben Thema meint Karl Jongeling aus Uelzen:

In einem stimme ich Frau und Herrn Riedl zu: Selbstverständlich haben auch die Anhänger der AfD nach Artikel 8 im Grundgesetz das Recht, für ihre Ansichten zu demonstrieren – allerdings friedlich und ohne Waffen. Das Berliner „Bündnis gegen Hass“ hätte das Grundgesetz studieren sollen, bevor die Leute ihre Hassgesänge anstimmten. Chaoten, die Müllbehälter in Brand setzen und Autos demolieren, haben von Demonstrationsfreiheit keine Ahnung,

Die wirtschaftliche Situation unseres Landes sehe ich aber ganz anders als das Ehepaar Riedl. Wir werden von der ganzen Welt beneidet, weil wir unter der Leitung von Frau Merkel und der Groko besser dastehen als die meisten anderen. Wir haben die seit Jahren niedrigste Arbeitslosigkeit und einen erheblichen Exportüberschuss, der allerdings Mr. Trump zur Weißglut bringt. Unter dem Bundeshaushalt steht schon seit Jahren die schwarze Null, während Länder wie Italien immer weitere Schulden machen. Wir profitieren mehr als alle anderen vom Euro. Kehrten wir zur D-Mark zurück, würden unsere Exporte sehr schnell teurer werden.

Enteignung der Sparer? Die Bundesbank entscheidet unabhängig von Frau Merkel. Die niedrigen Kreditzinsen ermöglichen es, günstiger als noch vor Jahren zu Wohnungseigentum zu gelangen. Und wer sich über die Nullzinsen auf seinem Sparbuch ärgert, sollte es wie die US-Amerikaner machen. Sie kaufen Aktien, die sichere Dividenden erbringen.

Ob wir wieder Fußball-Weltmeister werden, weiß ich nicht. Aber im Jammern sind die Deutschen jetzt schon Weltmeister.

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