Zu weit vom Bürger entfernt

Auch der Lucas-Backmeister-Schule in Uelzen droht möglicherweise die Schließung. Kritik am Verhalten von Politik und Verwaltung in punkto Schulen übt Wilhelm Sties. Archivfoto: Schossadowski

Zum Kommentar „Von Woche zu Woche“ über den Umgang der Uelzener Politik mit den Grundschulen (AZ vom 12. Juli) schreibt Wilhelm Sties aus Hamburg:.

Mit großer Genugtuung habe ich den Artikel von Herrn Mitzlaff gelesen, der das fatal-falsche Spiel der Uelzener Politik anprangert. Kompliment für diese klaren Worte, sie bedeuten eine Abkehr von dem bisherigen und oft geschmähten sogenannten Goodwill-Journalismus der AZ gegenüber der Politik. Hier wird endlich Klartext geredet und dem Verschleierungs-Journalismus eine Absage erteilt.

Dem Leser und Bürger der Stadt Uelzen wird hier in aller Deutlichkeit vor Augen geführt, wem an vielen Ungereimtheiten eine erhebliche Mitschuld zu attestieren ist, nämlich den gewählten Volksvertretern. Ob die im Amt befindlichen hauptamtlichen und leitenden Entscheidungsträger der Stadt oder die Freizeitpolitiker, die ganz offensichtlich für ihre Entscheidungsfindungen oftmals nur unvollständig informiert wurden (eine andere Erklärung gibt es nicht!?), hier haben sich die Regierenden vom Volk entfernt.

Dem Bürger wird durch den Artikel in klarer Weise vor Augen geführt, wem die Verantwortung an der ganzen Misere (zum Beispiel kein Geld für Schulen/Kinder) zu geben ist. Die Verwaltung und die politischen Entscheidungsträger haben sich mittlerweile zu weit vom Bürger entfernt, sie haben vergessen, dass der Bürgerwille für sie ein Auftrag ist und nicht der Bürger der Willkür der Politik schutzlos ausgeliefert ist. Dieser von mir zitierte Artikel könnte der Anfang eines friedlichen Aufbegehrens der Uelzener sein, der Bürger ist jetzt gefragt, diesen Weg mitzugehen.

Mit dem Thema Schulschließungen beschäftigt sich auch Madushani Monard aus Lüder:

Mit gesundem Menschenverstand lassen sich die Debatten um die Schließung der Schulen im Landkreis nicht erklären, vielleicht eher anhand des bekannten „Peter-Prinzips“ von Laurence J. Peter. Bereits Adam Smith schrieb 1776, dass sich Politiker prinzipienlos nach den herkömmlichen Meinungen und den aktuellen Machtverhältnissen richten. Sie können aber auch im Interesse des Allgemeinwohls wirklich nützliche Entscheidungen treffen.

Dies scheint jedoch aktuell nicht gegeben zu sein und es scheint, dass die Entscheidungsträger das Allgemeinwohl aus den Augen verloren haben. Wer Schließungen mit dem Zukunftsvertrag begründet, sollte sich fragen, was das Fundament für eine Zukunft überhaupt darstellt und was Zukunft eigentlich bedeutet. Tatsache ist, dass Bildung einer der wichtigsten Faktoren gerade für unsere Zukunft darstellt. Bildung steht nicht nur in unmittelbarem Zusammenhang zum Wohl einer Nation. Sie trägt auch positiv zum Wirtschaftswachstum bei.

Die Schließungen von Schulen mit dem Zukunftsvertrag zu rechtfertigen und dies auch noch im Sinne von Wirtschaftlichkeit ist eine Frechheit und wirft die Frage auf, ob jemals die belegbaren Zusammenhänge von Bildung und Wirtschaftswachstum in Erwägung gezogen worden sind.

„Denn Sparsamkeit und wirtschaftliche Kompetenz der Bevölkerung sind es, die den Staat tragen, selbst wenn sich Politiker als unfähig erweisen sollten“, dieses Zitat von A. Smith spricht für sich und wahrscheinlich ist es an der Zeit, dass das Thema Bildung mehr durch die Bürger in die Hand genommen werden sollte.

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