Weichen gestellt mit Gradlinigkeit

Leserbrief zum Artikel: Hans-Joachim Lepel - „Schaltet RTL 2 ab und lest!“ (AZ 1. Oktober 2011)

Können Lehrer Vorbilder sein? Oder gar Weichensteller? Ja, sie können. Wenn sie die Gradlinigkeit, das Charisma und das intellektuelle Format eines Hans-Joachim Lepel erreichen, dann wohl in jedem Fall. Lepel war - jedenfalls für mich - so ein „Weichensteller“. Als relativ junger Lehrer und Leiter des Leistungskurses Geschichte am HEG hat er mir Anfang der 80er Jahre quasi das „qualifizierte“ Lesen beigebracht: Recherche am Text. Wichtige Inhalte aus schwerverständlichen Quellen saugen. Sie hinterfragen. Und – wenn es gut läuft – auch noch die Intention des Autors erkennen. Geschichte war auf einmal nicht mehr verstaubt („Grimm, zeig´n Se mal das Skagerak“). Im Gegenteil: Mit Hans-Joachim Lepel wurde so manche „trockene Quelle“ zum „reißenden Fluss“. Er war mit dem Textmarker (Foto zum Artikel ist treffend) schon damals auf „Du und Du“. Und ich bald auch. Dass ich Geschichte als leseintensives Nebenfach mit ins Magister-Studium nahm - obwohl das in Göttingen als Höchsttstrafe „Das Kleine Latinum in einem Semester“ hieß - sei nur am Rande erwähnt. Die Weichen für meine spätere journalistische Arbeit, die immerhin bis nach Peking führte, waren jedenfalls gestellt. Höchste Zeit dem „Weichensteller“ für seinen Anteil – bei seinem Start in den (Un-) Ruhestand – noch einmal herzlich zu danken. Und natürlich ihm beim Kampf gegen die Zeitdiebe (RTL 2 und Co.) und dem Werben für das Lesen alles Gute zu wünschen. Vielleicht sieht man sich ja ´mal – so zwischen zwei guten Büchern.

Lothar Grimm

Bienenbüttel

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