Wegeseitenräume sind tabu

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Eine Biene voller Blütenstaub sitzt auf einer Distel. Insekten sind als Bestäuber Grundlage des Ökosystems – deswegen sollten Wegeseitenräume für Radwege tabu sein, meint Petra Vollmer.

Zu unserer Berichterstattung über den Gemeinderatsbeschluss vom 8. März in Barum schreibt Petra Vollmer aus Eppensen:.

Folgendes hat sich zugetragen: Die Gemeinde Barum baute einen Radweg. Sie entschädigte zwei Landwirte mit Geld, einen Landwirt mit Land. Mehr Land hat die Gemeinde nicht. Jetzt setzten zwei weitere Landwirte – selber Ratsherren – im Rat der Gemeinde durch, mit Fläche aus den Wegeseitenräumen statt mit Geld entschädigt zu werden.

Zur Erklärung: Wegeseitenräume heißen die ungenutzten Flächen, die rechts und links die Straßen begleiten und mit der Fahrspur etwa zwölf Meter breit sind. Sie gehören den Gemeinden, die dafür zu sorgen haben, dass sie nicht ab- oder untergepflügt oder sonst umgenutzt werden. Mit dem Wegenetz ziehen sie sich durch die intensiv genutzte Agrarlandschaft und sind unerhört wichtig für Tiere und Pflanzen.

Egal, ob als Grünstreifen, Graben, Hecke oder Knick, Wegeseitenräume sind in dieser ausgeräumten Landschaft letzte Rückzugsorte. Dazu zwei Zahlen: Forscher fanden in derselben Insektenfalle 1989 1,4 Kilo Insekten, heute keine 300 Gramm mehr (Geo 3/2017, S.57). Das sagt alles: Insekten-Bestäuber sind die Grundlage unseres Ökosystems. Wegeseitenräume sind tabu! Nun haben Landwirte im Zeichen globaler Märkte und in der öffentlichen Diskussion keinen leichten Stand. Aber gerade deshalb ist die Entscheidung im Barumer Rat völlig unverständlich. Sie schadet dem Berufsstand, sie schadet der Natur, sie schadet der Gemeinde. Das ist Selbstbedienung. Eigennutz geht offenbar vor Gemeinwohl.

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