Zu warm und zu trocken

Das Jahr 2020 verzeichnet neue Wetter-Rekorde in der Region

Ende März kehrt der Winter nach Uelzen zurück. Am 30. März fällt sogar noch einmal wieder Schnee.
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Ende März kehrt der Winter nach Uelzen zurück. Am 30. März fällt sogar noch einmal wieder Schnee.

Uelzen/Landkreis – Der Klimawandel hat uns weiter voll im Griff. Mit durchschnittlich 10,7 Grad verzeichnete das Jahr 2020 einen neuen Wärmerekord. Gleichzeitig wurden Natur und Landwirtschaft vom dritten Trockenjahr in Folge gequält.

Außer Mai und Juli waren alle Monate teils erheblich zu warm. Nichts macht den unaufhaltsamen Weg in eine wärmere Welt so deutlich wie das Ausbleiben von Dauerfrost (Eistage) an allen Messstationen unserer Region.

Sonnenaufgang am Oldenstädter See im August. Der Sommer startet richtig durch.

Die traurigen Jahresminima von minus sechs bis minus acht Grad bei gleichzeitig erheblicher Steigerung der Hitzetage über 30 Grad im Vergleich zum Klimamittel (1991-2010) sowie die Andauer extremer Wetterlagen zeigen die bedrohliche Dynamik des Klimawandels. Dagegen rückten die wenigen positiven Nachrichten, wie der reichliche Sonnenschein und die wenigen Unwetter, in den Hintergrund.

Die milde Atlantikluft lässt im Januar keine Schneeflocke zu. Harmlose Nachtfröste einerseits und Höchstwerte bis zu 14 Grad (15. Januar) andererseits machen den zentralen Wintermonat zu einem der wärmsten seiner Art. Anfang Februar schaltet die Atmosphäre auf eine sechswöchige Regenzeit um.

Mit 250 bis 270 Prozent des Solls stoßen die Niederschlagswerte in neue Dimensionen vor. Die erste Märzhälfte bringt zunächst mildes, sehr feuchtes Wetter, dann wird es spätwinterlich kalt und es schneit am 30. März. Eine Unmenge wolkenarmer Tage sorgen im April für 300 Sonnenstunden und damit für neue Aprilrekorde. Derweil bremsen Hochdruckgebiete die atlantischen Regenfronten aus, sodass die Trockenheit in der Hauptvegetationsperiode bedrohlich wird. Verbreitet fallen nur 30 bis 50 Prozent der normalen Niederschläge.

Der Mai bleibt anschließend kühl und trocken. Regen bleibt weiterhin Mangelware. Die große Hochdruckdominanz im Frühjahr sorgt von Mitte März bis Ende April für eine der längsten Trockenperioden seit Messbeginn.

Erst warm, dann kühl, dann gewittrig und im Abgang hochsommerlich, so zeigt sich der Juni: Rekordhitze ist nicht dabei, dafür ein paar eng begrenzte Sturzfluten. 80 bis 110 Prozent des Monatssolls kommen in kurzer Zeit punktuell herunter.

Der Juli zeigt sich von einer sehr frischen Seite. Statt Badewetter vom Mittelmeer grüßt der Frühherbst mit kühlen Schauern und kaum 20 Grad.

Im August reißt der Sommer das Ruder komplett rum. Betonhochs über Mittel-Osteuropa und Skandinavien lösen zwischen dem 6. und 17. August eine unfassbare Hitzewelle aus. Durch sieben, gebietsweise elf heiße Tage in Folge erlangt die Hitzeperiode in Nordostniedersachsen Rekordstatus.

Sonne bis zum Abwinken gibt es im September. Nach 200 bis 220 Sonnenstunden geht dem Spätsommer erst in der letzten Septemberwoche die Puste aus.

Der Goldene Oktober macht seinem Namen keine Ehre. Nordwestliche Winde bringen kühle Luft, kaum Sonne, dafür reichlich Regen. Der November ist hingegen recht freundlich und extrem trocken. Der sprichwörtlich trübe Monat kommt ungewohnt hell daher.

Was im Oktober an goldenem Licht fehlte, holt der November nach. Subtropische Warmluft katapultiert die Temperaturen am 2. November auf neue Bestmarken von fast 21 Grad.

Der Dezember geht anfangs ruhig, sehr trübe und mild über die Bühne. Kurz vor Weihnachten kommt Schwung in die Wetterküche. Tiefdruckgebiete sorgen für reichlich Regen und lassen die Temperaturen über die Festtage sinken. (Von Reinhard Zakrzewski)

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