Wahlkampf-Getöse

Zu den Äußerungen von Landrats-Bewerber Jürgen Krumböhmer

Wenn man als SPD-Landratskandidat von außerhalb kommt, sollte man sich erst einmal gründlich über Probleme, Stärken und konkrete Lösungsansätze vor Ort informieren. Aber es liegt wohl am Zeitmangel, dass Herr Krumböhmer nur die eigentlich überall passende Floskel von der „Strukturschwäche“ der Region verwendet und gleich passend dazu zu die Lösungs-Behauptung fast aller ideenloser Politiker, sprich: „neue Dynamik durch den Bau der A 39“. Ganz abgesehen davon, dass die A 39 mangels Lobby und Finanzen zwar zu Ende geplant aber danach vermutlich nie gebaut wird – alle Gutachten beweisen, dass Autobahnen weder die regionale Wirtschaft noch die Arbeitsplätze fördern.

Dabei offenbart die geplante A 39 immer mehr Probleme, je konkreter die Planungen werden: Die A 39 nebst Rastanlagen und Ausgleichsmaßnahmen und die drohenden Flurbereinigungen bedrohen die Existenz vieler Landwirtschaftsbetriebe. Die theoretischen Schalluntersuchungen lassen vermuten, dass die Lärmbelastungs-Grenzen vieler Orte nur knapp oder evt. auch gar nicht eingehalten werden. Dabei rechnet man beschönigend nur Misch-Windformen ein, wie auch überhaupt nur tägliche Durchschnittswerte berechnet werden (die Spitzenwerte werden so ausgeblendet).

Die Auswirkungen der A 39 auf die vielen bedrohten Tiere, Pflanzen und Biotope sind noch nicht ermittelt. Insbesondere das Problem der Durchschneidung der hochgeschützten Ortolan-Vorkommen scheint unlösbar, weil es dafür einfach keine praktikablen Ausgleichsmaßnahmen gibt (außer der Stilllegung riesiger Acker-Areale).

Bei der Gemeinde Römstedt, deren Ratsmehrheit ja immer für die A 39 plädierte, führt die Autobahn nun nicht mehr am Waldrand entlang, sondern mehrere hundert Meter östlich in Richtung Dorf, quer durch die Ackerflächen. Auch die vom Bundesumweltministerium geforderte alternative Trassenuntersuchung östlich des FFH-Gebiets Ilmenau ist noch ungewiss. Der vom Ministerium geforderte Wegfall der Querspange Salzwedel-Bodenteich zugunsten eines B-71-Ausbaus würde südlich von Uelzen alle Verkehrsprognosen ad absurdum führen.

Eine Arbeitsgruppe Vernetzung untersucht derzeit die großflächigen Sperr-Wirkungen der A 39 auf den Wechsel von Hirschen, Wölfen, Ottern, Fledermäusen und Amphibien. Aber nicht etwa ergebnisoffen hinsichtlich der evt. Folgen der A 39 – die Arbeitsgruppe soll lediglich die offensichtlich dramatischen Folgen durch Vorschläge für einige Wildbrücken reduzieren. Dabei ist die Wirksamkeit solcher Brücken ohnehin höchst umstritten.

Zwischen A 39 und Elbe-Seiten-Kanal soll es eine „Ruhe- oder Pufferzone“ von 100 Metern geben, die es angeblich den Tieren erleichtern soll, diese zweite Barriere zu überwinden. Dann müsste der Fußgänger- und Radverkehr entlang des Elbe-Seiten-Kanals unterbunden werden...

Aber, lieber Herr Krumböhmer, lassen Sie sich bitte durch unsere Probleme nicht bei Ihrem Wahlkampf-Getöse stören...

Eckehard Niemann, Bienenbüttel

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