Wahl zwischen mehreren Übeln

Leserbrief zum Thema „Atomkraft“ (AZ berichtete):

Japan setzte bisher voll auf die Atomkraftnutzung zur Versorgung mit elektrischer Energie. Grund dafür war der Mangel an eigenen Rohstoff-Vorkommen aller Art, der angesichts des rasanten Wachsens der Industrie zu einer starken Importabhängigkeit führte, insbesondere von Rohölimporten. Mit dem Bau einer Vielzahl von AKWs schien eine perfekte Lösung gefunden zu sein. Nicht genügend berücksichtigt wurde dabei die Gefährdung durch die hier besonders häufigen Erdbeben als Folge der Lage der Inseln auf dem pazifischen Feuerring, hervorgerufen durch die Lageveränderungen mehrerer Kontinentalplatten.

Daran lässt sich nichts ändern. Man baute trotzdem eine große Anzahl von AKWs und plante sie so, dass sie den gewohnten Beben standhalten können. Leider vernachlässigte man das mögliche Auftreten besonders starker Beben, mit denen dort aber zeitweise zu rechnen ist, ebenso wie mit den nicht so seltenen Flutwellen, Tsunamis genannt, als Folge starker Seebeben. Trifft beides in besonderer Stärke ein, was man aber für recht unwahrscheinlich hielt, reichten die Schutzeinrichtungen dafür nicht aus, wie sich in diesen März- und Apriltagen zeigte.

Die grausamen Folgen sind bekannt und noch längst nicht beendet. Die Frage ist nun, wie es weitergehen soll. Man kam die Augen zudrücken und „weiter so“ wie bisher arbeiten, was aber völlig verantwortungslos wäre, obschon die schnellste Methode. Man kann die vorhandenen AKWs „nachrüsten“, also mit stärkeren Schutzeinrichtungen versehen, was aber außerordentlich teuer werden wird, oder man verwirklicht Entwürfe mit noch weit höherem Sicherheitsniveau durch Neubauten, die fast unbezahlbar werden. Es ist also eine Wahl zwischen mehreren Übeln.

Zu hoffen ist aber, dass die Vernunft siegt und die AKWs zwar im Moment noch weiter benutzt werden müssen, aber soweit wie möglich verbessert werden und so schnell wie möglich durch andere Technologien ersetzt werden, deren Maximal-Risiko weit geringer ist, Statt wie bei uns die Windkraft, bietet sich dort in dem Inselland die konzentrierte Nutzung der Meeresströmungen zwischen den Inseln an, und Japan hat über 3900 davon, während das bei uns Mangelware ist. Trotzdem sind deutsche Firmen und Unis am Suchen nach geeigneten Geräten und erproben mit anderen europäischen Firmen bereits erste Versuchsfelder in geeigneten Meeresgebieten mit starken Strömungen, wobei die Ergebnisse zum Teil sehr positiv überraschten.

Diese Meeresströmungskraftwerke sind nicht mit Gezeitenkraftwerken zu verwechseln. Sie arbeiten nicht nur bei Ebbe und Flut, sondern kontinuierlich! Ich halte es für sicher, dass das nutzbare Potential dieser Strömungen weit höher ist, als Japan es jemals brauchen kann. Man kann also wählerisch sein und nur die günstigsten Stellen nutzen, um so die AKWs überflüssig zu machen. Bei der bekannten Begabung der Japaner, gute Ideen preiswert und schnell umzusetzen, dürfte das auch für die übrige Welt den Weg zur Nutzung der Meeresströmungen leichter begehbar machen und den Bau von AKWs vermeiden.

Waldemar Hermann

Eimke

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