Vorbild bei Umbenennung

Zur Diskussion um das Bürgerbegehren für die Farinastraße:

Die Stadt Celle hat dieser Tage nach ausführlicher Debatte beschlossen, drei Straßen umzubenennen, die vorher nach einem Nazi-Bürgermeister und zwei weiteren prominenten NS-Anhängern benannt waren. Dies sei ein Vorbild für andere Städte, heißt es zu recht. Der Beschluss des Uelzener Stadtrats zur Umbenennung der ehemaligen Seebohm- und Farinastraße war ebenso vorbildlich.

Wenn jetzt aus den Reihen der CDU-Fraktion die Wiederbenennung nach dem ehemaligen Nazi-Bürgermeister Farina betrieben wird, dann soll damit beschönigt werden, dass Farina den Terror der Nazi öffentlich bejubelte, Menschen ins KZ schickte, auf eigenes Betreiben einen Nazigegner nach Verbüßung der so genannten „Schutzhaft“ ins KZ überstellte und als Polizeichef sogar das öffentliche Aufhängen eines Zwangsarbeiters mitten in der Stadt durch ein SS-Lynchkommando duldete wenn nicht sogar guthieß.

Das vorgeschobene Argument von den Kosten der Umbenennung verblasst vor der Tatsache, dass beim Zusammenschluss von Gemeinden im Landkreis viele nunmehr doppelte Straßennamen ohne große Proteste geändert werden.

Das Mittel des Bürgerbegehrens an sich ist legitim und demokratisch - nicht aber das damit angestrebte Ziel, eine Straße erneut nach einem Nazi zu benennen. Mitläufer und Mittäter gab es im „3.Reich“ viele - das Urteil über sie hängt auch davon ab, ob sie hinterher ihre Fehler eingestanden und korrigiert haben. Aber Straßen sollten nach ihnen nicht benannt werden. Das hat eine Anwohnerin der Ex-Farina-Straße in einem Leserbrief sehr klar und gut zum Ausdruck gebracht.

AZ-Chefredakteur Rath fällt in einem Kommentar weit hinter die Einsichten dieser Einwohnerin zurück, wenn er das Bürgerbegehren – völlig unabhängig von seinem schlimmen und für Uelzens Ruf fatalen Ziel – als „Signal und Chance“ beschönigt. Er spricht diesem Begehren indirekt gar die Weihe eines berechtigten Protests gegen diverse Fehlentscheidungen der „Mehrheitsgruppe im Stadtrat“ zu, will es sogar vom Vorwurf des „Ewiggestrigen“ und „Verharmlosens“ reinwaschen und nimmt es sogar gegen angebliche „Verleumdung und Ausgrenzung“ in Schutz.

Liebe Bürgerinnen und Bürger Uelzens, bitte zeigt demgegenüber mehrheitlich und deutlich, wie viele Menschen mit Einsicht und Verantwortungsbewusstsein es in dieser Stadt gibt! Vielen Dank auch an die vielen Uelzener Geschäftsleute, die das Auslegen der Sammellisten abgelehnt haben.

Eckehard Niemann,

Varendorf

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