AZ-Leserbrief

„Völlig an Realität vorbei“

+
Greta Thunberg beim Papst: „Auch kommende Generationen sollen sich nicht fragen müssen, warum wir uns nicht mehr um unseren Planeten gesorgt haben“, meint Mathis Vetter. Er wünscht sich eine sachliche Debatte zum Klimaschutz.

Zum Leserbrief „Kinder wie Greta können mir nur leidtun“ von Sylvia Riedl, AZ vom 15. Juli, schreibt dieser AZ-Leser:

Ich stimme Frau Riedl zu, dass wir zu dem privilegiertesten Teil der Weltbevölkerung gehören und Angst nicht das Leitmotiv sein sollte, das uns daran hindert, uns an der Gegenwart zu erfreuen.

Aber sie sollte es doch bitte unterlassen, die momentane Situation unseres Planeten krampfhaft schön zu reden und sich mit ihrer eindimensionalen Argumentation „Dem Wald geht es gut“ und „Die Luft ist sauber“ in die Reihen der Klimawandel-Leugner einzureihen.

Leserbrief

Der von ihr eingangs beschriebene Wohlstand baut größtenteils darauf auf, dass wir ihn auf Kosten anderer Regionen und Menschen aufgebaut haben. Ihrer Generation ist es zu verdanken, dass es uns hier so gut geht, jedoch ist es auch ihr zu verdanken, dass der Saldo nicht ausgeglichen ist.

Ich würde mir wünschen, dass auch sie ein wenig mehr Angst – oder zumindest Sorge – hätte, insbesondere vor dem Unsichtbaren. Unumstrittener Fakt ist nämlich, dass der hohe CO2-Ausstoß derjenigen, die in Wohlstand leben, und derjenigen, die nach Wohlstand streben, dafür sorgt, dass sich die Erde immer weiter aufheizt und in naher Zukunft Kipppunkte erreicht werden, die unumkehrbare Mechanismen in Gang setzen, die das Leben auf diesem Planeten nicht mehr so annehmlich machen, wie wir es uns wünschen.

Der deutsche Wald, den sie als unsterblich vital beschreibt, wird bei anhaltender Trockenheit und sobald die verbleibenden Feuchtigkeitsreserven in den tieferen Bodenschichten weiter schwinden, schneller eingehen, als wir ihn inventarisieren können. Wenn sie mal einen unverklärten Blick nach draußen werfen würde, könnte sie die Folgen an vielen Stellen bereits heute sehen. Ihre Sichtweise geht meiner Meinung nach völlig an unserer Realität vorbei. Wir haben in unserer Situation alle Mittel, um dem Wandel entgegenzuwirken, ohne unseren Wohlstand auch nur ansatzweise einzuschränken.

Dazu ist es unbedingt notwendig, eine sachliche (!) Debatte unter Berücksichtigung der wissenschaftlich bewiesenen, fundamentalen Entwicklungen des Klimawandels zu führen und bedingungslos geeignete Maßnahmen umzusetzen, damit die Welt von morgen mindestens genauso lebenswert ist wie die Welt in der Gegenwart. Auch kommende Generationen sollen sich nicht fragen müssen, warum wir uns nicht mehr um unseren Planeten gesorgt haben. Verpassen wir also nicht die Gegenwart, damit wir uns an der Zukunft freuen können.

Mathis Vetter, Braunschweig (gebürtig aus Uelzen)

---

Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare