„Viele Worte, wenig Taten“

Ehrenamtliche Helfer sortieren Spenden für Flüchtlinge: Noch ist die Hilfsbereitschaft groß. Doch das könnte sich ändern, fürchten AZ-Leser. Foto: dpa

Die Flüchtlingssituation beschäftigt die AZ-Leser in ihren Schreiben an die Redaktion. So auch Friedhelm Klinkhammer aus Bad Bevensen:.

Es ist richtig, dass allerorten die Stimmung wegen der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung kippt. Und das ist mehr als verständlich. Natürlich war es ein tolles Gefühl zu sehen, mit welchem Engagement und welcher Empathie große Teile der Bevölkerung die Geflüchteten an der bayrischen Grenze empfangen haben.

Nur mir scheint, dass diese positive „Empfangskultur“ von den Regierenden in der Konsequenz instrumentalisiert und missbraucht wird. Wie zu hören ist, wird bereits in Betrieben des Landkreises nachgefragt, ob man Flüchtlinge unentgeltlich beschäftigen könne, um deren Integration zu fördern... Erste Schritte zur weiteren Vorbereitung, die Gesellschaft sozial zu spalten. Die ohnehin Ärmsten der Armen erhalten Konkurrenz und müssen um den Mindestlohn zittern.

Es werden auch die Bitterarmen sein, die die weitere Ghettoisierung in den Städten zu erdulden haben, Bisher ist es in Jahrzehnten nicht gelungen, ausländisch-geprägte Vorstädte zu verhindern, also eine vernünftige Integrationspolitik zu realisieren. Woher soll man nun die Erwartung nehmen, dass sich daran etwas in Zukunft unter den jetzt verschärften Bedingungen ändert?

Zu wenig werden auch die Ursachen der Flüchtlingsströme diskutiert. Jahrelang wurde unter dem Deckmantel der Demokratie in Ländern wie Irak, Afghanistan oder Syrien militärisch interveniert. Der angebliche Kampf der westlichen Allianz gegen die IS-Terroristen führte dazu, dass die sicher immer weiter in Syrien und dem Irak ausbreiteten und die Menschen abschlachteten.

70 Prozent der syrischen Flüchtlinge sollen junge Männer sein. Ich verstehe nicht, warum die zu uns kommen, anstatt ihr Land – ihre Eltern, Frauen und Kinder – gegen die Schlächter des IS zu verteidigen.

Zum selben Thema schreibt Lothar Berlich aus Groß Thondorf:

Seit Wochen verfolge ich die Diskusionen und Meinungsäußerungen der Politiker aller Parteien aus Bund, Land und den Kommunen. Ich höre viele kluge Worte, meistens Wiederholungen dessen, was andere schon gesagt haben. Viele Worte und wie immer wenig Taten. Das Flüchtlingsproblem ist nicht neu, schon vor vielen Jahren haben vorausblickende Journalisten und auch Politiker vor dieser Flüchtlingsflut gewarnt, wurden aber nicht ernst genommen. Jetzt steht man hilflos und unvorbereitet vor diesem Problem und behilft sich mit Notmaßnahmen, die wie jeder weiß, nur bedingt zur Lösung beitragen.

Wie die „noch“ Mehrheit aller Deutschen sehe ich die Notwendigkeit ein, dass den Flüchtlingen, die in ihrer Heimat um ihr Leben fürchten müssen, in Europa Asyl gewährt werden muss.

Nach meiner Meinung werden bei der ganzen Diskussion die legitimen Belange überwiegend der jungen Leute in Deutschland überhaupt nicht berücksichtigt. Sie sind im Allgemeinen weltoffen und tolerant.

Wenn sie heute wie gewohnt in ihrer Freizeit ein Kino, eine Disco oder Ähnliches aufsuchen, womöglich mit ihren Freundinnen, kommt es vor, dass sie von Gruppen aus dem Asylbewerberkreis auf das übelste provoziert und belästigt zu werden. Wer sich wehrt, wird als Rechter abgestempelt.

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