Vertrauen statt Misstrauen

Uelzens Erster Kreisrat Uwe Liestmann (rechts) spricht mit neu in Uelzen angekommenen Flüchtlingen: Mittlerweile sind in der Uhlenköperstadt auch erste Turnhallen belegt.
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Uelzens Erster Kreisrat Uwe Liestmann (rechts) spricht mit neu in Uelzen angekommenen Flüchtlingen: Mittlerweile sind in der Uhlenköperstadt auch erste Turnhallen belegt.

Die Unterbringung von Flüchtlingen in der Turnhalle des Lessing-Gymnasiums beschäftigt weiter unsere Leser. So auch Hannes Hanse aus Jarlitz:.

In den letzten Tagen drückten einige Leser in Kommentaren ihre Ängste und Sorgen bezüglich der temporären Unterbringung von Flüchtlingen in der Turnhalle des Lessing-Gymnasiums aus. Diesen Disput nehme ich, Schüler und Schülersprecher des LeG, als Anregung, um die Thematik aus einer anderen Sichtweise zu beleuchten.

Zwar kann es keine Garantie für eine reibungslos verlaufende Unterbringung geben und es ist schwer, das Ausmaß möglicher Komplikationen bei so vielen Personen auf engstem Raum einzuschätzen, jedoch halte ich es für unangebracht, Flüchtlingen a priori mit Misstrauen zu begegnen. Die Forderung nach mehr Sicherheit und danach, dass die Flüchtlinge „nicht ihre Spaziergänge durch die Schule machen“ kommt der Bewachung von Kriminellen gleich.

Daher ist es nicht nur fehlplatziert, von vornherein von einer Gefährdung der Sicherheit der Schüler auszugehen. Es führt auch dazu, dass Panik geschürt wird, wo man sie eigentlich vermeiden wollte. Indem jeglicher Kontakt von Schülern mit Flüchtlingen seitens einiger Eltern als unerwünscht und gefährlich beschrieben wird, hat es den Anschein, die Asylsuchenden ghettoisieren zu wollen. Eine pauschale Angst, die den Schülern damit eingeschärft wird, kommt keinem Ziel von Integration nach.

„Von Schülern geht keine Sorge aus“

Ich sehe keine von den Schülern selbst ausgehende Sorge um das eigene Wohl. Vielmehr traf ich an unserer Schule in allen Jahrgängen bei der Konfrontation mit der Flüchtlingsproblematik und auf der Suche nach potenziellen Patenschülern für schulpflichtige Asylanten auf eine große Offenheit und Hilfsbereitschaft. Integration kann nur mit Vertrauen und Unvoreingenommenheit auf beiden Seiten funktionieren.

Jörg Rittinghaus aus Schlieckau macht sich Gedanken über die Rolle der Bundespolitik beim Flüchtlingsthema und nimmt Bezug auf den Beitrag „In der Union wächst die Angst vor einen Beben“ (AZ v. 26. Oktober):

„Denken ist schwer, darum urteilen die meisten“. Diese Beobachtung des Psychotherapeuten Carl Gustav Jung (1879 bis 1961) scheint sich bei der Politikerschelte in verschiedenen Leserbriefen, sowie vor allem bei dem „Fußvolk“ in der Pegida-Bewegung zu offenbaren. Die Führung dieser Bewegung hingegen agiert keineswegs undurchdacht, indem sie, psychologisch geschickt, zur eigenen Machtausweitung Emotionen und Ängste der Bevölkerung zu schürt.

Mit dem mutigen Angehen dieser gigantischen Herausforderung, wie zur Zeit durch die enormen Flüchtlingsströme bedingt, auf allen politischen Ebenen gefordert ist, lässt sich nicht im Hinblick auf Wählergunst punkten. Das musste auch der Vorgänger von Frau Merkel, Gerhard Schröder, erfahren. Durch sein verantwortungsbewusstes, unpopulistisches Durchsetzen der Agenda 2010 stieg Deutschland vom ökonomischen Schlusslicht in der EU zum absoluten Spitzenreiter bei Halbierung der Arbeitslosenzahlen auf.

„Lieber den Helfern anschließen“

Der Dank blieb aus. Schröder verlor die Kanzlerschaft und seine Partei sank stark in der Wählergunst. Den griechischen Politikern war die Wählergunst wichtiger, aber sie führte das Land in den Ruin. Frau Merkel kennt diese Problematik, deshalb ist es hoch anzuerkennen, dass sie dieser gewaltigen Aufgabe Rechnung trägt und auf allen außen- und innenpolitischen Ebenen nach besten Kräften wirksam wird, ohne die grundgesetzlich garantierten Menschenrechte zu beeinträchtigen.

Pseudokompetente Politkritiker sollten sich fragen, ob sie sich nicht lieber den zahlreichen freiwilligen Helfern anschließen sollten, die einfach nur leidende Menschen sehen, die ihre Empathie hervorrufen. Wir haben es ja schon geschafft. Als die so genannten „Gastarbeiter“ trotz diverser Unzulänglichkeiten relativ gut integriert wurden. Die Aufnahme von ca. zehn Millionen Flüchtlingen aus den östlichen Gebieten Deutschlands in Westdeutschland und deren Integration nach dem Zweiten Weltkrieg hat Deutschland geschafft und zu wirtschaftlichem Aufschwung verholfen.

Die sprachliche, soziale und politische Integration, bei Gleichberechtigung der Geschlechter, ist die wesentlichste Voraussetzung damit „wir es schaffen.“ Ein Anreiz müsste auch gegeben werden, damit Frauen nicht von demokratisch fundierten Bildungsmaßnahmen ferngehalten werden. Insofern könnte Frau Merkels freundliche Begrüßung der Flüchtlinge eine erstrebenswerte Alternative zu den menschenverachtenden Regimen offenbaren, denen die Flüchtlinge ausgesetzt waren.

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