Versorgung fernab des Bombenhagels

Leserbrief zum Artikel „Lebendige Erinnerungen“ zu dem Gästearchiv des Hamburgischen Krankenhauses, AZ vom 6. März:.

Die Darstellung im genannten Artikel ist sicherlich für die jüngere Geschichte der Einrichtung korrekt. Die geschilderte Entstehungsgeschichte stimmt allerdings mit meinem eigenen Erleben nicht überein. Das Hamburgische Krankenhaus wurde anders als angegeben nicht als Lazarett geplant, sondern von vornherein als Ausweichkrankenhaus für das im Bombenkrieg stark zerstörte Hamburg. Hier sollte nach einer Erstversorgung in Hamburg die weitere Behandlung fernab bombengefährdeter Gebiete stattfinden. Im gleichen Rahmen wie das Haus in Bevensen entstanden rund um Hamburg weitere gleichartige Einrichtungen wie zum Beispiel auch das Krankenhaus Wintermoor bei Buchholz oder das Geesthachter Krankenhaus. Das Konzept der Ausweichkrankenhäuser für bombengefährdete Großstädte wurde durch die sogenannte „Aktion Brandt“ – benannt nach Hitlers Leibarzt Dr. Karl Brandt – erstellt und realisiert. Die Eilbedürftigkeit der Maßnahmen begründete auch die Bauweise in Form von einfach zu erstellenden Baracken. Ich bin damals als einer der ersten Bewohner direkt nach meiner Geburt im August 1943 mit meinen Eltern – mein Vater wurde als erster Chirurg in diese Einrichtung abgeordnet – auf dem Bevenser Gelände eingezogen und bin bis 1945 dort aufgewachsen. Nach dem Krieg blieb das Haus – wie im Artikel dargestellt – im Besitz der Stadt Hamburg und wurde bis in die fünfziger Jahre in erster Linie im Rahmen der Tuber-kulosebehandlung genutzt.

Dr. Carsten Schiefer,

Bad Bramstedt

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